Liebe im Tausch gegen Fördergeld
Von Simone Meier. Aktualisiert am 14.05.2011 1 Kommentar
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Man muss Laura de Weck schon geradeheraus bewundern dafür, wie sie das alles macht, wie sie seit vier Jahren ein Stück ums nächste schreibt, so unbeschwert und unverbraucht im Ton, so herb und immer noch ein bisschen souveräner und frecher und zugleich ernster. Das ist eine Bühnenprosa, die sitzt, und Laura de Weck ist fürs Theater der schlauere Martin Suter. Erst vor einem Monat hatte sie am Theater Basel die Weltpremiere mit «Für die Nacht» – vorgestern wurde «Mit freundlicher Unterstützung von» in der Roten Fabrik uraufgeführt, und das ist nicht nur ihr Stück, sondern auch ihre erste Regiearbeit. Eine musiktheatralische noch dazu. Was natürlich sehr ambitioniert ist.
Intelligentes Buch über Kunst und die Menschlichkeit
Die 75 freundlich unterstützten Minuten handeln vom Krampf, Kunst zu machen, genauer: vom Kampf, Gelder für die Kunst zu ergattern. Die kecke, aber auch schon recht genervte Künstlerin Anna (Anna König) will Geld von einem etwas knöchernen Kulturbeamten der Stadt Zürich (Christian Bayer). Die beiden schlafen miteinander. Sie verlässt ihn. Er bestraft den Liebes- mit Fördergeldentzug. Dazwischen gibt es viele sehr lustige und aufmüpfige Dialoge über die korrekte Betrachtung von Bildern in einer Galerie; über die Migros, an deren wohltätigem Tropf die ganze Schweizer Kulturindustrie irgendwie hängt; über den Idealismus des Kulturbeamten, der seine Arbeit als Kampf für die Kreativen und Intellektuellen sieht und gegen die «reichen Rechten», die sowieso nur tote Künstler mögen; über Annas Eltern, die sich nie für Annas Kunst, aber immer für die Buffets an ihren Vernissagen interessieren. Das ist ein Vergnügen und angriffig nach allen Seiten, und man kann ein paar Abschweifungen ins Liebes-Esoterische problemlos verzeihen. Und über allem thront der sagenhafte Werbeslogan der Zürcher Kulturbeamtenschaft: «Fun with Art in Switzerland».
Und dann ist da der musikalische Überbau, der unentwegt Operntöne und elektronische Effekte (von Viktor Marek) auf die Texte spuckt. Am Anfang ergibt das noch Sinn, da hält der Beamte eine hübsch verklemmte Rede zu Annas Ausstellungseröffnung; aber weil er die Kultur so sehr liebt, schleicht sich eben die Kunst in seine Stimme, und es gibt keinen Halt mehr vor den grossen Tönen. Und so wird die Förderung von Kunst eben selbst zu einer Kunst. Oder zu einem Koitus mit der Kunst. Was dann ja auch noch ausführlich zelebriert wird. Auf Dauer ist das aber doch überambitioniert. Weniger Kunst wäre der schlanken Treffsicherheit der kulturkämpferischen Texte auch gut bekommen. Vielleicht gar besser.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 14.05.2011, 10:20 Uhr
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1 Kommentar
Interessant, dass dieses Stück exakt jetzt spielt, wo entsprechende Geschichten rund um die Kanti in Baden kursieren. Was sich auf der Bühne als normal, zumindest als einfühlsam und nachvollziehbar ausbreitet, wird in Baden andererseits aufs Heftigste dementiert. So muss ich also annehmen, dass es den Studentinnen-Strich weiterhin nur auf der Bühne - und auf dem Bildschirm gibt. Antworten

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