Kultur

«Dearest Uschi»

Aktualisiert am 15.02.2011 2 Kommentare

Briefe anderer Leute zu lesen, ist spannend. Noch reizvoller, wenn Prominente sie geschrieben haben - zum Beispiel der Gott aller Gitarristen Jimi Hendrix der Mutter aller Groupies Uschi Obermaier. Ein neues Buch druckt sie ab.

1/6 «Dearest Uschi» schrieb Jimi Hendrix an seine Angebetete Uschi Obermaier, mit der er einen «Three-Night-Stand» verbracht hatte.
Bild: Uschi Obermaier

   

Das Buch «Briefe bewegen die Welt – Liebe, Schicksal, Leidenschaft» von Hellmuth Karasek ist neu im Verlag «teNeues» erschienen.

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Auf dem Luftpost-Couvert steht «Private» in grossen Lettern. Die Buchstaben unterhalb der 20-Cents-Briefmarke sehen aus, als hätte ein Zweitklässler sie hingekritzelt. Als vermeintlicher Zweitklässler entpuppt sich jedoch der legendäre Jimi Hendrix. Er hat sich am 14. März 1969 im New Yorker Hotel Elysée für ein paar Minuten hingesetzt und einen Brief an Uschi Obermaier an der «Stephan Str. 60, Berlin 21» geschickt. So steht es auf dem Briefumschlag.

«Dearest Uschi»

Der Vermerk «Private» hat offensichtlich wenig genützt, ist Jimi Hendrix' Brief nun für alle zu lesen, die das neue Buch «Briefe bewegen die Welt – Liebe, Schicksal, Leidenschaft» von Hellmuth Karasek in die Hand nehmen. «Dearest Uschi, I hope you still remember me», schreibt der 26-jährige Hendrix der damals 22-jährigen Obermaier und hofft, dass das erste Groupie Deutschlands sich genauso an ihn erinnert, wie er sich an sie.

Nach ein paar Floskelsätzen à la «Wie geht es dir? Gut, hoffe ich», kommt Hendrix zur Sache. «Ich schreibe Dir, weil ich ständig an Dich denken muss, seit wir uns zuletzt gesehen haben», steht da in überraschend hübscher Schrift auf dem Briefpapier mit dem Logo des Hotels Elysée. Mit «sehen» meint Hendrix übrigens einen «Three-Night-Stand», wie Uschi Obermaier 2007 in einem Fernsehinterview verraten hatte. Nach dem dreifachen Schäferstündchen fiel es Hendrix offenbar schwer, seinen Gefühlen zu trauen. «Ständig werde ich verletzt», schreibt er Obermaier, die ihm offenbar ziemlich den Kopf verdreht hat. Neben der Grussformel «Alles Liebe. Muss jetzt los. Dein Jimi» gabs vom Musiker gar ein gemaltes Herzchen.

Sehnsucht nach Briefen

Dieser und 21 weitere emotionale Briefe sind im Buch «Briefe bewegen die Welt – Liebe, Schicksal, Leidenschaft». Da schreibt etwa Ingeborg Bachmann ihrem Paul Celan, er solle auf keinen Fall seine Frau verlassen um dann ein paar Zeilen später zu flehen: «Liebster Paul, wenn du doch Ende November kommen könntest!» Der Briefwechsel zwischen den beiden ist seit 2008 öffentlich, eine «Sensation für die Literaturwissenschaft», wie wir im Begleittext zum Brief erfahren. Zudem wird neben jedem handgeschriebenen Brief eine gedruckte Version abgedruckt, was etwa bei Thomas Mann ziemlich hilfreich ist.

Es ist bereits der zweite Band aus der «Briefe bewegen die Welt»-Reihe und soll gemäss Einleitungstext in Band zwei bereits nach wenigen Wochen vergriffen gewesen sein. In der Welt von E-Mails, Twitter und SMS scheint es geradezu eine Sehnsucht zu geben nach Briefen. Nicht nur an Tagen wie dem Valentinstag. Daran kommt keine noch so tolle MMS heran und auch kein aufwändig animiertes Mail. Briefe sind etwas Besonderes, besonders, wenn man einen zugeschickt bekommt. Auch Romy Schneider war offenbar ein Fan von Briefen. Dem Schauspielkollegen und Regisseur Gustaf Gründgens schrieb sie: «Bitte antworten Sie mir! Ich warte sehr!» und unterstrich das «Bitte» gleich doppelt.

Im Buch sind nicht nur Briefe zwischen Liebenden zu lesen, sondern auch solche zwischen Freunden oder Kindern und Eltern. Heinrich Heine schrieb einst an Mutti und Franz Kafka an Papa Hermann. Beide sind abgedruckt. Einer der Höhepunkte ist jedoch der Zettel, der seinen Empfänger niemals erreicht hat. «Willst du mit mir gehen?» steht da in violettem Filzstift geschrieben und in Türkis «Ja. Nein. Vielleicht». Und darunter, wieder in violett: «Wenn nein, warum?» Das verliebte elfjährige Mädchen hat sich sogar die Mühe gemacht, zwei Froschkönige zu zeichnen und jedes i-Tüpfelchen mit einem Herzchen zu versehen. Leider konnte der Angebetete auf diesen Brief niemals antworten, denn er fiel dem Lehrer in die Hände, der der Liebe ein Ende setzte, bevor sie überhaupt beginnen konnte.

Schreiben Sie noch? Freuen Sie sich über eine Mail genauso wie über einen handgeschriebenen Brief? Meinungen bitte unten eintragen. (dj)

Erstellt: 15.02.2011, 10:59 Uhr

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2 Kommentare

Valentina Caldari

15.02.2011, 12:37 Uhr
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Eine interessante Website, die sich auch mit Briefen von Promis und Nichtpromis beschäftigt, ist http://www.lettersofnote.com/. Antworten


Issey Schnyder

15.02.2011, 13:25 Uhr
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Auch ein äusserst bewegendes Sammel-Buch mit Abschiedsbriefen:
"Und ich dachte, es sei Liebe" herausgegeben von Sibylle Berg.
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