Walser wollte Reich-Ranicki ohrfeigen
Sie mögen sich nicht: Martin Walser und Marcel Reich-Ranicki. (Bild: Keystone)
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In einem «Spiegel»-Gespräch über den neuen Band seiner Tagebücher der Jahre 1974 bis 1978 sagte Martin Walser, er habe sich 1976 aus dem Reich der Dichter ausgewiesen gefühlt. Marcel Reich-Ranicki hatte damals Walsers Buch «Jenseits der Liebe» als «belanglosen Roman» verrissen. Er habe den Kritiker damals ohrfeigen wollen. «Solch eine Machtausübung, die einem so wehgetan hat, erlischt nicht», sagte Walser. Er habe dann in seinem Tagebuch einen Brief an Reich-Ranicki verfasst, in dem er drohte, den Kritiker zu ohrfeigen. Auf Anraten seines damaligen Verlegers Siegfried Unseld habe er den Brief jedoch nie abgeschickt, sagte Walser.
«Es ist vielleicht komisch: Aber wenn man antwortet, geht es einem besser. Wenn man nicht antwortet, bleibt man der Gewatschte.» Er sei «fast gierig darauf gewesen, dass diese Tagebücher nun endlich publiziert werden». Bei keinem anderen Band war ihm das so wichtig. «Es sollen schon noch die Leute lesen, die damals beteiligt waren.»
Auf seinen Lesereisen werde er den Brief an Reich-Ranicki «noch und noch - die ganze Strecke» lesen. «Ein Text, der einen einmal aus einer Situation befreit hat, hört nicht auf, einen zu befreien.» (vin/sda/)
Erstellt: 14.03.2010, 17:01 Uhr






