«Kinder sind dankbarer, weil sie noch nicht verdorben sind»
Von Bettina Weber. Aktualisiert am 31.05.2011 1 Kommentar
Frank Baumann: Der 52-jährige Werber/Komiker ist dem Fernsehpublikum bekannt als Moderator der Sendungen «Ventil», «Genial daneben» und «Streetlive». «König Alphons» ist sein erstes Kinderbuch.
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Sie haben ein musikalisches Bilderbuch für Kinder geschrieben und gezeichnet. Sind Sie altersmilde geworden?
Was soll ich da jetzt sagen ... Die Entstehung des Buches war ein Glücksfall oder vielmehr ein Beziehungsdelikt, weil ich einer befreundeten Verlegerin, mit der ich ja auch ab und zu ins Bett gehe (seine Frau, Gabriella Baumann-Von Arx, Anm. der Redaktion), davon erzählte und die meinte, ich solle doch ein Buch draus machen. Ich merke aber tatsächlich, dass sich meine Interessen etwas verschoben haben. Das Zuhören wird mir immer wichtiger. Als ich kürzlich in New York war, hatte es auf der gegenüberliegenden Wand des Hotels ein riesengrosses Plakat, auf dem schlicht stand: «The more you listen the more you know». Grossartig.
Der neunjährige Sohn meines Chefs hat als Testleser fungiert. Das Buch gefällt ihm sehr, vor allem mag er, «dass es ab und zu einen Witz gibt». Ist es anders, für Kinder lustig zu sein?
Es gibt ja Leute, die bezweifeln, dass Kinder überhaupt Humor haben. Sehr wohl haben Kinder Humor! Er muss einfach altersgerecht sein, deshalb wollte ich allen einen Zugang ermöglichen; die Kleineren sehen die lustigen Sachen in den Zeichnungen, schon etwas Ältere bei den Formulierungen, die Erwachsenen wiederum bei den Schreibfehlern.
Sind Kinder das anspruchsvollere Publikum?
Sie sind zuerst einmal dankbarer, weil sie unvoreingenommen sind, quasi noch nicht verdorben. Aber sie sind auch unerbittlicher, die Spannung muss konsequent aufrechterhalten bleiben, sonst steigen sie aus. Man merkt, dass sie viele Dinge immer schon pfannenfertig serviert bekommen und darum schnell müde werden, wenn sie selbst Bilder im Kopf entstehen lassen müssen.
Märchen haben immer mit Moral zu tun, auch bei König Alphons, der das Geld seiner Untertanen verschleudert. Sind Sie ein Moralist?
Es gibt sogar Leute, die sagen, ich sei ein verdammter Moralist. Ob ich das auch über mich selbst sagen würde, weiss ich nicht, aber Moral ist ein Thema, das mich unglaublich interessiert, die ganzen Fragen, die sich daraus ergeben.
Nachdem bekannt wird, dass kein Geld mehr da ist, haut König Alphons einfach ab. Gewisse Parallelen zur Finanzkrise sind nicht zu übersehen.
Stimmt, ich habe da die aktuellen Geschehnisse mit einbezogen. Jemand hat gesagt, es sei das erste Märchen zur Bankenkrise, aber das ist dann schon sehr übertrieben. Überhaupt habe ich meinen Kindern immer schon selbst erfundene Geschichten erzählt.
König Alphons gabs also schon?
Oh ja, ich habe meiner Tochter mithilfe von König Alphons das Skifahren beigebracht. Ich mochte das Erzählen, aber nicht das Vorlesen. Kinderbücher sind manchmal so dröge, dass es den Erwachsenen gegenüber eine Frechheit ist. Ich habe deshalb immer frei erzählt, wobei ich allerdings manchmal dabei eingeschlafen bin, nicht aber meine Kinder, die mich dann am Ärmel zupften und verlangten, dass ich weitererzähle.
Die Musik zum Buch stammt von Verdi, Rimski-Korsakow, Glinka und Enescu, alles Romantiker. Hat das einen bestimmten Grund?
Die Stücke rocken. Die reissen einen mit ihrer Wucht mit. Und trotzdem sind sie sehr vielschichtig, hat es da ganz viele Unter- und Zwischentöne. Man hört, wie König Alphons die Treppe hinunterrennt oder wie die Geige mit der Flöte spricht. Ich entdecke selbst immer wieder Neues und bin ja auch noch am Lernen in dieser Beziehung.
Spielen Sie selbst ein Instrument?
Ich habe zumindest ein Saxofon und ein Alphorn. Meine Kinder meinten aber jahrelang, ich würde Dudelsack spielen, so katastrophal klang mein Saxofonspiel. Aber die Bewegungen mit diesem Instrument habe ich voll drauf, aussehen tut es wie bei Charlie Parker. Und ich bereue es so sehr, dass ich nicht fleissiger geübt habe als Kind, wobei wir ja damals sagten: Wer übt, ist feige.
Frank Baumann: König Alphons und Kurt, das Kamel. Wörterseh-Verlag, Zürich 2009. 48 S., ca. 36 Fr.
Eine Märli-Matinee mit Musik für die ganze Familie (Kinder ab 4 Jahren) findet am 22. (ausverkauft) und 29. November im Zürcher Kaufleuten statt.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 31.05.2011, 10:49 Uhr
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1 Kommentar
Eine feine Präsentation, die den Gwunder auf das Wunderbuch ultimativ weckt. Herr Baumann erweist sich mit seinen Antworten als sehr glaubwürdig engagierter Vater und Praktiker. Ein Fauxpas zwar ist der Vergleich seines ehemals schlechten Saxofonspiels mit dem Klang eines Dudelsacks. Ich bin überzeugt, dass Herr Baumann beim authentischen Klang des Dudelsack wie ein Vierjähriger strahlen würde! Antworten








