Vom Zauber-Pad und vom zählebigen Buch
Von Barbara Weber. Aktualisiert am 23.06.2010 5 Kommentare
Es ist wohl etwas schwer, ja, wohl etwas zu schwer, als dass man damit stundenlang lesen könnte. Es ist wohl etwas eigentümlich, das Format, ja, aber nein, das iPad hat fast präzise die Grösse eines aufgeschlagenen Suhrkamp-Taschenbuchs. Im Apple-Shop gibt es passendes Zubehör, welches die iPad-Erfahrung noch besser machen wird. Zum Beispiel das iPad-Case (eine Art Schutzhülle und Ständer zugleich). Die Lieferung war schon mehrmals ausverkauft.
Eines Morgens sagt uns die Apple-Hotline, man habe jetzt wieder welche an Lager. Also schnell Zähne putzen, anziehen, duschen? Nein, Kaffee? Ja, okay, einen, weil: «Reservieren können wir leider nicht» – auch eine der Apple-Regeln, die wir in Kauf nehmen, die unser Wunschbegehren und das Gefühl von Exklusivität noch mehr steigert. Ich bete und hoffe, dass wir nicht wieder zu spät sein werden.
Grosser Kaufwunsch
Wieder im Apple-Shop. Auf dem Weg in den unteren Stock werden wir vom gleichmässigen Licht verschluckt, ein Kaufwunsch wächst in mir. Mein Blick wandert die Wände entlang. Grosser Kaufwunsch.
Das elitäre Image, welches Apple (AAPL 562.29 -0.54%) pflegte, ist nur noch in den Shops spürbar. Vor zehn Jahren war meine grau gerillte, schwere Apple-Kiste in Berlin noch eine wahre Sensation. Das hat sich mittlerweile geändert:
In sämtlichen Cafés sieht man dasselbe Bild. In Serie aufgeklappte weisse oder silberne Mac-Laptops, dahinter an den Wänden im MeterAbstand neu installierte Steckdosen.
Hektik, wo ist das Kabel?
Zuweilen kurze Hektik: Wo ist mein Kabel?, Steckdose suchen, einstecken – die Batterien entleeren sich immer noch ziemlich schnell.
Wie werden diese Cafés in der Zukunft aussehen? iPads in Schutzhüllen auf Docks? In sich verknotete BenutzerInnen in Sesseln sich fläzend, das iPad auf dem Schoss? Werden Bücher, Magazine, Zeitschriften aus den Cafés verschwinden, wird der Buchladen und wird der Buchhändler bald verschwunden sein? Verdrängt das iPad das Buch, wie iPod undiTunes vor kurzem die Plattenläden zu verdrängen begonnen haben?
Die Rolle der Literatur und der Information für Wissenschaft und Gesellschaft stand seit Jahrhunderten fest: Leitendes Medium war das Buch. Wohl definiert war der Kreis seiner Käufer und Nutzer, der Markt war in kontinuierlichem Wachstum begriffen. Der deutsche Soziologe Max Weber verstand das Wissen als Fähigkeit zu sozialem Handeln, die Produktion vollzog sich in bildungsbürgerlicher Routine nach den humanistischen Idealen der Universitäten und der wissenschaftlichen Gesellschaften – so sagte Gottfried Honnefelder bei der Eröffnungsrede der Leipziger Buchmesse.
Erschütterter Buchmarkt
Zum gebundenen Buch kam das Taschenbuch hinzu, dann das Hörbuch, und jetzt erscheint das digitale Buch, das E-Book, auf der «Zaubertafel und Wunschmaschine» iPad können wir es bewundern, die Medien wissen in epischem Ausmass darüber zu berichten, und durch den Buchmarkt geht eine Erschütterung.
Wer ein Gerät wie das iPad nutzen möchte, wird sich, wie es in wissenschaftlichen Zusammenhängen schon länger gang und gäbe ist, seine digitalen Texte direkt und komfortabel als Download besorgen können.
Werden E-Books die gedruckten Bücher ersetzen oder vielmehr umgeben, bereichern und ergänzen? Welches Ausmass wird der E-BookMarkt haben?
Totgesagte leben länger
«Das Buch ist tot», soll Apple-Chef Steve Jobs gesagt haben, Marshall McLuhans Prophezeiung vom Ende des gedruckten Buches liegt mittlerweile mehr als ein halbes Jahrhundert zurück.
Vielleicht befinden wir uns ja tatsächlich im prophezeiten multimedialen Aufbruch, aber: Totgesagte leben länger!
PS: Etwas habe ich fast vergessen: Das Apple-Plastiksäcklein. Eine Art Tütchen, das einem DDR-Sportsäcklein oder einem Herrentäschlein nachempfunden ist. Also schlendern wir, das besagte Tütlein schwingend, glücklich Richtung Confiserie Honold. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.06.2010, 08:02 Uhr
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5 Kommentare
Auch Theater, Kino, Live-Auftritte von Bands und die Oper wurden schon tot gesagt. E-Books sind bestenfalls eine Ergänzung. Was Bestand hat und überdauern wird, werden viele in gedruckter Form - auch als bibliophile Ausgabe - bevorzugen. Auch wer eine Büchersammlung anlegen will, fährt gut mit gedruckten Büchern, denn wer garantiert, dass die Software von morgen, gekaufte E-Books noch lesen kann? Antworten
Apple hat es fertiggebracht, seit OS X 1063 wichtige Funktionen von QuickTime zu zerstören und es sieht nicht so aus, als werde das repariert, denn diesen Fehler gibt es schon seit einem halben Jahr und vielleicht ist das auch absichtlich? Sehr schade, nun fühlt sich OS X so an, als sei es eine zusammengebasteltes System das vielleicht funktioniert oder auch nicht, ohne Fehlermeldungen!!! Antworten
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