Kultur

Schrille Fernsehwelten

Von Feli Schindler. Aktualisiert am 31.05.2011 1 Kommentar

Die amerikanische Videokünstlerin Alex Bag zeigt im Migros-Museum Zürich eine ebenso witzige wie kritische Schau.

Hier wird Banales und anarchisch Kreatives gezeigt: Im Loft mit den Farben, die einst die TV-Standbilder hatten.

Hier wird Banales und anarchisch Kreatives gezeigt: Im Loft mit den Farben, die einst die TV-Standbilder hatten.
Bild: PD

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Dauer der Ausstellung

28. Mai bis 14. August 2011

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Haben Sie auch schon mitten in der Nacht durch alle Fernsehkanäle gezappt und sich gewundert, wie viel Schrott über den Bildschirm flimmert? Auf 230 Kanälen erhält man Lebenshilfe selbst ernannter Kartenleger, Lottospiele mit Endlosgeplapper, Softpornos oder Spülmittel für das Familienglück vorgesetzt. Kommerz, Infotainment, Realityshows, Sex und Crime prasseln nonstop auf einen nieder. Tatsache ist: Die rot-blau-gelben Standbilder, die den TV-Konsumenten einst Zwangspausen auferlegten, gehören der Vergangenheit an.

Die amerikanische Künstlerin Alex Bag signalisiert nun genau mit diesen Farben, dass im Migros-Museum für Gegenwartskunst nicht nur ferngeschaut, sondern den TV-Nationen der Spiegel vorgehalten wird. Videoboxen mit bunten Vorhängen und ein Loft mit bequemen Sitzsäcken vor zwölf Monitoren laden zum Bilderkonsum zwischen Clip und Kommerz ein.

Die Krise der Moderatorin

Die 1969 in New York geborene Videoperformerin Alex Bag ist zweifellos ein Kind des TV-Zeitalters. Sie wurde durch Soaps, Talks und Kindershows sozialisiert, nicht zuletzt, weil ihre Mutter in den Siebzigerjahren die längst in Vergessenheit geratene Kindersendung «The Patchwork Family» moderierte.

Just auf dieser Sendung basiert nun auch ihre jüngste Arbeit «Untitled (Project for the Whitney Museum)», in der die Künstlerin als blond gelockte, delirierende Moderatorin vor apokalyptischer Untergangskulisse einem Stoffdrachen ihr Leid klagt: Panikattacken, Depression, prämenstruelle Störungen. Das ist in der Tat alles andere als erbauend für die Kinder im Studio, die mit einer Vorlesestunde zu Jean-Paul Sartre hoffnungslos überfordert werden. Bag persifliert auf diese Weise langweilige Kindersendungen und thematisiert gleichzeitig ihre eigene Schaffenskrise: «You’re broken. It’s hopeless», meint das Stofftier.

High und Low finden ebenso Niederschlag im frühen Schlüsselwerk «Untitled Fall 95», in welchem die Videoartistin den Karriereweg einer Kunststudentin durch alle Semester hindurch nachzeichnet. «Mein Kopf explodiert vor Ideen, you know», näselt sie sich wichtigtuerisch und rauchend durch ihre Soloshow. «I’m not gonna kiss somebody’s ass» – sie werde sicher nie jemandem in den Hintern kriechen, lautet einer der vielen Vorsätze der angehenden Künstlerin. Sie tut es dann doch: In der dritten Videoperformance «The Van» streiten drei Künstlerinnen, aufgebrezelt als Prostituierte und gespielt von der wandlungsfähigen Alex Bag, um die Gunst eines Galeristen, der ausschaut wie ein Zuhälter. «Meine Kunst ist gegen oder für alles», erklärt eine der drei Protagonistinnen ihre künstlerische Strategie, die – im horizontalen Gewerbe wie auf dem Kunstmarkt – nur das eine Ziel verfolgt: Geld anschaffen

Ungefiltert Verrücktes

Alex Bags Bildsprache spielt virtuos auf der Klaviatur der trivialen Fernsehunterhaltung; sie reicht von der Dokusoap über Werbeunterbrüche bis hin zum Telefonsex. Auch wenn sich vieles auf hiesige Verhältnisse übertragen lässt, sollte man als Zuschauer doch einigermassen über amerikanische Fernsehgewohnheiten Bescheid wissen und die englische Sprache beherrschen. Nicht alle Einspielungen sind so einfach verständlich wie etwa der witzige Werbespot eines Vampirgirls.

Dass die New Yorker Künstlerin besonders in jungen Jahren das Medium Fernsehen mit einer guten Portion Witz ausreizte und manipulierte, zeigen ihre ersten filmischen Gehversuche aus den Neunzigerjahren mit dem Fotokünstler Patterson Beckwith. Interviews mit Papageienzüchterinnen, aufgepimpte Kinder an Schönheitswettbewerben, Witzanrufe beim Callcenter oder Videotapes in der Bratpfanne zeigen ungefiltert Verrücktes, Banales und anarchisch Kreatives. Persiflage oder real (American) Life – das ist die Frage.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.05.2011, 08:16 Uhr

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1 Kommentar

Agnes Stöckli

31.05.2011, 14:25 Uhr
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Ich schaue nachts Lieber ins Internet mit dem Mac wegen der bessern Qualität her schon, wenn ich nicht kann Schlafen, als mit dem Auslauf Model Fernseher. Antworten



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