Kultur
«Bolivien wird es besser gehen als der Schweiz»
Von Sandro Benini, Mexico City. Aktualisiert am 21.06.2011 13 Kommentare
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Er wird von seinen Anhängern als erster indigener Präsident Boliviens gefeiert, auch wenn er die Eingeborenensprache Aymara nur rudimentär beherrscht: Evo Morales (52), seit 2006 Regierungschef des verarmten Andenstaates. Gewählt wurde er mit einem Glanzresultat, und vier Jahre später haben ihn die Stimmbürger ebenso glanzvoll bestätigt.
Für den Schweizer Soziologen Jean Ziegler ist Morales ein verehrungswürdiger Kämpfer wider alle Übel dieser Welt: Kapitalismus, Neokolonialismus, westliche Arroganz. In seinem Buch «Der Hass auf den Westen» nennt er ihn brüderlich Evo und schildert, wie der Politiker am 21. Januar 2006 nach seinem Wahlsieg in der historischen Eingeborenenhauptstadt Tiwanaku die Weihe der indigenen Priester erhält: «Die Priester reichen dem Präsidenten ein grosses Brot dar, das am Morgen in einem der noch immer betriebenen Öfen hinter der Pyramide Akapana gebacken wurde – das Brot der Pachamama, der Mutter Erde. Evo ergreift das Brot und legt es sich auf den Kopf, als Zeichen, dass er sich der Muttergöttin unterwirft.»
Die Glatze als Krankheit
Mittlerweile ist Evos Popularität zwar auf 30 Prozent geschwunden, weil die massive staatliche Subventionierung von Energie und die grosszügigen Sozialprogramme den Haushalt in Schieflage gebracht haben und der Präsident vor einem halben Jahr die Benzinpreise auf einen Schlag nahezu verdoppeln wollte – der wütende Protest seiner Anhänger liess ihn dann zurückkrebsen. Nun hat der bolivianische Journalist und Dichter Alfredo Rodríguez ein Buch herausgegeben, das die prägnantesten Sentenzen des Evo Morales versammelt. Was also hat der im Namen von Pachamama Geweihte, der nebenbei auch Doktor honoris causa von zehn über den Globus verstreuten Universitäten ist, alles für Weisheiten auf Lager?
Hier einige Auszüge aus dem Buch:
«Das Poulet, das wir essen, ist voller weiblicher Hormone. Wenn Männer diese Hühnchen verspeisen, erleidet ihre Männlichkeit Abweichungen.»
«Etwas Interessantes zur Glatzköpfigkeit, die europäischen Brüder mögen mir verzeihen: Die Glatzköpfigkeit ist eine europäische Krankheit, fast alle haben dort eine Glatze. Das kommt von den Lebensmitteln, die sie essen. Unter uns Eingeborenen hingegen gibt es keine Glatzköpfe, weil wir uns anders ernähren. Nehmt mich als Beispiel.»
«Wenn das WC verstopft ist, was machen wir dann? Wir rufen den Klempner. Aber der Klempner kann mit all seinen Instrumenten nichts ausrichten und verlangt fünf Bolivianos, um Coca-Cola zu kaufen. Dann schüttet er das Getränk in die WC-Schüssel, und nach einigen Minuten ist sie entstopft. Ich frage euch nun: Welche Chemikalien enthält wohl Coca-Cola?»
«Fidel ist nicht krank, er ist in Reparatur. Er wird weitere 80 Jahre leben.»
«Wenn ich die Dörfer besuche, sind nachher alle Frauen schwanger, und auf ihren Bäuchen steht: ‹Evo hält sein Versprechen.› Andere, aggressivere und mutigere Genossinnen sagen: ‹Frauen, haltet durch, Evo wird niemals müde.›»
«Wichtiger als das Juristische ist das Politische. Wenn mir ein Jurist sagt: ‹Evo, du irrst dich, was du vorschlägst, ist illegal› – dann kümmert mich das nicht im Geringsten. Später sage ich den Rechtsgelehrten: ‹Wenn es illegal ist, dann legalisiert es halt. Wofür habt ihr studiert?›»
«In diesem Jahrtausend ist es wichtiger, die Rechte der Mutter Erde zu verteidigen, als für Menschenrechte zu kämpfen.»
«In zehn oder zwanzig Jahren wird es Bolivien besser gehen als der Schweiz.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.06.2011, 11:13 Uhr
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