Kultur

Das Konzert ist vorbei, die Pose abgelegt

Von Mario Stäuble. Aktualisiert am 26.03.2012

Vorne auf der Bühne stehen die Musiker oft im Blitzlichtgewitter. Nach der Show, hinter der Bühne, ist nur noch ein Fotograf da: der Basler Matthias Willi. Nun hat er seine Bilder in einem Buch versammelt.

1/12 Jesse Hughes von den Eagles of Death Metal
Bild: Matthias Willi

aftertheshow.ch

   

Matthias Willi / Olivier Joliat, «THE MOMENT AFTER THE SHOW», Rough Publications, zu beziehen unter www.aftertheshow.ch, 144 Seiten, CHF 48.00, ISBN 978-3-033-03288-0

Artikel zum Thema

Release-Party

Buch- Release-Party mit Konzerten von Karma to Burn (USA) und Blackmail (D) am 4. April, Kaserne Basel.

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Werbung

Es sieht aus, als wären sie eben aus einem brennenden Haus gerettet worden. Als wären sie von einem wütenden Mob verprügelt und von einem Wasserwerfer abgespritzt worden.

Dabei haben Joey Castillo und Josh Homme nur Musik gemacht. Sie sind Schlagzeuger und Frontmann bei Queens of the Stone Age, und sie haben eben die Hauptbühne des Greenfield Festivals in Interlaken verlassen. Der Basler Fotograf Matthias Willi hat sie just in jener Minute erwischt, in der sie sämtliche Rockstar-Posen abgelegt haben. Stattdessen sehen wir zwei vollkommen erschöpfte Männer, die versuchen, mit der wütenden Euphorie fertigzuwerden, die ihnen die Fans 90 Minuten lang entgegengeschleudert haben.

«That’s the only way to show how we really are»

Matthias Willi hat seine Idee, Musiker nach dem Konzert zu porträtieren, einem Zufall zu verdanken. Er sollte für den Musikjournalisten Olivier Joliat Juliette Lewis fotografieren, die zur Rock-Rampensau mutierte Schauspielerin. Weil er erst spät am Abend Zeit hatte, stellte er die verschwitzte Lewis direkt nach ihrem Auftritt in eine Ecke und drückte ab. Lewis hatte keine Einwände: «That’s the only way to show how we really are», sagte sie. Als Willi und Joliat die Bilder zu Hause begutachteten, verstanden sie. Und dachten: Davon brauchen wir mehr.

Heute, sechs Jahre später, ist aus der Idee ein Buch geworden. Eine Sammlung von Guerilla-Fotos, geschossen in hartem und direktem Licht, die Achselschweissflecken, zerrissene Hosen und zerlaufene Schminke zeigen. Und immer wieder diese leergesaugten Blicke.

Sei schlau, sei schnell

Willi und Joliat kamen an die Bilder, indem sie vier einfache Regeln befolgten. Erstens: Sei schlau. «Offizielle Anfragen beim Management sind sinnlos, die Musiker werden mit Anfragen überflutet», sagt Willi. Also suchten sie nach Türöffnern. Bei Faith-No-More-Sänger Mike Patton zum Beispiel waren es die Young Gods, die für das Projekt Werbung machten. Patton liess sich nur halb überreden - er zeigte Willi während des ganzen Shootings beide Mittelfinger.

Zweitens: Sei schnell. «Fucking thirty seconds» gab ihm Iggy Pop, und Robert Trujillo liess Willi genau fünf Fotos machen, während hinter dem Vorhang 100 000 Tobende nach Zugaben brüllten. Dann verschwand der Metallica-Bassist in einer Limousine.

Verkrafte Rückschläge, sei kritisch

Drittens: Verkrafte Rückschläge. Die New Yorker Rocker The Strokes müssten dringend aufs Flugzeug, hiess es; sie tranken dann aber backstage gemütlich das zweite und dritte Bier des Abends. Beobachtet von Willi, der wusste, dass er seinen Moment verpasst hatte.

Viertens: Sei kritisch. Nicht alle legen ihren Panzer ab, wenn sie von der Bühne kommen. Etliche Bilder musste Willi deshalb aussortieren. Doch es gab Ausnahmen: «Einige Musiker, besonders Amerikaner, die können gar nicht anders, als zu posieren. Das ist ihre Natur. Die tun das auch alleine im Badezimmer vor dem Spiegel.» In diesen Fällen nahm Willi das Foto ins Buch auf, weil er wusste: Ja, es ist eine Pose, aber sie ist echt.
(aus dem TA vom 17. März 2012) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.03.2012, 14:03 Uhr

10 FRAGEN an Ken Follett

Gratis ePaper für «Bund»-Abonnenten


Flugpreise vergleichen

Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.