Kultur

Philippe Zweifel
Ressortleiter Kultur


Wie der Pavian zu seinem roten Hintern kam

Aktualisiert am 03.05.2012 1 Kommentar

Der Kunstrichtung Tingatinga verdanken wir das scheinbar Unmögliche: Ein schön illustriertes Kinderbuch.

1/7 Fantastische Farben: Tingatinga-Bild von Amani.

   

«Wie die Tiere ihre Farben bekamen» von Agnes Mpata, Issa Thabit. 2011. 36 Seiten, mit zahlreichen farbigen Abbildungen. Hrsg.: Brockhaus, Angelika. ISBN-10: 3871030368, 23.90 CHF.

Wie die Tiere ihre Farben bekamen

Tinga Tinga Tales

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Schön illustrierte Kinderbücher sind Mangelware – das erklärt nur schon die anhaltende Herrschaft von «Babar» und «Schellenursli» in den Kinderzimmern dieser Welt. Bei zeitgenössischen Bänden aber trifft man auf Lieb- und Mutlosigkeit. Die Illustrationen wirken brav und traditionell in Perspektive und Strich. Oder blenden einen mit schrillen Farben.

Man kann argumentieren, dass Kinder über kein ästhetisches Urteilsvermögen verfügen. Doch was ist mit den erwachsenen Vorleser? Kinderbücher sind bei wiederholter Lektüre schon intellektuelle Folter genug. Da muss nicht auch noch das Auge mitleiden. Doch es gibt Hoffnung und sie heisst Tingatinga. Der afrikanische Malstil verwendet traditionelle Motive wie Dorfszenen und vor allem die afrikanische Tierwelt. Die Kunstrichtung zeichnet sich weiter aus durch brillante, kontrastreiche Lackfarben und fantasiereiche Darstellungen im Stil der naiven Malerei – also eine collagenhafte, vereinfachte Darstellung der Sujets ohne Schattenwürfe.

Wie ein Wimmelbuch

Kurz, Tingatinga ist von der Form und vom Inhalt wie geschaffen für Kinder. Und mit «Wie die Tiere ihre Farben bekamen» kam denn auch kürzlich ein wunderschöner Band auf den Markt. Das Buch von Agnes Mpata und Issa Thabit Mchisa erzählt eine traditionelle Geschichte aus Tansania, die in farbigen Bildern greifbar wird. Pädagogisch wertvoll ist natürlich der Einblick in eine anderes Land, trotzdem kommt das Buch alles andere als angestrengt multikulturell daher. Im Gegenteil: In seiner grafischen Verspieltheit erinnert es an ein klassisches Wimmelbuch.

Vor allem aber ist es weniger Klischee-beladen als andere Afrika-Kinderbücher wie etwa «Babar». Denn die Protagonisten in «Wie die Tiere ihre Farben bekamen» sind in erster Linie die Tiere der afrikanischen Steppe: Der Löwenkönig hat einen Sohn bekommen und lädt alle Tiere zu einem grossen Fest ein. Doch wie präsentiert man sich an diesem wichtigen Anlass? Nachdem verschiedene Vorschläge verworfen worden sind, hat der Leopard die zündende Idee: Die Tiere malen sich an – was dann auch erklärt, wie der Pavian zu seinem roten Hintern kam.

«Tinga Tinga Tales»

Die Tingatinga-Malerei wurde Ende der 60er-Jahre durch den Autodidakten Edward Saidi Tingatinga begründet. Als Arbeitsloser in Dar es Salaam begann er mit Fahrradlack auf quadratische Spanplatten Tiere, Pflanzen und Dorfszenen zu malen. Nachdem er 1972 versehentlich von einer Polizeistreife erschossen wurde, nahmen Verwandte und Freunde seine Kunstform auf, führten sie fort und riefen die Tingatinga Arts Cooperation ins Leben. Heute besteht die Genossenschaft aus 70 Malern und 10 Malerinnen.

Bereits auf den Tingatinga-Zug aufgesprungen ist die BBC. Für ihr Kinderprogramm lässt sie in Afrika die animierte Sendung «Tinga Tinga Tales» produzieren. Auch sie ragt aus dem Meer der lieblos produzierten 3-D-Programme und Superhelden-Comics heraus; wie bei den Malereien eröffnet sich einem hier eine farbig-fantastische Welt. Die Folgen erklären auf originelle Weise, wie Tiere zu dem geworden sind, was sie sind: Weshalb der Pfau ein Rad schlägt oder wie der Ameisenbär zu seiner klebrigen Zunge kam. Naiv? Mitnichten. Sieht man sich in Online-Foren die Kommentare zu den «Tinga Tinga Tales» an, fällt auf, dass viele kinderlose Erwachsene sich als Fans outen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.05.2012, 14:42 Uhr

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1 Kommentar

Bernd Thalberg

03.05.2012, 15:00 Uhr
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Wissen Sie was Herr Zweifel? Es gibt unzählige gut illustrierte, witzige Kinderbücher und auch viele mit mutigen Geschichten. Das von Ihnen gezeigte sieht jedoch aus wie aus dem Caritas-Shop. Geschmacksache sagte der Affe und biss in die Seife. Antworten



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