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Die Zukunft des Fernsehens
Interview: Anatol Heib, Las Vegas. Aktualisiert am 13.01.2012 32 Kommentare
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Der Videostreamingdienst Netflix zählt in den USA 20 Millionen Mitglieder. Für 7.99 Dollar pro Monat haben Nutzer vollen Zugriff auf das Angebot an Filmen, Serien oder Dokumentationen. Das Unternehmen kauft bei Studios und Fernsehanstalten die entsprechenden Rechte ein. Gestreamt werden kann mit Computern, Spielkonsole, Tablets, Smartphones oder Smart TV. Seit dieser Woche ist Netflix auch in Grossbritannien verfügbar. Wir sprachen in Las Vegas mit Steve Swasey, Vice President Corporate Communications, über das Angebot.
An der CES ist Smart TV das Schlagwort, also Apps und Web-Zugriff via Fernseher. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
Smart TV verändert die Art, wie wir fernsehen. Es zeigt, dass das Internet beim TV-Konsum eine immer wichtigere Rolle spielt. Viele Konsumenten wollen mit einem Klick den Film oder die bevorzugte Serie starten und nicht mehr vom Fernsehprogramm abhängig sein.
Dafür braucht es aber keinen Smart TV.
Als wir 2007 mit Streaming begonnen haben, wurden die Inhalte tatsächlich vor allem am PC konsumiert. Doch mit den neuen Fernsehern ist dies eben nun auch bequem am grossen TV im Wohnzimmer möglich. Ob TV, Smartphone oder Tablet – auf welchen Geräten gestreamt wird, spielt für uns letztlich keine Rolle.
Bei Netflix findet man viele Filme oder Serien, die bereits im TV ausgestrahlt worden sind. Warum mangelt es an aktuellen Produktionen?
Einerseits sind die Lizenzkosten dafür sehr hoch, andererseits sind wir der Meinung, dass die Leute eben brandneue Serien nicht unbedingt bei uns schauen müssen. Wir fokussieren uns bewusst auf einen Back-Katalog. Nehmen wir Mad Men oder Lost. Beide Serien sind bei uns sehr erfolgreich, obwohl sie schon lange produziert worden sind. Der Nutzer kann bei Netflix nur eine Folge starten oder gleich fünf nacheinander. Das ist der Clou.
Netflix ist kein Echtzeit-Fernsehen. Bei uns finden Sie auch keine Live-Sportinhalte oder Nachrichten, das ist Sache der TV-Sender. Wir bieten dafür eine grosse Auswahl an Independent-Filmen von über 120 Studios an. Für die ist es eine grosse Chance, da ihre Werke bisher fast inexistent waren. Gerade diese Filme kommen bei den Netflix-Usern gut an. Und schliesslich haben wir auch keine Werbung – weder in den Streaming-Inhalten noch auf unserer Website.
Filmstudios und TV-Sender waren in der Vergangenheit wegen der illegalen Verbreitung von Filmen bei Internetangeboten lange zurückhaltend.
Gerade legale Streamingdienste können eine Antwort auf die Piraterie sein. Der Kunde erhält für einen niedrigen Pauschalpreis legal Zugriff auf eine Film-Bibliothek. Die Qualität stimmt und mit einem Klick startet der Film. Das sieht es bei den illegalen Tauschbörsen meist ganz anders aus. Die Leute bevorzugen den legalen Weg, wenn sie die Möglichkeit haben und es einfach bequem in der Handhabung ist.
Wann werden auf Netflix die meisten Videos gestreamt?
Der Konsum verteilt sich ziemlich gleichmässig auf den ganzen Tag. Klar, am Abend und an den Wochenenden sind die Zugriffszahlen generell höher, weil man da einfach mehr Zeit hat. Im letzten Quartal 2011 wurden bei Netflix in den USA zwei Billionen Stunden Inhalte konsumiert. Wir stellen fest, dass gerade bei den Tablets die Zugriffe stark gestiegen sind.
Sie haben Netflix diese Woche in Grossbritannien und Irland lanciert. Welche Staaten in Europa folgen als nächstes?
Den Atlantik haben wir ja schon mal überquert. Nein, Spass beiseite: Unser Ziel ist es, ein globaler Streamingdienst zu werden. Ob der nächste Standort in Europa oder anderswo sein wird, wird sich zeigen.
In den USA haben Sie das Streamingangebot bereits 2007 lanciert. Weshalb hat es mit dem Europastart so lange gedauert?
Die grosse Herausforderung sind die Rechte an Filmen und Serien, die wir kaufen müssen. Diese sind nur für bestimmte Regionen gültig. Man kann nicht einfach zu einem Filmstudio gehen und sagen, so, diesen Inhalte möchten wir lizenzieren, und zwar gleich weltweit. Ausserdem verzichten wir auch gerne mal auf einen Deal.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.01.2012, 06:46 Uhr
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