Kultur

Linus Schöpfer
Redaktor Kultur


Dem Digitalen was Schönes abgetrotzt

Aktualisiert am 24.08.2012

Die ersten fünf Literaten haben am Live-Poesie-Experiment von DerBund.ch/Newsnet teilgenommen. Eine Zwischenbilanz.

1/5 Ob Jürg Halter, ...
Chantal Hebeisen

   

Artikel zum Thema

Teilen und kommentieren

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Werbung

Jürg Halter, Andri Perl, Flurin Jecker, Guy Krneta und Hazel Brugger: So hiessen die ersten fünf Teilnehmer am Live-Poesie-Experiment. Sie wagten sich in die DerBund.ch/Newsnet-Redaktion und setzten sich dem Zeitdruck aus, dem Journalistengemurmel auch und dem Tastaturgeklapper, der Ungewissheit und der Misanthropie gewisser Talkback-Trolle.

Die entstandenen Texte sind so unterschiedlich wie die Herangehensweisen ihrer Autoren. Der erste Teilnehmer, Jürg Halter, auch bekannt als schlauer Rapper Kutti MC, verpasste erst das Tram, verspätete sich deshalb und begab sich sodann unvermittelt, naiv und unvorbereitet in die Experimentsituation. Halter strickte aus seiner misslichen Lage – «Ich schreibe hier auf der Redaktion des ‹Tages-Anzeigers› also unter idealen Bedingungen», ironisierte er, «beobachtet von einer erwartungsvollen Mineralwasserflasche» – eine Geschichte. In sie verwob Halter das Batman-Massaker, das just in dem Moment bekannt wurde, als er seinen Live-Poesie-Ticker zu füllen begann, und von den aufmerksamen Kommentatoren des Forums liess er sich neue Ideen zutragen. Das Ergebnis dieser exzessiven Situationsreflexion trug schliesslich den in seiner Anmassung neuerlich ironischen Titel «Das ist unsere Geschichte!».

Im Gegensatz zu Halter ging der Bündner Schriftsteller Andri Perl vorsichtiger zu Werk. Er meisterte Halters kniffligen Startsatz («Du sitzt da, so als wartetest du auf das Ende deiner Anwesenheit»), um dann einen sorgfältig konzipierten Text auszubreiten. «Die urplötzliche Geschichte» überzeugt vor allem mit ihrem Lokalkolorit («Unter Ächzen stieg in Sargans ein Aktivdienstveteran ein»), das Perl in die raue digitale Newsroom-Welt importierte.

Mal jugendliche Wut, mal Zweifel, mal Schlaumeiereien

Was Flurin Jecker aus Bern nach Zürich mitbrachte, war Unverfrorenheit und jugendliche Wut. «Die Schweiz ist des Schlächters Herz» titelte der 21-Jährige und forderte in drastischer Poesie zur radikalen Selbstkritik auf: «Nur eines wird ihm helfen können. Wenn er, der Mensch, innehält und sich fragt: Ist der Teufel, ist der Schlächter – bin es ich?» Im Forum entbrannte prompt eine kleine Kontroverse.

Mit Guy Krneta folgte dem bloggenden Jungspund ein mehr als doppelt so alter Literat nach. Dass der arrivierte Erzähler sich auf das Online-Experiment einliess, war mutig und löblich. Krneta mühte sich sichtlich, beschwichtigte die Leser, stand kurz vor der Resignation («Ich muss das Experiment als zum Teil gescheitert betrachten»), überschritt das Zeitlimit. Doch: Das Ergebnis überzeugte, und wie. Krneta präsentierte eine lange intime Mundartgeschichte, die konsequent auf Jeckers Startsatz («Ihr Gesicht ähnelte dem meiner Mutter») aufbaute.

Zuletzt besuchte Slammerin Hazel Brugger die Redaktion und verblüffte die Leserschaft mit einer keck-eloquenten Story namens «Nagelhautfetzen». Woher die 19-Jährige ihre staunenswert smarten Schlaumeiereien nahm («Für gescheiterte Beziehungen ist keine Zeit. Ein allgemein bekannter Fakt, ein zwischenmenschliches Axiom»), wusste wohl nicht einmal jener Geier, den Hazel bei ihrer Lesung apart auf der Schulter trug.

So gross ihre poetischen Differenzen, so verschieden ihre Motivation, so unterschiedlich ihre Charaktere – reüssiert haben die fünf Autoren schliesslich allesamt: Experiment gelungen, Fortsetzung folgt!

Nächsten Freitag, 11 Uhr, geht das Live-Poesie-Experiment mit dem Berner Schriftsteller Matto Kämpf in eine neue Runde.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.08.2012, 16:46 Uhr

10 FRAGEN an Ken Follett

Gratis ePaper für «Bund»-Abonnenten

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen

Online-Wettbewerb

Wir feiern - Sie profitieren. Einen Tag lang freie Fahrt ab CHF 25.- mit Bahn, Bus und Schiff im gesamten BLS-Gebiet.

Flugpreise vergleichen

Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.

Abopreise vergleichen

Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.

FÜR MEHR «YESSS!» IM ALLTAG!

Erfahren Sie, wie unsere Services das Leben erleichtern. Jetzt Videos schauen: search.ch/diego

Benegast

Benegast® die erste ganzheitliche Marke für alle Verdauungsprobleme.

Online-Wettbewerb

Gewinnen Sie ein Wochenende im magischen Lötschental.

Am und auf dem kühlen Nass

Erleben Sie erfrischende Ausflüge mit SBB RailAway am und auf dem kühlen Nass.

Von der Muse geküsst...

Von Anker bis Hodler, von Cézanne bis Van Gogh: Kulturstadt Winterthur

Clowns für Kinder im Spital

Spenden Sie Lachen und Sie erhalten ein exklusives Geschenk nach Wahl.