Euro 2012
Die Geheimfavoriten
Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 08.06.2012 33 Kommentare
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«Ich glaube weder an die Spanier noch an die Deutschen», sagt der ehemalige Sportchef von GC, des FCZ und Basel, Erich Vogel. Er sehe beide Nationen nicht im EM-Final. «Die spanische Nationalmannschaft ist von der Philosophie von Barcelona geprägt», sagt Vogel. Doch auch Barcelona sei in dieser Saison an die Grenzen gestossen, habe die Champions League und die spanische Meisterschaft verspielt. Es sei das Ende einer ganzen Epoche. «Spaniens Fussball und insbesondere derjenige von Barcelona hat sich totgelaufen. Die Gegner wissen mittlerweile auch, wie man gegen dieses System vorgehen muss», sagt Vogel. Der Zürcher glaubt auch nicht an die Deutschen. Auch dafür hat er eine Erklärung.
«Es ist kein Zufall, dass Dortmund mit drei Polen so viel Erfolg hat»
«Die Spieler von Dortmund und Bayern kommen aus einer langen Saison. Die Kräfte werden für dieses Turnier deshalb nicht reichen. Die acht Münchner waren ja auch noch bis im Final der Champions League im Einsatz», sagt Vogel. Die Deutschen würden physisch auf dem Zahnfleisch laufen. «Um erfolgreich zu sein, müssten die Deutschen im Kopf frisch sein. Nur so kann man einen kreativen Fussball spielen», sagt Vogel. Aber das sei nach einer langen Saison nicht der Fall. «Ich glaube aber auch nicht an Italien, England, Frankreich und auch nicht an Holland, obwohl sie sehr viele hervorragende Einzelspieler im Team haben», sagt Vogel und nennt gleich seinen Geheimfavoriten. «Es ist kein Zufall, dass Dortmund mit drei Polen in dieser Saison die Meisterschaft und den deutschen Pokal gewonnen hat», sagt Vogel. Piszczek, Blaszczykowski und vor allem Torjäger Lewandowski seien die herausragenden Spieler in einer auch kollektiv starken polnischen Mannschaft. «Wenn die Polen gut in das Turnier starten, dann könnte sich vor eigenem Publikum eine unheimliche Eigendynamik entwickeln.»
«Frankreichs Coach Laurent Blanc kennt die Psyche seiner Spieler»
Der ehemalige Nationalspieler Andy Egli hat einen anderen Geheimfavoriten. «Die Franzosen wurden in der Öffentlichkeit nach der katastrophalen Weltmeisterschaft in Südafrika, an der sich einige Spieler auch noch Disziplinlosigkeiten leisteten, in der Öffentlichkeit trotz der EM-Qualifikation gar nicht mehr wahrgenommen», sagte Egli auf Radio «Energy». Die Franzosen hätten viel gutzumachen und würden deshalb für jedes Land zu einem äusserst gefährlichen Gegner. «In einem EM-Test haben sie Deutschland geschlagen. Das gibt ihnen unheimliches Selbstvertrauen. Zudem hat Frankreichs Coach Laurent Blanc mit einigen Spielern auch noch zusammengespielt und kennt deshalb ihre Psyche sehr gut», sagt Egli. Deshalb traue er den Franzosen an der EM den ganz grossen Coup zu.
«Spaniens Fussball ist durchschaut»
Der Schweizer Rekordinternationale Heinz Hermann (117 Länderspiele) glaubt an eine EM der Überraschungen. Der Zürcher denkt ähnlich wie Erich Vogel. «Die Gegner haben sich mental mittlerweile auf den spanischen Fussball, insbesondere auf das System Barcelonas, das auch die Nationalelf praktiziert, eingestellt», sagt der Sportchef des FC Luzern. Das habe auch die diesjährige Champions League gezeigt. «Wer mit den Spaniern mitspielen will, wählt die falsche Taktik», sagt Hermann. Deshalb sei der Schaffhauser Roberto di Matteo mit seiner defensiven Taktik gegen Barcelona in der Champions League auch so erfolgreich gewesen und habe die Katalanen im Halbfinal eliminiert. Hermann glaubt, dass sich eines der Gastgeberländer durchsetzen könnte. «Die Polen haben mit den drei Dortmund-Legionären eine starke Mannschaft. Bei den Ukrainern spielen mit Timoschtschuk, Schewtschenko und Woronin Spieler, die möglicherweise vor dem Ende ihrer Karriere stehen und deshalb noch etwas ganz Grosses gewinnen wollen.»
«Die Italiener stecken den Wettskandal weg»
Auch Georges Bregy, WM-Teilnehmer 1994 in den USA, hat seinen grossen Geheimfavoriten. «Der Wett- und Manipulationsskandal, in den offenbar auch italienische Nationalspieler wie unter anderen auch Torhüter Buffon verwickelt sein sollen, wird die Spieler extrem anstacheln. Sie wollen im grossen Schaufenster einer EM zeigen, dass der italienische Fussball nicht tot ist, sondern lebt», sagt der ehemalige Trainer von Lausanne und dem FC Zürich. Die Italiener seien auch im Jahre 2006 mit ähnlichen Skandalen konfrontiert und dann in Deutschland trotzdem Weltmeister geworden. «Zudem haben die Italiener auch qualitativ hochwertige Spieler, die auch taktisch immer auf dem höchsten Stand sind.»
«Die Deutschen haben einen psychischen Knacks»
Auch Bregy denkt, dass der spanische Fussball von den Gegnern durchschaut worden ist. «Mittlerweile haben sich die Gegner auf das Kurzpassspiel und den tödlichen letzten Pass in die Tiefe eingestellt. Und wenn die Spanier nicht in Führung gehen, dann geraten sie unheimlich unter Druck und machen eben dann auch Fehler.» An die Deutschen glaubt Bregy schon gar nicht. «Die acht Bayern, die in der Nationalmannschaft Stammspieler sind, kommen mit einem psychischen Knacks an diese EM», sagt Bregy.
Der verlorene Final in der Champions League gegen Chelsea, das Verspielen der deutschen Meisterschaft und die Niederlage im Pokal würden auch noch an der EM Spuren hinterlassen. «Die Bayern kommen schwer angeschlagen und mit drei Niederlagen zu diesem Turnier. Ich bin sicher, dass sie dieses Trauma noch lange nicht verarbeitet haben. Und das überträgt sich auch auf die Nationalmannschaft», sagt Bregy und fügt an: «Die Spieler von Dortmund, die das Double geholt haben, gehören in der Nationalmannschaft beim Trainer Jogi Löw nicht zur Stammelf.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.06.2012, 13:30 Uhr
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33 Kommentare
ds sind ja alles wieder tolle Experten: Man schaue doch bitte nur, was diese Herren in den letzten Monaten so alles prognostiziert haben und vieles dann doch nicht eigetroffen ist. Und noch besser: Wenn das alles so Top-Experten wären, dann hätten Sie auch alle einen Top-Fussball-Job, was bekanntlich ja nicht der Fall ist. Also Ball schön flach halten. Antworten
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