Der Geister-Bestseller
Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 10.06.2011 3 Kommentare
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Manchmal ist Frust fruchtbar. Autor Adam Mansbachs Frust entwickelte sich sogar zu seinem grössten Hit. Dem Vater einer zweijährigen Tochter ging es, wie es Eltern so oft geht: Erschöpft nach einem langen Arbeitstag, bringt man das Kleine ins Bett, und wenn es schon zu schlummern scheint, man sich leise aus dem Zimmer schleichen will, plärrt es hinter einem wieder los. Und braucht noch ein Glas Wasser. Noch eine Geschichte. Oder noch ein zusätzliches Schlafliedchen. Und so säuselt man irgendwas, während man sich ausmalt, den Balg einfach zum Fenster rauszuwerfen.
Die Gute-Nacht-Odyssee
Statt dies zu tun, setzte Mansbach sich an den Computer und schrieb einen Facebook-Status über endlose Ins-Bett-bring-Odysseen. Seine Freunde rieten ihm, das gleich zu einem Buch auszuarbeiten, was er tat. Er nannte sein Werk «Go the F**k to Sleep», engagierte den Illustrator Ricardo Cortés und brachte es bei dem kleinen Verlag Akashic Books unter. Das Büchlein umfasst 30 Seiten, kommt daher wie ein Kinderbuch, richtet sich aber mit seinen lustigen und nicht ganz jugendfreien Versen an Eltern, die sich in Mansbachs Not wiedererkennen.
Doch nun beginnt die Geschichte eigentlich erst. Der Erscheinungstermin für das Büchlein war ursprünglich für Oktober angesetzt, das war, bevor die Kunde um das Buch im Internet zu kursieren begann. Im April begann das Buch die Amazon-Bestsellerliste hochzuklettern – obschon noch keine Zeile davon publiziert worden war – im Mai eroberte es eine Spitzenposition. Medien begannen das Thema aufzugreifen, Fox bewarb sich um die Filmrechte.
Probleme wie bei der Musikindustrie
Wie konnte das geschehen? Die Antwort heisst: Internet-Leaking. Das Buch wurde nämlich vorab als PDF-Datei an verschiedene Verlage verschickt, und jemand liess diese ins Internet lecken. Somit muss sich die Verlagsbranche heute mit denselben Fragen auseinandersetzen, welche bereits Film- und Musikindustrie umtreiben – auch wenn das Phänomen für Verlage neu ist und es keinen vergleichbaren Fall bislang gab. Für den Verlag Akashic Books ist das sowohl Fluch als auch Segen – denn ohne den PDF-induzierten Internet-Buzz wäre das Buch nicht so bekannt geworden. Aber wird es sich auch verkaufen, wenn jeder sich im Internet das entsprechende PFD herunterladen kann? Im vorliegenden Fall wohl ja – immerhin spielen die Illustrationen eine entscheidende Rolle, kommen aber nur gedruckt richtig zur Geltung. Vorsorglich wurde der Erscheinungstermin des Buches nun auf Juni vorgezogen.
Die deutsche Ausgabe «Schlaf, verdammte Scheisse, endlich ein!» erscheint bereits im August 2011 beim DuMont Buch- und Kunstverlag. Die deutsche Version ist noch nicht im Internet zu finden, allerdings lässt die nicht gerade elegante Übersetzung des Originaltitels ins Deutsche befürchten, dass man sich bei der Übersetzung vielleicht etwas mehr Zeit hätte geben können. Der Verlag versichert aber, die Übersetzung sei «gelungen». Das werden wir im August beurteilen können – sofern das Werk nicht vorher bereits im Internet auftaucht. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.06.2011, 14:11 Uhr
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3 Kommentare
klassisches problem deutscher übersetzungen + synchro..wie zb im film "coming to america", übersetzt als "der prinz aus zamunda", und aus den deutschen bemühungen das wort "f**k" ("you") nicht als "f**k" (mit i) übersetzen zu müssen (?wollen?können?) wurde schliesslich "verp**s" ("dich")..doof aber tja..zum glück kann man in der szene eddie murphy's lippen nicht gut sehen. Antworten
Dass ein Kunstverlag so wenig Fingerspitzengefühl für den deutschen Titel beweist, stimmt ja nachdenklich. Die "Scheisse" wär überhaupt nicht nötig. So schlimm ist das F-Wort im Alltag nun auch wieder nicht. Ein lockeres "Verdammt, schlaf endlich ein" tönt meiner Meinung nach eher nach einem übermüdeten, matt protestierenden Elternteil. Antworten

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