«Bücher, über die Lehrer ihre Schüler abfragen können»
Von Martin Ebel. Aktualisiert am 18.01.2011 4 Kommentare
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«Was zuweilen am meisten fesselt», schreibt Max Frisch im «Tagebuch 1946– 1949», «sind die Bücher, die zum Widerspruch reizen, mindestens zum Ergänzen: – Es fallen uns hundert Dinge ein, die der Verfasser nicht einmal erwähnt, obschon sie immerzu am Wege liegen.» Bücher also, die in ihm das Gefühl wecken, es fehle ihnen noch viel – und das könne man selbst auch ganz gut, nein: besser sagen als der Autor. Eine schöne Illusion, führt Frisch den Gedanken weiter: Was uns einfällt, weil es der Autor nicht gesagt hat, fällt uns ein, eben weil wir ihn lesen. «Noch da, wo wir uns am Widerspruch entzünden, sind wir offen-bar die Empfangenden. Wir blühen aus eigenen Zweigen, aber aus der Erde eines anderen.»
So geht es vielen Schweizer Autoren, die im Lauf ihres Lese-, dann Schreiblebens mit Frischs Werken zu tun bekamen. Unberührt lassen sie keinen, wie unsere Umfrage zeigt, auch nicht ein halbes Jahrhundert nachdem sie geschrieben worden sind. Die befragten Schriftsteller, alle unter 50, haben ein Verhältnis zu Max Frisch: ein bewunderndes oder kritisches – niemals ein gleichgültiges. Dass Frisch sie beschäftigt, provoziert, gar nervt, liegt auch daran, dass seine Werke als offen betrachtet werden, nicht als «vollendet». Auch Frisch mochte das «vollendete» Buch nicht: «Es fehlt ihm die Gabe des Gebens. Es braucht uns nicht.» Frischs Bücher, das zeigt die Umfrage, werden gebraucht. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.01.2011, 14:52 Uhr
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4 Kommentare
Ich habe nach Frischs "Holozän" und "Blaubart" nie mehr jemanden gelesen, aus keinem Kulturkreis, aus keiner Zeit, der so wenige Wörter gebraucht wie Frisch, und bei dem man bei jedem einzelnen Wort spürt, dass es bewusst gesetzt ist und genau dorthin gehört, wo es ist. Niemanden, der ein Wort setzt oder zwei, und man weiss haargenau, was gemeint ist. Die allerhöchte und tiefste Dichterkunst. Antworten








