Warum 3-D-Fernsehen erneut ein Flop werden könnte
Von Reto Knobel. Aktualisiert am 24.02.2010 14 Kommentare
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Eigentlich sind (fast) alle Voraussetzungen gegeben. Zum Beispiel die Technik: Schon im Januar stellten die grossen TV-Produzenten an der CES in Las Vegas eine Reihe von Geräten vor, mit der die aus Kinos bekannte 3-D-Technologie ins Wohnzimmer einziehen soll. An der am 2. März beginnenden Cebit in Hannover wird nun nachgedoppelt. So stellt die deutsche Fraunhofer-Gesellschaft an der weltgrössten Computermesse extra ein Fernsehstudio für 3-D-Live-Produktionen auf und Sunny Ocean Studios will dreidimensionales Fernsehen ohne Spezialbrillen ermöglichen (DerBund.ch/Newsnet berichtete).
Erste 3-D-Filme auf Blu-ray-Discs
Auch für Inhalte ist gesorgt. 3-D-Filme wie «Avatar» und «Ice Age: Die Dinosaurier sind los», die beim Kinopublikum gut ankamen, werden bald über die Fernsehbildschirme flimmern. Erstgenannter Film sogar als Blu-ray mit 3-D-Version, wie James Cameron kürzlich dem «Wall Street Journal» sagte. Als Termin nannte der Starregisseur November 2010.
Noch früher wird man höchstwahrscheinlich den Film «Monsters vs. Aliens» auf 3-D-Blu-ray-Disc anschauen können. Der koreanische Hersteller Samsung lanciert dafür mit dem BD-C6900 im März einen 3-D-Blu-ray-Disc-Player. Konkurrent Sony folgt im Sommer mit der 3-D-Blu-ray-Version des Kinofilms «Cloudy with a Chance of Meatballs» («Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen»).
Interdiscount startet im Frühling
Schweizer Fachhändler stehen denn auch bereits in den Startlöchern. Interdiscount etwa will im April erste 3-D-TVs verkaufen, so Lukas Zellweger, der bei dem Unterhaltungselektronik-Unternehmen für den Verkaufsservice zuständig ist. «Diese Technologie hat ein sehr grosses Potenzial. Man kann diese technische Revolution mit der Entwicklung von Schwarzweiss- zu Farbfernsehern vergleichen.»
Was wollen die Konsumenten?
Ob das neue Hardware-Angebot allerdings für einen nachhaltigen Boom im einträglichen Homecinema-Business reicht, ist fraglich. So betonte Microsoft-Manager Aaron Greenberg an der CES in Las Vegas gegenüber dem Portal G4tv.com zwar die 3-D-Tauglichkeit der Spielkonsole Xbox 360, stellte aber gleichzeitig die Frage, «welches Interesse Konsumenten an einer 3-D-Erfahrung im Wohnzimmer haben».
Die Beantwortung dieser Frage dürfte auch den TV-Giganten nicht leicht fallen.
- Nach der Anschaffung neuer Flachbild-Fernseher werden die Konsumenten erstens kaum bereit sein, bald (teure) 3-D-Geräte zu kaufen.
- Zweitens zeigt gerade die Erfahrung mit neuen Fernsehtechniken wie High Definition (HD), dass es viele Jahre braucht, um mehr als eine Handvoll Sender für entsprechende Angebote zu gewinnen.
- Drittens stellt sich die Frage des Mehrwerts: Visuell bringt die dreidimensionale Ausstrahlung von TV-Formaten wie Nachrichten- und Diskussionssendungen nicht viel – vom Aspekt der steigenden Produktionskosten ganz zu schweigen.
- Viertens schliesslich lohnt sich ein Blick in die Bücher der Technikgeschichte. Wer weiss noch, dass bis Mitte der Fünfzigerjahre des 20. Jahrhunderts mehrere Dutzend 3-D-Filme produziert wurden? Wer weint 3-D-Experimenten der 80er Jahre («Jaws», «Klimbim») eine Träne nach? Dem dreidimensionalen Fernseherlebnis wurde schon mehrmals der «endgültige Durchbruch» prognostiziert. Der Rest ist bekannt.
Erstellt: 24.02.2010, 17:16 Uhr
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14 Kommentare
Die 3D Filme der 50er bis 90er Jahre hatten den nachteil von wackelnden Bildständen. Restultat: über 1/3 des Publikums wurde schlecht oder bekam Kopfschmerzen. Das Einrichten war für die Kinos zeitaufwändig. Der Transport extrem teuer. Alles Probleme, welche modernes 3D nicht mehr hat. Antworten
Ich hätte gerne zu Hause einen 3D-TV. Ist doch ein ganz neues Erlebnis. Doch immer diese Brillen Tragen... Sobald es Fernsehrer gibt, die ohne Brille 3D-Bilder erzeugen und sich preislich zwischen 800 bis 2'800 Fr. bewegen, glaube ich an den Durchbruch. Ohne Brille macht es auch nichts, dass dann die Nachrichten etc. wieder 2D sind. Antworten
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