Kultur

«Prostitution ist auch nur eine Form des Datings»

Aktualisiert am 11.05.2012 45 Kommentare

Menschenverachtend oder befreiend? Chester Brown präsentiert in «Ich bezahle für Sex. Aufzeichnungen eines Freiers» seine persönlichen Erfahrungen mit käuflichem Sex und plädiert für Entkriminalisierung.

1/9 «Ich bezahle für Sex. Aufzeichnungen eines Freiers» heisst der autobiografische Comic von Chester Brown.
Bild: Chester Brown/Walde und Graf

   

Chester Brown: Ich bezahle für Sex. Aufzeichnungen eines Freiers. Mit einem Vorwort von Robert Crumb. Aus dem Englischen von Stephan Pörtner. Walde und Graf, Zürich 2012. 322 S., 33.90 CHF.

Ich bezahle für Sex

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Chester Brown war Mitte 30, als er merkte, dass er kein Interesse mehr hatte an der romantischen Liebe. Eine Beziehung mit gegenseitigen Besitzansprüchen und allem, was damit verbunden ist, kam nicht mehr infrage. Das Bedürfnis nach sexueller Aktivität wollte er trotzdem ausleben. Frauen in Bars zu treffen war keine Alternative – zu schüchtern und verklemmt war er und auch zu wenig interessiert am Flirten und Erobern. Stattdessen fing er an, Prostituierte aufzusuchen und für Sex zu bezahlen. Auch hier war er anfangs zurückhaltend, öffnete sich jedoch immer mehr und wurde zum begeisterten Freier.

Entkriminalisierung und Enttabuisierung

Jetzt, mit Anfang 50, verarbeitete er seine Erfahrungen im Comic «Ich bezahle für Sex. Aufzeichnungen eines Freiers». Es geht darin jedoch nicht nur um seine persönlichen Erlebnisse. Das Buch ist vielmehr ein Plädoyer für die totale Entkriminalisierung der Prostitution. So wären laut Brown auch die negativen Begleiterscheinungen wie Menschenhandel und Gewalt gegen Frauen viel besser in den Griff zu kriegen. Hier spricht auch der überzeugte libertäre Aktivist in ihm, der für die kanadische Libertarian Party politisiert, die den Staat möglichst aus allem heraushaben will.

Sein Anliegen ist jedoch nicht nur ein juristisches oder politisches, sondern auch ein moralisches. Er will Prostitution enttabuisieren. «Ich möchte dabei mithelfen, dass es irgendwann als völlig normal gelten wird, für Sex zu bezahlen», wie er im Interview mit dem «Spiegel» sagt. Das geht einher mit einer verbittert wirkenden Kritik an der romantischen Liebe und der Zweierbeziehung, welche laut Brown mehr Elend als Glück bewirkt hat.

Der Band fügt sich gut in eine Reihe von zwei anderen Comics von Brown: In «Playboy-Stories» stellte er ausführlich verschiedene Masturbationstechniken seiner Jugend dar, und in «I Never Liked You» geht es um seine Probleme damit, offen auf das andere Geschlecht zuzugehen – was ihn letztlich in die Arme von Prostituierten getrieben hat und zur Erkenntnis kommen liess: «Prostitution ist auch nur eine Form des Datings.» (lmm)

Erstellt: 11.05.2012, 17:17 Uhr

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45 Kommentare

Anton Haefliger

11.05.2012, 20:33 Uhr
Melden 220 Empfehlung 1

Jeder bezahlt für Sex. Aber nur bei einer Prostituierten hat man Kostenwahrheit. Antworten


Lukas Brom

11.05.2012, 20:14 Uhr
Melden 196 Empfehlung 0

Ob man eine Frau zum Nachtessen einläd und zusammen einen Rotwein trinkt um sie rum zu bekommen oder einfach in ein Bordell zu gehen ist finanziell gesehen genau das gleiche... Frauen reden von Emanzipation aber wirklich in ihren Köpfen ist das nicht. So lange wirds "leichte" Frauen geben. Hart, aber die Wahrheit. Antworten



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