Fischer killing

Grädel liebt seine Frau, auch wenn sie ihm nur Mineralwasser medium anbietet.

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«Früher gab es Leitmedien, gesellschaftliche Wissensströme, an die die meisten Menschen angeschlossen waren, heute gibt es nur noch Mineralwasser medium.» Grädels Frau sass gemütlich am österlich gedeckten Küchentisch und streute Aromat über Senf und Ei, als ihr Ehemann diesen Satz äusserte.

Out of the blue, unverhofft. Grädels Frau ist mittlerweile natürlich eine Spezialistin für die Dechiffrierung solcher Einschübe. Grundsätzlich können sie zwei Sachen bedeuten: Entweder fängt Grädel an, über etwas intensiver nachzudenken, oder aber er hat den Denkprozess bereits hinter sich. Eher selten der Fall: Grädel liegt mitten in ihm.

Grädels Frau überlegte sich kurz eine intelligente Anknüpfungs-Variante, aber Grädel sprach bereits nächste mysteriöse Sätze. «Meistens fischen Fischer Fische, aber manchmal werden auch Fischer gefischt. Nicht oft, aber es kommt vor.» Grädels Frau konnte sich noch immer keinen exakten Reim darauf machen, aber sie ahnte schon, in welche Richtung es gehen könnte. Hiess nicht irgendein Trainer Fischer, der in Basel? Musste er gehen? Warum? «Wie schaffst es du eigentlich, bei all diesem Durcheinander der Argumentationen in der Welt nicht durchzudrehen?», fragte Grädel jetzt. «Ich lese weniger Zeitung als du», sagte Grädels Frau.

«Basel bleibt Basel, für immer rot-blau», fuhr Grädel fort. Seine Frau ass in aller Ruhe ihr Ei, und Grädel ereiferte sich, dass Fischer in einer Zeitung als Sofa beschrieben worden sei, das gut ins kleine Thuner Wohnzimmer gepasst habe, aber im grossen Basler Wohnzimmer verloren gewirkt habe. Grädels Frau schälte nochmals ein Ei. Schliesslich war Ostern.

«Willst du noch ein Mineralwasser medium?», fragte jetzt Grädels Frau. «Nein», sagte Grädel, «wenn schon, dann eher einen gesellschaftlichen Wissensstrom.» Könne er haben, sagte seine Frau, der heisse argumentative Willkür, und Antonio Damasio, dieser Neurowissenschaftler, habe einmal gesagt, die Funktion des Verstandes sei eher, das Wesentliche zu verhüllen als es zu erhellen.

Grädel staunt immer wieder über seine Frau, und er nahm jetzt endlich einen Bissen von seinem Honigbrot, zu lange hatte es unversehrt vor ihm im Tellerchen gelegen. Hoffentlich hat Fischer auch so eine Frau wie ich, dachte sich Grädel noch. (Der Bund)

Erstellt: 20.04.2017, 06:57 Uhr

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