So kompliziert war Fernsehen noch nie
Von Reto Knobel. Aktualisiert am 18.11.2010 47 Kommentare
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Da guckt sie in die Röhre: Die neuen Set-Top-Boxen bergen grosses Frustrationspotenzial.
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«Die Marktentwicklung genau beobachten»
Wie reagieren Swisscom und Cablecom auf Apple TV und Swiss TV?
«Die beiden Angebote zeigen, dass VoD mittlerweile ein sehr attraktiver Markt geworden ist – der auch von den Kunden rege genutzt wird», so Swisscom-Sprecher Olaf Schulze. «Eine Erfahrung, die wir ebenfalls machen.» Angst vor den Neulingen auf dem Markt habe die Swisscom nicht: «Mit unserem Angebot liegen wir nicht nur mit der Anzahl der angebotenen Filme sehr gut, auch unsere Preise sind im Vergleich mit 2.50 Franken bis 6 Franken für aktuelle Blockbuster günstig.» Die Swisscom nehme diese Anbieter jedoch «ernst und beobachte die Marktentwicklung sehr genau».
Die Cablecom sieht das neu lancierte Apple TV «als gesunde Konkurrenz» und ihr «Angebot an Filmen und Fernsehinhalten auf Abruf auch langfristig gut positioniert», so Mediensprecher Michael Loss.
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Albrecht Gasteiner ist Betreiber des Onlineportals HDTV-Forum Schweiz und als solcher sicher kein Technikfeind. Umso mehr erstaunt seine Aussage zum Thema Digital TV: «Apple, (AAPL 562.29 -0.54%) Cablecom, Swisscom (SCMN 352 0.09%) und Swiss-TV – das Angebot ist unübersichtlich und die Vielfalt der verschiedenen Settop-Boxen schafft bei den Konsumenten Verwirrung.»
Frustriert ist auch DerBund.ch/Newsnet-Leser und Kommentator Ralph Niederhäusern: «Es stehen bereits unzählige Computer mit Internetanschluss in den Wohnungen, welche auch an Fernsehgeräte angeschlossen werden können. Weshalb bringen Apple, Cablecom und Swisscom immer Hardware für ihr Fernsehangebot, anstatt endlich eine Softwarelösung zu bringen, mit welcher jeder sein eigenes Gerät verwenden kann, ohne ein zusätzliches Gerät ins Wohnzimmer stellen zu müssen?»
Drei Fernbedienungen sind das Minimum
Wenn ein Techniker und ein Internetnutzer Gefahr laufen, den Durchblick zu verlieren – wie muss sich da wohl der Durchschnittsnutzer fühlen? Die These sei gewagt: Im analogen Zeitalter war alles einfacher. Ein TV, ein Kabel und vielleicht eine Fernbedienung. Heute gilt das Fernsehzimmer als spartanisch eingerichtet, wenn neben dem TV, dem HD-Recorder und der Settop-Box nur drei Fernbedienungen auf dem Couchtisch liegen.
Mit der Lancierung des neuen Apple TV und der Schweizer Konkurrenz Swiss TV, welche seit kurzem Video-on-Demand-Services anbieten, dürfte das Chaos auf die Settop-Boxen übergreifen. Bald werden die letzten analogen Programme eingestellt und viele Fernseher brauchen, um digitale Sender zu empfangen, separate Digitalempfänger. Die meisten Digital-TV-Konsumenten nutzen Swisscom TV oder Cablecom und müssen dafür auf zusätzliche Hardware zurückgreifen.
Apple TV: Ohne Zusatzkabel läuft nichts
Die neuen Settop-Boxen bergen grosses Frustrationspotenzial. Ohne HDMI-Kabel etwa, welches man für die Verbindung zum Fernseher oder Receiver braucht, ist Apple TV nicht zu gebrauchen. Genau dieses Kabel aber ist im Lieferumfang von Apple TV nicht inbegriffen und muss separat erworben werden.
