Kultur

Linus Schöpfer
Redaktor Kultur


«Aber Italien …, die Schweiz … »

Aktualisiert am 06.07.2012

Alice Schwarzer, ganz ungewohnt: In ihrem neuen Buch präsentiert die Feminismus-Ikone Reportagen und Reflexionen über das ferne arme Land Burma.

1/10 Alice Schwarzer (*1942) gehört zu den prägenden Figuren der intellektuellen Debatte in Deutschland.
Bild: Keystone

   

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Bettina Flitner, Alice Schwarzer: «Reisen in Burma», DuMont Verlag, ISBN 978-3-8321-9424-6, Köln 2012, 52 Franken, 159 Seiten.

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Frau Schwarzer, was hat Sie dazu motiviert, «Reisen in Burma» zu publizieren?
Die fantastischen Bilder drängen sich in diesem Land einfach auf. Sie sind anrührend, poetisch und märchenhaft. Man könnte immer nur schauen. Was den Text angeht, meinen Reisebericht: Da hat mich die Kluft zwischen dem verzerrten Bild von Burma im Westen und der Realität dieses vielschichtigen Landes gereizt. Doch das beginnt ja gerade, sich zu ändern: Die Propaganda wird schwächer, das wahre Burma sichtbarer.

Inwieweit lässt sich Ihre Faszination für Burma auf Aung San Suu Kyi zurückführen? Inwiefern ist Aung San Suu Kyi Ihrer Meinung nach ein Vorbild für deutsche oder auch Schweizer Politikerinnen?
Mich persönlich hat «die Lady», wie die Burmesen sie nennen, nicht fasziniert. Der Plot war zu durchsichtig: die Generäle und der Friedensengel. Doch ich freue mich, dass Aung San Suu Kyi sich endlich wieder frei bewegen kann, nicht länger für den Boykott ihres bitterarmen Landes plädiert und in die neue Politik eingebunden ist.

Welche Aspekte der Kultur Burmas vermissen Sie in Ihrer Heimat Deutschland?
Man spürt in einem Land wie Burma natürlich schmerzlich, was der Kapitalismus anrichten kann: diese Konsumsucht und die Verdrängung von Handwerk und regionalen Produkten durch Industrielles. Doch das wird sich nun auch in Burma ändern. Leider.

Wie schätzen Sie die Gefahr ein, die eigene Sehnsucht nach einem besseren Leben auf eine fremde Kultur zu projizieren und diese dadurch zu verklären?
Ich persönlich laufe nicht Gefahr, dies zu tun. Denn einerseits liebe ich mein Leben hier – und andererseits verkläre ich nicht die Ferne.

Wie verhindern Sie es, während des Reisens bloss an der touristischen Oberfläche zu bleiben?
Indem ich mich ernsthaft für die Lebensbedingungen und Menschen interessiere, Kontakt zu ihnen aufnehme, hinsehe und zuhöre.

Was ist Ihr liebstes Transportmittel auf Reisen? Weshalb?
Am liebsten fahre ich Zug, dem folgt das Auto. So bin ich dichter dran. Im Fall Burma musste ich fliegen, das Land ist gross und unwegsam.

Welches Land, das Sie bis dato nicht besucht haben, möchten Sie noch gerne bereisen – und weshalb?
Ehrlich gesagt, habe ich jetzt Sehnsucht, wieder stärker Europa zu bereisen. Frankreich ist ja eh meine zweite Heimat. Aber Italien…, die Schweiz… (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.07.2012, 10:47 Uhr

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