Kultur
Die Frauen vs. Kristina Schröder
Aktualisiert am 26.04.2012 62 Kommentare
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Ob Kristina Schröder mit einem solchen Sturm gerechnet hat, als sie ihre Thesen über den Feminismus im Allgemeinen und ihre eigenen Vorschläge zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie niederschrieb? Wohl kaum. Tatsache ist: Ihr Buch ist bei den Adressatinnen, den Frauen, insbesondere den politisch denkenden, gar nicht gut angekommen. Im Gegenteil. Selten noch sorgte ein Buch so einseitig für negative Kritiken, wie «Danke, emanzipiert sind wir selber.» Es sei eine «intellektuelle Bankrotterklärung», heisst es in der «Zeit», die «Frankfurter Rundschau» attestiert Schröder eine «Leere im Denken» und für den «Spiegel» ist das Buch Zeugnis einer «personalisierten Entpolitisierung der Politik.»
Wider die Rollendiktatur
Das liegt nur zum Teil am Inhalt ihres Buches. Denn eigentlich hätte Frau Schröder etwas zu sagen. Sie geht von einem «freiheitlichen Menschenbild» aus und wendet sich gegen die Diktatur weiblicher Rollenvorschriften. Auch Schröder will die Frauen befreien, insbesondere von gesellschaftlichen Zuschreibungen und Erwartungshaltungen, was durchaus zu begrüssen ist. «Frauen werden von beiden Seiten für das jeweilige gesellschaftspolitische Anliegen in die Pflicht genommen: von Strukturkonservativen als Bollwerk zum Schutz der Familie, von Feministinnen als Bodentruppen im Kampf für die Gleichheit von Frau und Mann.» Sie spricht aus Erfahrung. Gegen Erstere musste Schröder ankämpfen, als sie als junge Mutter und erste Ministerin mit Baby wieder in die Politik einstieg. Letztere waren ihr immer schon suspekt. Bereits mit 18 Jahren habe sie beschlossen, niemals Feministin zu werden, bekennt Schröder sich in ihrem Buch.
Genau hier liegt der Hund begraben. Denn Frau Schröder hat eine reichlich klischierte Vorstellung von Feminismus. Fast die Hälfte ihres Buchs widmet die Ministerin denn auch der Abrechnung mit der Bewegung, wie sie sie versteht, und verrät sich damit als eigentliche Antifeministin. «Bräsig» sei dieser Feminismus, «blind» und bestehe auf die Opferrolle der Frau. «Der Feminismus setzt die Schwäche und Unmündigkeit der Frauen als Prämisse voraus, um seine Existenzberechtigung aus der Absicht ableiten zu können, sie zu schützen», so Schröder. Sie verurteilt die «ideologischen Schützengräben», die eine Verständigung von vornherein verhinderten und so den Fortschritt verhinderten. Da fragt man sich jedoch, ob sie nicht selber aus einem solchen ideologischen Schützengraben schiesst.
Antifeministische Klischees
Der Feminismus, wie Schröder ihn versteht, nährt sich aus antifeministischen Klischees, wie sie im Internet und von sich benachteiligt fühlenden Männern gern gezeichnet werden: als opferfixierte, aggressive Bewegung männerhassender und latent lesbischer Frauen. Man reibt sich verwundert die Augen und fragt sich, wo Frau Schröder diese Frauen denn genau am Werk sieht.
Das ist aber nur das eine Problem. Gravierender ist, dass Schröder ihr Buch als eine Art privates Manifest verstanden haben will, das mit ihrer politischen Funktion nichts zu tun haben soll. Für eine Frau, die das Amt der Familienministerin bekleidet und die Schalthebel bedienen könnte, um entsprechende Entwicklungen in die Wege zu leiten, ist das eine überraschend naive Position. So sympathisch ihr Credo der «Wahlfreiheit» ist, so unpolitisch stellt sie sich letztlich dazu. Diese zu verwirklichen, so Schröder, sei Sache jeder Einzelnen. Und sie kämpft als Politikerin derweil gegen eine gesetzliche Frauenquote und für das umstrittene Betreuungsgeld. Das Politische ist privat – kein Wunder, ist die Ministerin damit auf die Nase gefallen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.04.2012, 15:23 Uhr
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62 Kommentare
Ehrlich gesagt, wo sie wörtlich zitiert wird, kann man ihr nicht ernsthaft widersprechen. Was man ihr unterstellt, ist wahrscheinlich nicht korrekt. Die Frauen, die sich als Feministinnen bezeichnen, und in der Oeffentlichkeit stehen (Alice Schwarzer, z.Bsp.), werfen konstant mit Klischees über Männer um sich, und beschreibt Männer als Täter und Frauen als Opfer. Antworten
Genau wie vor zwei Jahren Thilo Sarrazin äusserst sich nun Kristina Schröder zu einem wichtigen, zeitgenössischen Thema mit einer neuen Sichtweise. Wie damals regt sich die Empörungsgesellschaft mittels lautem Geschrei masslos auf, weil diese nicht in das neobünzlige Weltbild einiger Moralmonopolisierer passt. Für mich ein guter Grund, beide Bücher zu kaufen. Gratuliere zu Ihrem Mut Frau Schröder! Antworten


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