Heikles Buch erscheint nun doch – trotz Warnung vor Islamisten
Verbotener Krimi: «Ehre, wem Ehre...» von W. W. Domsky.
Umstrittene Autorin: Gabriele Brinkmann.
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Ein Krimi um einen «Ehrenmord» unter Türken sorgt auf der Buchmesse für böses Blut. Die Weigerung ihres Verlags den Roman zu veröffentlichen, bezeichnet die Autorin Gabriele Brinkmann, die unter dem Pseudonym W. W. Domsky schreibt, als «vorauseilenden Gehorsam und Selbstzensur».
Die brisanteste Passage kommt erst ganz am Ende des 252-Seiten Buches mit dem Titel «Ehre, wem Ehre...», das mit einer Schiesserei in einer türkischen Metzgerei beginnt: «Feiges Gesocks...schiebt Euch Euren Koran doch...», sagt da die Kommissarin. Ihr Kollege pfeift sie umgehend zurück: «es ist genug.»
«Natürlich nicht sehr charmant»
Das sei «natürlich nicht sehr charmant», gab Brinkmann zu, als sie am Freitag in Frankfurt ihr Buch vorstellte. «Aber das ist ein Krimi, kein Kinderbuch. Und es ist auch kein Sachbuch.» Am Stand des Droste-Verlags stehen viele Bücher Brinkmanns in den Regalen. Ihre im Ruhrgebiet spielenden «Comedy-Krimis» tragen die Autorenzeile «Minck und Minck» und Titel wie «Abgemurkst» oder «Umgenietet».
Dass sie für ihren Ehrenmord-Krimi ein neues Pseudonym erfand, hält man bei Droste für den Beweis, dass ihr die Brisanz des Themas durchaus bewusst war. Verlagsmitarbeiter hätten sich schriftlich verpflichten müssen, die Identität der Autorin nicht preiszugeben, behauptet Droste-Sprecherin Nora Tichy.
«Menschlich enttäuscht»
Der Verlag habe monatelang versucht, die Autorin dazu zu bewegen, einige Passagen zu ändern - ohne Erfolg. «Wir bringen keine Bücher heraus, die eine Religionsgruppe diffamieren», begründete Sprecherin Nora Tichy am Freitag ihre Entscheidung. Dies sei der Grund für die Ablehnung, nicht etwa die Angst vor Islamisten.
Eine zu Rate gezogene Islam-Expertin habe dem Verlag «ausdrücklich geraten», auf eine Veröffentlichung zu verzichten. Die öffentliche Debatte um den Ehrenmord-Krimi hält der Verlag für eine bewusst inszenierte «Kampagne». «Wir sind menschlich sehr enttäuscht.»
Neuer Verlag
Sie sei froh, dass mit Leda ein neuer Verlag in die Bresche gesprungen sei, das Buch in nur vier Tagen produziert habe und die Leser sich jetzt selbst ein Bild machen könnten. (phz/sda)
Erstellt: 16.10.2009, 16:05 Uhr








