Martin Suter wie Goethe – oder Konsalik?
Aktualisiert am 20.01.2011 108 Kommentare
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Kürzlich sprach «Zeit»-Literaturkritiker Ulrich Greiner Suter das literarische Talent ab (wir berichteten). Der Befund sei lange fällig gewesen, jubelten prompt viele «Zeit»-Leser. Und auch auf DerBund.ch/Newsnet sahen sich einige Suter-Verächter bestätigt. Die Mehrheit, die sich zu Wort meldete, verteidigte Suter indes. Er schaffe es, unterhaltsam und anspruchsvoll zu schreiben: «Ich will hier Suter nicht mit Goethe vergleichen, aber wenn man sagt, Literatur könne nicht gut sein, weil viele Leute sie gerne lesen, müsste man Goethe auch in diese Schublade stecken, da seine Bücher zu seiner Zeit auch massenhaft gelesen wurden», so Leser Michael Flury. «Suters Bücher sind spannend und unterhaltsam. Wen kümmert es da, ob es sich nun um grosse Literatur handelt oder nicht?», meint Peter Züllig. Die Unterscheidung zwischen Unterhaltung und Hochliteratur würde im angelsächsischen Raum schon lange nicht mehr gemacht, monieren mehrere.
Eine Unterscheidung, die mehrere Kommentatoren durchaus noch für angebracht halten. Für Leser B. Kant schreibt Suter schlicht «auf dem Niveau von Johannes Mario Simmel, Konsalik und Donna Leon». Suters Werke würden einzig die Erwartungen befriedigen, konstatiert Konstantin Furrer, mehr nicht: «Der Geist wird nicht angeregt, einmal fertig, legt man es weg und denkt nicht weiter nach. Typische Anzeichen von Trivialliteratur.» Und auch Bruno Uhler meint: «Nein, das ist keine grosse Literatur! Unterhaltsam, ja – und allemal besser als Fernsehen. In 50 Jahren wird man aber kaum mehr darüber sprechen.»
Suters Marketing-Sprache
Greiner kritisierte den Stil des Schriftstellers, insbesondere seine «einfältigen Aneinanderreihungen von Hauptsätzen». Für Leser Michael Kummer liegt gerade da Suters Stärke. Die Zukunft der Sprache werde «leichtfüssig und schnell, siehe SMS», meint er und: «Diese Schreibe attackiert das Kunstverständnis gepflegter Feuilletonisten. Den Leser freuts allemal.»
Martin Roth macht dem Journalisten ein Angebot: «Ich könnte dem lieben Herrn Greiner eine Kollektion von wundervollen, bildhaften Sätzen schicken, welche ich genüsslich mehrmals lese oder sogar anderen Leuten vorlesen muss. Sie bringen Menschen und Situationen so treffend auf den Punkt, dass es gar keine langatmigen Beschreibungen braucht.» Suters Bücher würden von der Einfachheit und dem Weglassen leben, meint Anna Elfen. Als Werber kenne er sein Zielpublikum genau und schreibe auf dieses zugeschnitten. Beni Eppler findet Suter sei «ein toller Texter und noch besserer Marketing-Profi», aber viele Schweizer, inklusive Stephan Eicher, würden ihn mit einem Schriftsteller verwechseln: «Wer aber glaubt, dass Suter glaubwürdige Figuren zeichnen, dass er Geschichten erzählen und Emotionen transportieren kann, der hat gewiss noch nie eine Zeile von Joseph Roth gelesen.»
Kein deutscher Dünkel
Zu reden gab auch die Position Suters als Schweizer im deutschsprachigen Literaturzirkus. In einem kleinen Land wie der Schweiz werde an den wenigen internationalen Stars kaum Kritik geübt, meint Adriano Granello: «Solange die Kasse stimmt, wird kaum jemand ernsthaft auf die Idee kommen, den Herrn Suter vom Podest zu stossen.»
Dass die Kritik aus Deutschland kommt, habe nichts mit Hochmut zu tun, äussert sich Pascal Volz: «Man sieht in Deutschland nicht gleich alles durch die nationale Brille wie manchmal hierzulande.» Von deutschem Dünkel gegen Suter könne nicht die Rede sein. Sandra Wirth bekennt, explizit ein deutscher Suter-Fan zu sein: «Für mich ist Suter aktuell einer der besten Schriftsteller. Also, seid stolz auf ihn, und ich hoffe, er schreibt noch viele Bücher.»
Was halten Sie von Martin Suters Büchern - diskutieren Sie mit. (jos)
Erstellt: 20.01.2011, 15:24 Uhr
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108 Kommentare
Auch die so genannte Literatur ist ein weites Feld. Da gibt es Rosen, Eichbäume, Klee, Brennesseln, Algen, Gras etc. Martin Suter gehört wohl zur Kategorie Gras, von dem es eine Menge gibt, das deswegen aber nicht unwichtig wäre. Wem Eichbäume oder Lilien lieber sind, der lese Goethe oder Hölderlin. Antworten








