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«Sonst gibt es ein böses Erwachen»

Interview: Thomas Niggl. Aktualisiert am 11.06.2012

Durchzogener EM-Start der Deutschen. Welt- und Europameister Günter Netzer ortet im Interview mit DerBund.ch/Newsnet die Probleme, spricht dabei über Mario Gomez und den nächsten Gegner Holland.

1/6 Die Erlösung: Die deutschen Spieler feiern Mario Gomez (l.).
Bild: Keystone

   

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Experte Günter Netzer (Bild: Keystone )

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Günter Netzer, Deutschland hat gegen Portugal mit 1:0 gewonnen. Sie müssten eigentlich zufrieden sein?
Nein, das bin ich überhaupt nicht.

Weshalb?
Deutschland hatte mit den Portugiesen die grössten Probleme. Auch wenn zum Schluss ein Sieg resultierte, war das Spiel keineswegs zufriedenstellend. Die Mannschaft wurde den hohen Erwartungen, die man an sie stellen muss, nicht gerecht. In der ersten Halbzeit hat es an fast allem gemangelt.

Woran hat das gelegen?
Im deutschen Spiel war keine Bewegung, die Anspielstationen haben gefehlt. Das Team von Jogi Löw hat keine Lösungen gefunden, um die Portugiesen in Verlegenheit zu bringen.

Wie meinen Sie das genau?
Das Aufbauspiel war schleppend und viel zu langsam. Es war nichts von dem zu sehen, wofür diese Mannschaft eigentlich steht und was sie in der jüngsten Vergangenheit ausgezeichnet hat. Es ist den Deutschen nicht gelungen, einen stetigen Druck auf die Portugiesen auszuüben.

Worin sehen Sie den Hauptgrund?
Das lag auch an den individuellen Leistungen. Auch die zuletzt hochgelobten Spieler verdienten sich gegen Portugal keine guten Noten. Dieser Auftritt hat den Deutschen die Realität ein grosses Stück nähergebracht.

Welche Spieler meinen Sie gezielt?
Das ganze Mittelfeld war generell nicht gut. Da fehlten die Ideen, die Inspiration, die Kreativität. Auch in der Sturmspitze kam zu wenig.

Stürmer Mario Gomez wurde trotz seines goldenen Treffers kritisiert. Auch von Ihrem Nachfolger bei der ARD, Mehmet Scholl. Wie denken Sie über Gomez?
Er ist ein typischer Strafraumspieler, den man auch so einsetzen muss. Es ist schwierig, Gomez ins Spiel einzubinden. Im Gegensatz zu Klose ist er kein spielerischer Stürmer. Deshalb wird Gomez vorwiegend an seinen Toren gemessen.

Was geschieht, wenn er mal nicht mehr trifft?
Dann hat er ein ernsthaftes Problem. Gomez ist zum Toreschiessen geradezu verdammt und verurteilt.

Sie machen sich also grosse Sorgen um die Deutschen?
Der Weg ins Endspiel ist noch sehr weit. Und wenn sie dorthin wollen, dann müssen sie sich gewaltig steigern.

Was muss besser werden?
Wie gesagt, die Probleme, die ich im Spiel gegen die Portugiesen ausgemacht habe, muss diese Mannschaft gegen Holland lösen können, sonst gibt es ein böses Erwachen. Das Spiel gegen Portugal hat Defizite aufgezeigt, an denen Jogi Löw jetzt gezielt arbeiten muss.

Holland steht nach der 0:1-Niederlage gegen Dänemark schon mit dem Rücken zur Wand. Wie analysieren Sie die Holländer?
Die Holländer haben Weltstars in ihren Reihen, die in grossen europäischen Klubs spielen. Doch sie sind überhaupt keine Mannschaft.

An was konnten Sie das im Spiel gegen Dänemark feststellen?
Im holländischen Spiel war kein Tempo, es gab keine Inspiration. Es fehlte jegliche Aggressivität. Aufgefallen ist mir besonders die Inaktivität, den Ball zurückzuerobern. Es fehlte bei den Holländern der Wille und die Besessenheit, das Spiel nach dem 0:1-Rückstand noch zu drehen.

Was erwarten Sie vom Spiel zwischen Deutschland und Holland?
Ich glaube, dass die Deutschen dieses Spiel gewinnen.

Weshalb?
Weil die Holländer, wie gesagt, keine Mannschaft sind und kein Kollektiv haben. Das ist der ganz grosse Vorteil der Deutschen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.06.2012, 12:17 Uhr

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