Ruhm und Schmach mit dem Roman «Jud Süss»
Sein Buch «Jud Süss» wird noch heute heftig diskutiert: Lion Feuchtwanger. (Bild: Keystone)
«Jud Süss» - selten hat ein Buch seinem Autor so viel Ruhm und so viel Schmach zugleich eingetragen wie dieser Roman dem deutschen Schriftsteller Lion Feuchtwanger. Feuchtwanger kam am 7. Juli vor 125 Jahren zur Welt. Sein Werk, die 1925 erschienene Lebensgeschichte des jüdischen Finanzrats Joseph Süss Oppenheimer aus dem frühen 18. Jahrhundert, hat sich inzwischen weltweit mehr als drei Millionen Mal verkauft.
Doch seit Regisseur Veit Harlan 1940 im Auftrag von Nazi- Propagandaminister Joseph Goebbels aus dem historischen Schicksal von «Jud Süss» einen antisemitischen Hetzfilm machte, ist der Titel schwer belastet. Auch Feuchtwangers internationales Renommée wurde zwischenzeitlich von der Diskussion überschattet.
Dabei ist bis heute nicht klar, ob sein Buch wirklich - wenn auch unfreiwillig - die Vorlage für Harlans faschistisches Machwerk lieferte. Die Forscher gehen eher davon aus, dass ein etwa hundert Jahre früher entstandenes, gleichnamiges «Märchen» von Wilhelm Hauff und anderes biografisches Material als Grundlage diente.
Flucht in die USA
Der gebürtige Münchner Feuchtwanger hatte in seinem facettenreichen Werk die historische Figur des «Jud Süss» vor allem genutzt, um sich mit dem Antisemitismus der Weimarer Zeit auseinanderzusetzen - Erfahrungen, die er später selbst schmerzlich machen musste. «Jud Süss» machte ihn zu einem der meistgelesenen deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts.
1884 als Sohn eines wohlhabenden jüdisch-orthodoxen Margarinefabrikanten geboren, wurden seine Werke nach der NS- Machtergreifung 1933 Opfer der Bücherverbrennung, er selbst durfte von einer Auslandsreise nicht mehr nach Deutschland zurück.
Es folgen mehrere Jahre im französischen Exil. Nach Kriegsbeginn muss er 1940 unter abenteuerlichen Umständen mit seiner Frau Marta in die USA fliehen. Als Kommunist, der sich einmal auch mit dem sowjetischen Diktator Josef Stalin fotografieren liess, wird er während der McCarthy-Ära auch in der neuen Heimat nur geduldet.
Historische Romane
Bis zu seinem Tod nach einer Nierenkrebserkrankung 1958 versagen ihm die US-Behörden die Staatsbürgerschaft. Gleichwohl lebt der Autor seit 1943 in vergleichsweise komfortablen Verhältnissen in Los Angeles.
Das weitläufige Anwesen hoch über dem Pazifischen Ozean wird bald zu einem Treffpunkt prominenter Flüchtlinge, unter ihnen Bertolt Brecht, Thomas und Heinrich Mann, Arnold Schönberg und Albert Einstein. Auch Aldous Huxley und Charly Chaplin kommen zu Gast.
Auch im Exil beweist sich Feuchtwanger als Meister des historischen Romans. Zu wichtigen Werken gehören «Die Brüder Lautensack» (1941), «Waffen für Amerika» (1947) und «Spanische Ballade» (1955). Als Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus bleibt auch seine «Wartesaal»-Trilogie aus den 30er Jahren aktuell.
Film über das Machwerk
Eine Neuverfilmung von «Jud Süss» hatte sich Feuchtwanger bis an sein Lebensende gewünscht - trotz mehrerer Anläufe ist das bisher nicht geglückt. Nun soll zumindest die Entstehungsgeschichte des umstrittenen Werks aufgearbeitet werden.
Wenige Tage vor dem 125. Geburtstag fiel in Köln die erste Klappe zu Oskar Roehlers neuem Projekt «Jud Süss - Film ohne Gewissen». Tobias Moretti, Martina Gedeck und Moritz Bleibtreu haben die Hauptrollen übernommen. (vin/sda)
Erstellt: 05.07.2009, 16:32 Uhr
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