«Auch Punks sollen in die Oper»

Die Stadt hat Radio Rabe zum 20. Geburtstag eine Kultursendung geschenkt. Rabe-Redaktor Michael Spahr über das neue Format.

Künftig soll noch mehr hinter die Kulissen der Kultur geschaut werden: Rabe-Redaktionsleiter Michael Spahr auf Sendung.

Künftig soll noch mehr hinter die Kulissen der Kultur geschaut werden: Rabe-Redaktionsleiter Michael Spahr auf Sendung. Bild: Manu Friederich

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Die Stadt Bern hat Radio Rabe eine neue Sendung geschenkt: Seit Anfang Januar läuft «KultuRadar» im Wochentakt. Braucht ein Kultur-radio wie Rabe überhaupt noch ein weiteres Kulturformat?
Gute Frage. Tatsächlich war Rabe schon immer ein Kulturradio und hat auch schätzungsweise 30 bis 40 Kultursendungen. Wir wollten jedoch schon immer ein professionelles Format, das von Kultur handelt, sich dabei aber nicht nur mit den Interessen der Sendungsmacher deckt.

Was meinen Sie mit professionell?
Bei uns kann jeder in seiner Sendung einfach bringen, worauf er Lust hat. Es ging uns aber darum, eine Person zu finden, die ein Thema leidenschaftlich, aber auch journalistisch angeht. Hinzu kommt, dass wir vielleicht drei Hiphop-Sendungen und viel Platz für Popkultur haben, aber Sparten wie Theater, Tanz oder bildende Kunst nur selten vorkommen. Das neue Gefäss soll einen breiten Überblick schaffen. An diese Vorgabe müssen sich die Sendungsmacher halten, ebenso an gewisse Stilregeln bei der Moderation.

Wie kam es dazu, dass die Stadt Geld gesprochen hat?
Anlässlich unseres 20-Jahr-Jubiläums haben wir zum ersten Mal in der jüngsten Rabe-Geschichte versucht, Fördergelder für Events zu bekommen. Die Stadt wollte aber keine Veranstaltungen unterstützen, sondern schlug vor, uns zum Geburtstag eine neue Kultursendung zu schenken.

Verstehen Sie den Entscheid der Stadt, ein gänzlich neues Format zu fördern, statt bei bestehenden Sendungen mit ähnlichem Konzept anzusetzen?
Wir hätten die Möglichkeit gehabt, das Kulturmagazin «Subkutan», für das wir einst eine kleine Anschubfinanzierung erhalten hatten, umzuwandeln in eine professionelle Kultursendung. Es war ein interner Entscheid, dass wir das Format so belassen, wie es ist. Denn es war klar, dass eine von der Stadt finanzierte Sendung auf Berner Kultur ausgerichtet sein wird. Das Team von «Subkutan» wollte sich diesbezüglich aber nicht einschränken.

Ist «KultuRadar» redaktionell noch unabhängig?
Wir haben von Anfang an gesagt: Die Stadt sitzt nicht in der Redaktion. Wir wollen auch Projekte porträtieren, die keine städtischen Gelder erhalten, und Themen aufnehmen, die einfach zu Bern gehören. Eine Probesendung enthielt zum Beispiel ein Porträt von Schachspielern auf öffentlichen Plätzen. Wenn wir über Veranstaltungen berichten, die von der Stadt gefördert werden, dann über solche, die über Bern hinausstrahlen.

Kritiken sind in den bisherigen zwei Sendungen keine zu hören. Warum?
Als Chef ad interim von «KultuRadar» wollte ich noch damit warten, die Ausrichtung des Formats festzulegen, bis die neue Kulturredaktorin Gisela Feuz ihre Arbeit aufgenommen hat. Trotzdem wollten wir mit der neuen Sendung ins Geburtstagsjahr von Rabe starten. Das heisst, wir sind momentan noch in einer Art Beta-Stadium.

Betrifft das auch den Tonfall der Sendung? Der wirkt momentan sehr betulich.
«KultuRadar» folgt jeweils aufs Nachrichtenmagazin «Rabe-Info», der Ton ist ab da wahrscheinlich weniger locker-flockig als beispielsweise in der Morgensendung. Es stimmt, dass die Testbeiträge noch etwas ernst sind, aber Gisela Feuz wird der Sendung sicher noch eine Stimme geben.

Wen wollen Sie erreichen?
Es geht uns weniger darum, ein neues Publikum zu erschliessen, als darum, das bisherige neugierig zu machen. Mein Ziel wäre es zu erreichen, dass auch Punks in die Oper gehen.

Welche Schwerpunkte setzen Sie inhaltlich?
Wir wollen vor allem hinter die Kulissen schauen. Während drei Folgen etwa begleiten wir ein Theaterstück von den Proben bis zur Premiere und beleuchten auch das Kulturschaffen als Business. Wir werden mit Formen experimentieren und bisherige Radiostrukturen sprengen. Neu wird etwa sein, dass wir gewisse Beiträge online weiterführen, zum Beispiel mit Fotos, Videos oder Links. (Der Bund)

(Erstellt: 26.01.2016, 07:42 Uhr)

Stichworte

«KultuRadar» Finanzierung

Michael Spahr, Redaktionsleiter von «RaBe-Info», der Nachrichtensendung auf Radio RaBe, ist seit Januar Redaktionsleiter ad interim der neuen RaBe-Sendung «KultuRadar». Die Stadt finanziert «Kultu-Radar» anlässlich des 20-jährigen Jubiläums von RaBe für ein Jahr lang mit Fr. 85 000. Mit dem Geld hat die RaBe-Redaktion eine 50%-Stelle geschaffen, welche die Kulturjournalistin Gisela Feuz (sie ist auch freie Mitarbeiterin beim «Kleinen Bund») antreten wird.
Mehr Infos: www.kulturadar.ch

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