Kultur

Michèle Binswanger
Redaktorin Kultur


Totenglöcklein der Print-Ära

Aktualisiert am 15.03.2012 5 Kommentare

Die Encyclopaedia Britannica wird nicht mehr gedruckt, sondern erscheint nur noch online. Die Macher reagieren damit auf digitale Konkurrenz – und könnten so manchem Verlag ein Beispiel geben.

Ein einsames Schiff aus gedrucktem Papier. Künftig wird bei der Encyclopaedia Britannica nur noch digital navigiert.

Ein einsames Schiff aus gedrucktem Papier. Künftig wird bei der Encyclopaedia Britannica nur noch digital navigiert.

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Jorge Cauz, Präsident der Encyclopaedia Britannica: «Wir haben die Printkrise viel früher gespürt als die Zeitungsverlage.»

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32 Bände umfasste die letzte Ausgabe der Encyclopaedia Britannica aus dem Jahr 2010, insgesamt 65 Kilo Wissen über die Welt, inklusive neuen Erkenntnissen über das Humangenomprojekt und globale Erwärmung. 8000 Stück wurden verkauft, 4000 lagern noch immer in einer Halle. Es wird die letzte Ausgabe des 244-jährigen Wissensprojekts. Denn der Druck der Enzyklopädie wird eingestellt, wie der in Chicago beheimatete Verlag am Dienstag bekannt gab. Weitergeführt wird das Projekt nur noch online.

Expertenwissen, gut geschrieben

Es ist ein Schritt von symbolischer Tragweite und markiert das Ende der Ära. Als im 16. Jahrhundert die ersten Enzyklopädien sich daran machten, Weltwissen zu sammeln und zu systematisieren, vervielfältigen und vertreiben. Doch die digitale Revolution hat Papier in vielen Hinsichten obsolet gemacht. 1990 war das Jahr, in dem so viele Enzyklopädien verkauft wurden wie nie zuvor. Doch dann kam das Internet und wer heute etwas über die Encyclopaedia Britannica erfahren will, macht sich auf Wikipedia kundig. Bitter für die Enzyklopädie, die sich auf die Autorität von Expertenwissen stützte, während Wikipedia mit Schwarmintelligenz operierte und so keinen roten Rappen für Inhalte ausgeben muss. Trotzdem geniesst die Online-Enzyklopädie auch bei Gelehrten und Experten einen guten Ruf und macht laut einer prominent zitierten Studie auch kaum mehr Fehler.

Man habe den Schwerpunkt innerhalb der Firma schon seit Jahren auf das Onlinegeschäft verlegt, sagte Jorge Cauz, Präsident von Encyclopaedia Britannica Inc., bei der Pressekonferenz in Chicago. Der Verlag habe schon vor Jahren begonnen, sich auf die Publikation elektronischer Ausgaben und die Verbreitung seiner Bildungsangebote zu konzentrieren, mit der heute 85 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet werde. Wikipedia sei zwar einiges grösser, doch seine Firma liefere dafür gesichertes Expertenwissen und sei gut geschrieben, sagte Cauz.

Keine Zeit für Nostalgie

Für Nostalgie gibt es laut Jorge Cauz aber kaum Anlass. Die gedruckte Ausgabe des Lexikons sei in der Firma schon seit Jahren als Relikt aus vergangenen Zeiten wahrgenommen geworden, denn das Geschäft hatte sich bereits in den letzten Jahren massiv zu Online verschoben. «Im Web kann man kontinuierlich aktualisieren, es ist expansiver und Inhalte lassen sich multimedial aufbereiten», sagte Cauz in Chicago. Interessant sind insbesondere seine Aussagen zum Prozess dieser Schwerpunktverschiebung.

Denn die Verlage sehen sich mit ihren gedruckten Zeitungen heute vor einer ähnlichen Herausforderung durch das Internet. Und sie gehören weltweit zu den am schnellsten schrumpfenden Branchen. Der Übergang sei für die Encyclopaedia Britannica nicht schwierig gewesen, sagte Cauz, denn sie hätten den Einfluss des Internets schon sehr früh erkannt – im Gegensatz zu vielen Zeitungsverlagen. Und sie hätten Zeit gehabt, sich über neue Geschäftsmodelle Gedanken zu machen. Das sei der Grund, warum sie den Übergang ins Internetzeitalter geschafft hätten, dabei profitabel geblieben und sogar gewachsen seien, so Cauz.

Die Rezepte sind lauf Cauz folgende: Gezielte Angebote, Konzentration aufs Wesentliche, Qualitätsgarantie. «Wir sind kleiner, wir können nicht jeden neuen Cartoon-Charakter und jeden Seitensprung eines Prominenten abdecken», sagt Cauz. «Aber wir bieten dort eine Alternative, wo Fakten entscheidend sind. Britannica wird faktisch immer korrekt sein.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.03.2012, 16:38 Uhr

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5 Kommentare

Hans Meier

15.03.2012, 17:12 Uhr
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Ach Frau Binswanger, da haben Sie beim Titel aber schon ein bisschen zuviel Pathos aufgelegt, nicht? Nur weil die Britannica nicht mehr gedruckt wird, ist das noch lange nicht der Untergang des Prints! Fuer ein Nachschlagewerk, das unter anderem auch aktuell sein muss, ist Print einfach nicht mehr das optimale Medium. Richtige Buecher, die keine Updates brauchen, wird es noch ganz lange geben! Antworten


Agnes Stöcköli

15.03.2012, 17:35 Uhr
Melden 3 Empfehlung 0

Sagte ich doch schon seid Jahren, ausser was man dann ständig belächelt wurde schwieg ich halt, als Beispiel fällt mir so ein machen X Behördengang Papierformular immer noch Standard ist, wie auch das ständige ausdrucken, warte eigentlich nur noch bis zum Ende und mach mir so meine Gedanken. Antworten



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