Kathrin Schmidt gewinnt Deutschen Buchpreis
Die Preisträgerin mit dem ausgezeichneten Roman: Kathrin Schmidt. (Bild: Reuters)
Die 51-jährige Kathrin Schmidt aus Berlin erhielt die Auszeichnung für die beste literarische Neuerscheinung des Jahres am Montagabend in Frankfurt. Schmidt setzte sich einen Tag vor der Eröffnung der Buchmesse im Finale gegen fünf andere Bücher durch, darunter den favorisierten Roman «Atemschaukel» der frischgekürten Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller.
In ihrem stark autobiografisch geprägten Roman («Du stirbst nicht») erzählt Schmidt die Geschichte einer Frau, die nach einer Hirnblutung im Krankenhaus aus der Bewusstlosigkeit erwacht. Langsam erobert sie sich die Welt zurück.
«Wiedergewinnung der Welt»
«Der Roman erzählt eine Geschichte von der Wiedergewinnung der Welt», hiess es von der Jury. «Mal lakonisch, mal spöttisch, mal unheimlich schildert der Roman die Innenwelt einer Kranken und lässt daraus mit grosser Sprachkraft die Geschichte ihrer Familie, ihrer Ehe und einer nicht vorgesehenen, unerhörten Liebe herauswachsen.»
Zur Welt, die sie aus Fragmenten zusammensetze, gehörten die zerfallende DDR und die Zeit bis zur Jahrtausendwende. «So ist die individuelle Geschichte einer Wiederkehr vom Rande des Todes so unaufdringlich wie kunstvoll in den Echoraum der historisch- politischen Wendezeit gestellt.»
Selbst eine Hirnblutung erlitten
In den Kritiken war in den vergangenen Monaten die Präzision und die Geduld gerühmt worden, mit der Schmidt die Geschichte der Wiedergenesung und der Wiedergewinnung der Sprache beschreibt. Schmidt hatte dafür jüngst auch den renommierten «Preis der SWR-Bestenliste 2009» erhalten.
Schmidt, 1958 in Gotha/Thüringen geboren, hatte 2002 selbst eine Hirnblutung erlitten und war lange Zeit unfähig zu sprechen. Die Mutter von fünf Kindern arbeitete vor ihrer Schriftstellerkarriere unter anderem als Psychologin und Sozialwissenschaftlerin.
Preisgekrönt bereits in der DDR
In der DDR publizierte sie Gedichte und erhielt 1988 den Anna- Seghers-Preis. Nach der Wende wurde sie 1993 mit dem Leonce-und-Lena-Preis und 1998 dem Heimito-von-Doderer-Preis ausgezeichnet.
Der Deutsche Buchpreis ist mit insgesamt 37'500 Euro dotiert, der Sieger erhält davon 25'000 Euro. Neben Kathrin Schmidt und Herta Müller waren auch Rainer Merkel (»Lichtjahre entfernt»), Norbert Scheuer (»Überm Rauschen»), Clemens J. Setz (»Die Frequenzen») und Stephan Thome (»Grenzgang») ins Finale der letzten sechs gekommen.
Die siebenköpfige Jury hatte insgesamt 154 Titel gesichtet, die seit Oktober vergangenen Jahres erschienen sind. Alle deutschsprachigen Verlage konnten je zwei Romane aus ihrem aktuellen Programm einreichen. Der Deutsche Buchpreis, vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben, hat sich in wenigen Jahren zur Auszeichnung mit der grössten Publikumsresonanz in Deutschland entwickelt.
2008 ging die Auszeichnung an Uwe Tellkamp für seinen Roman «Der Turm». Preisträger der Vorjahre waren Julia Franck (»Die Mittagsfrau»), Katharina Hacker (»Die Habenichtse») und Arno Geiger (»Es geht uns gut»). (vin/sda/ap)
Erstellt: 12.10.2009, 20:29 Uhr

















