Kultur

Linus Schöpfer
Redaktor Kultur


«Die weltgeschichtliche Logik spricht gegen mich»

Aktualisiert am 06.10.2011 7 Kommentare

E.Y. Meier wurde für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagen, macht sich aber keine Hoffnungen. Dabei bräuchte der Schweizer Autor das Preisgeld dringend.

Grimmiger Blick auf die Welt: Der Berner Schriftsteller E.Y. Meyer.

Grimmiger Blick auf die Welt: Der Berner Schriftsteller E.Y. Meyer.
Bild: Keystone

E.Y. Meyer

Am 11. Oktober 1946 als Peter Meyer in Liestal geboren, wurde E.Y. Meyer bereits als junger Autor mit Werken wie «In Trubschachen» (1973) und «Die Rückfahrt» (1977) national bekannt. Sein letzter Roman «Der Ritt» erschien 2004. Dieses Jahr machte Meyer vor allem als Privatperson Schlagzeilen. Er wehrte sich in verschiedenen Publikationen heftig dagegen, seine Wohnung zugunsten einer Kindertagesstätte aufgeben zu müssen.

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Herr Meyer, Sie wurden vom Deutschschweizer PEN-Zentrum für den morgigen Literatur-Nobelpreis vorgeschlagen. Verfolgen Sie die Vergabe?
Ach, das ist morgen... ich dachte, das wäre heute.

Machen Sie sich Hoffnungen?
Nein. Ich war schon komplett überrascht und erfreut, als ich vorgeschlagen wurde. Man muss ja mindestens zweimal auf der Shortlist gestanden haben, um überhaupt eine Chance zu haben, so hörte ich kürzlich. Und die weltgeschichtliche Logik spricht gegen mich: Die beiden einzigen Schweizer Gewinner, Spitteler und Hesse, haben ihren Preis direkt nach Weltkriegen bekommen.

Das wird Sie über Ihren Nichtgewinn hinwegtrösten.
Wobei erste Anzeichen für einen Dritten Weltkrieg ja durchaus zu sehen sind: Man denke an Irak, an Afghanistan...

Im kommenden Winter müssen Sie Ihr von der Stadt Bern gemietetes Heim räumen. Das Preisgeld von fast 1,5 Millionen Franken käme Ihnen nun besonders gelegen...
Ja, das würde definitiv helfen. Das Brünnengut ist wie meine zweite Haut, und es ist sehr schwierig, eine ähnlich komfortable Unterkunft, einen ähnlich guten Arbeitsort zu finden. Ich bin momentan weit stärker mit der Wohnungssuche als mit dem Literatur-Nobelpreis beschäftigt.

Ihre Nomination wurde vor allem mit Ihrem Frühwerk begründet. In den letzten Jahren haben Sie nur wenig publiziert; wie weit sind Ihre aktuellen schriftstellerischen Arbeiten fortgeschritten?
Ich habe gerade letzte Woche meinen jüngsten Roman fertiggestellt. Er thematisiert die Zeit zwischen 1992 und 2000 und vereint globale mit Schweizer und persönlicher Geschichte. Ein zweiter, von 2001 und bis 2009 reichender Teil ist in Arbeit. Jetzt suche ich nach dem passenden Verleger.

Wem würden eigentlich Sie den Preis verleihen?
Dem belgischen Autor Georges Simenon, dem Balzac des 20. Jahrhunderts. Und was meine Kandidatur anbetrifft... nun, ich spiele auch Lotto. Kommt etwa aufs Gleiche raus. (lacht)

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.10.2011, 14:35 Uhr

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7 Kommentare

Herbert Meyer

05.10.2011, 19:25 Uhr
Melden 4 Empfehlung 0

Was an dem Blick grimmig sein soll, verstehe ich nicht. Würde das nachdenklich nennen. Aber Blicke richtig deuten, in einer Gesellschaft die alle Probleme weglächeln will, verlernt halt Gesichter zu lesen. Antworten


Reto Flückiger

05.10.2011, 22:02 Uhr
Melden 3 Empfehlung 0

Also wenn der den Nobelpreis bekommt, fresse ich eine Bibliothek. Und Georges Simenon ist seit über 20 Jahren tot. Was also will der Artikel? Antworten



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