Aus diesem Makel möchte Swiss-TV-Sprecherin Christine Lépine noch so gerne marketingmässig Kapital schlagen: «Anders als bei Apple TV werden bei uns sämtliche Kabel und Anschlüsse kostenlos mit der Box mitgeliefert.» In diesem Plural liegt indes das Problem von Swiss TV: Inklusive Settop-Box umfasst der Lieferumfang des neuen Schweizer Video-on-Demand-Services fünf (!) Hardwareteile, wie sich DerBund.ch/Newsnet selber überzeugen konnte. Und: Die Box kann nur gekauft (knapp 200 Franken), aber nicht gemietet werden. Trotzdem spricht Lépine von der «benutzerfreundlichsten Lösung bei den VoD-Anbietern ohne Abonnement».
Zusatzgerät erforderlich, auch wenn man es nicht braucht
Der Settop-Box-Ärger hat in der Schweiz leider eine lange Tradition. Noch vor eineinhalb Jahren hatte sich die Ständeratskommission für die freie Wahl dieser Hardware ausgesprochen. Jetzt soll das entsprechende Bundesgesetz doch nicht geändert werden. Das heisst: Nutzern von digitalem Fernsehen wird auch künftig das Empfangsgerät ihres Kabelnetzbetreibers aufgezwungen – obwohl einige Fernseher solche für den Empfang von digitalen Programmen gar nicht benötigen.
Den Konsumentenschützern ist jetzt der Kragen geplatzt: Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) ruft alle unzufriedenen Konsumenten auf, ein Kontaktformular zu nutzen, um ihren Unmut über die Kabelnetzbetreiber und den Entscheid der ständerätlichen Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen zu äussern.
Der Traum wird immer ein Traum bleiben
Können Fernsehgeräte irgendwann alles empfangen, ohne dass man irgendwelches Zubehör anschliessen muss? Dieser Traum wird laut Albrecht Gasteiner wahrscheinlich immer ein Traum bleiben.
«Die verschiedenen Bezugswege Satellit, Kabelnetz und Internet verlangen nach unterschiedlichen Empfangstechniken, überall gibt es urheberrechtliche Einschränkungen und die Programmanbieter setzen für ihre Geschäftsmodelle eine Vielzahl unterschiedlichster Verschlüsselungsverfahren ein. Wollte man Fernsehgeräte für all diese Eventualitäten tauglich machen, würden sie prohibitiv verteuert. Jeder Käufer müsste eine riesige Palette technischer Möglichkeiten bezahlen, obwohl er selbst nur eine einzige der denkbaren Kombinationen braucht.»
Immerhin kann sich Gasteiner eine Fernsehwelt ohne Set-Top-Boxen vorstellen: «In vielen Fällen bringt ein «CI+»-Modul Erlösung und vielleicht schafft die Industrie es eines Tages, Set-Top-Boxen in Taschenbuchgrösse herzustellen, die man mit einem Griff in ein entsprechendes Fach im Fernseher schiebt - und die damit zu einem integrierenden Teil des Fernsehgerätes werden.»
Wie geht es Ihnen? Was nervt Sie am meisten am Digital-TV? Schreiben Sie uns! (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.11.2010, 12:07 Uhr
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47 Kommentare
Die Set-Top-Box von Cablecom hat einen derart lahmen Teletext,dass es fast zum Verzweifeln ist,bis in einem mehrseitigen Text unter der gleichen Nummer endlich die nächste Seite angezeigt wird.Auch kann man dann die Seite nicht weiterschalten,wie beim Analog TV.Dass die Zeitansage,die Uhr vor der Tagesschau und die eingebaute Uhr immer etwa 2 bis 3 Sekunden nachhinkt ist leider technisch bedingt. Antworten
Es gibt Software für Internetfernsehen. Es gibt auch DVB-S und DVB-T, beides geht mit frei wählbaren Settopboxen oder mit USB-Adaptern am Computer. Die Wünsche des Autors kann er sich noch heute erfüllen, Swisscom-TV und Cablecom braucht er dafür nicht, kann sich also dort abmelden und sogar noch sparen. Antworten
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