Digital
Reto Knobel
Ressortleiter Digital
«Die Konsequenz waren unzufriedene Kunden»
Zur Person
Eric Tveter ist seit 2009 Chef von UPC Cablecom, dem grössten Schweizer Kabelnetzunternehmen. Der 53-jährige US-Amerikaner mit norwegischen Wurzeln ist verheiratet, hat einen 17-jährigen Sohn und lebt in Meilen am Zürichsee.
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UPC Cablecom hat 534'500 Digital-TV-Abonnenten. Knapp eine Million Ihrer Kunden nutzt immer noch analoges Fernsehen. Wann wird Digital TV Standard?
Das dauert nicht mehr sehr lange. Alle Schweizer Kabelnetzbetreiber zusammen haben ja bereits heute mehr als 1 Million Digital-TV-Kunden. Ausserdem wechselt eine steigende Anzahl Schweizer zu Digital TV.
Wie lange wird es dauern, bis niemand mehr Analog-TV nutzt?
Spätestens in zehn Jahren ist analoges TV kein Thema mehr, da sich digitales TV bis dahin durchgesetzt hat.
Eine forsche Prognose.
Ja, aber ich bin jetzt seit über 30 Jahren im Kabelnetz-Geschäft tätig und denke, dass ich während dieser Zeit ein Gespür entwickelt habe, was der TV-Konsument will.
Was will er denn?
Wahrscheinlich mehr, als er gegen aussen zugibt? Als ich in den 90er Jahren in London arbeitete, haben mir die Kunden gesagt: «Ich brauche vier TV-Kanäle, fertig.» Der Appetit kommt mit dem Angebot. Und dieses wächst zurzeit enorm schnell. Heute gäbe es einen Aufstand, wenn man den Konsumenten die Privatsender wegnehmen würde.
Trotzdem kann man auch zu optimistisch sein. Nehmen wir das Beispiel 3D-Fernsehen. Diese Innovation hat sich immer noch nicht zu einem Massenprodukt entwickelt.
Gewisse Neuerungen brauchen vielleicht länger als andere. Aber ich bin überzeugt, dass sich auch 3-D eines Tages etablieren wird.
UPC Cablecom bietet im On-Demand-Menü derzeit gerade einmal zwei 3D-Filme an.
Man darf den Konsumenten einfach nicht überfordern. Zurzeit gewöhnt er sich an das HD-Fernsehen, was in naher Zukunft Standard sein wird. Hier sind wir mitten in der Phase des Durchbruchs – zumal das Schweizer Fernsehen ab Ende Februar 2012 alle Fernsehsender in HD ausstrahlen wird.
A propos Zukunftsprojekt: Mike Fries, Ihr Chef von der UPC-Cablecom-Muttergesellschaft Liberty Global, hat im September die neue Settop-Box Horizon vorgestellt. Wann kommt das Gerät in der Schweiz auf den Markt?
Horizon ist mehr eine Multimedia-Plattform denn eine Settop-Box. Mit ihr wird es erstmals möglich sein, Fernsehgeräte, Computer, Tablets und Smartphones miteinander zu verbinden. Dahinter steckt eine anspruchsvolle Technik. Deshalb prüfen wir Horizon auf Herz und Nieren, bevor wir es an die Konsumenten verkaufen. Die Tests dauern an.
Wie lange noch?
Ein fixes Startdatum kann ich nicht nennen. Noch nicht. Wir planen die Einführung im nächsten Jahr.
Die Swisscom hat vor wenigen Tagen neue Funktionen für Swisscom TV vorgestellt, etwa TV-Apps. Da hat Ihr grösster Konkurrenz Sie wohl auf dem falschen Fuss erwischt?
Ich äussere mich nicht zur Konkurrenz. Ich kann nur sagen, was wir mit Horizon vorhaben: Wir werden internationale als auch nationale und lokale Apps auf den Fernseher bringen. Es soll ganz einfach sein, Fotos, Musik und Filme via WLAN auf allen Geräten zu Hause zu konsumieren. Ich bin überzeugt: Horizon wird die Fernsehwelt verändern.
Und den Konsumenten eine Stange Geld kosten.
Die von Samsung hergestellte Hardware orientiert sich an bisherigen Settop-Box-Preisen von UPC Cablecom.
Keine Angst, dass diese Neueinführung mehr Probleme verursacht, als Nutzen bringt?
Nein, und ich wiederhole mich gerne: Wir wollen unter keinen Umständen ein unfertiges Produkt auf den Markt bringen. Wir haben in den letzten Jahren in unserem Unternehmen vieles zum Positiven hin verändert und unser Image dadurch systematisch verbessert…
…das sagen Sie.
Nein, das sagt der Kunde. Die Zufriedenheitswerte steigen kontinuierlich an. Das liegt daran, dass wir heute den Kunden in den Fokus unseres Handelns stellen. Früher haben wir uns zu stark auf die Technik und zu wenig auf die Umsetzung und den Nutzer konzentriert. Die Konsequenz davon waren unzufriedene Kunden.
Das ist er nicht mehr?
Keine Firma ist perfekt. Jedes Unternehmen kann besser werden. Aber seit 2009, seit ich für UPC Cablecom arbeite, tätigen wir unter anderem jährlich Investitionen in unsere Infrastruktur in der Höhe von 200 Millionen Franken. Die Verbesserungen sind evident. So können wir heute Internetgeschwindigkeiten von 100 Mbit/s und flächendeckend HDTV anbieten. Die Folgen davon: UPC Cablecom hat im dritten Quartal 2011 sowohl mehr Umsatz gemacht als auch deutlich mehr Kunden gewonnen. So schlimm können uns die Kunden also nicht finden (lacht).
Haben Sie es nie bereut, in die Schweiz gezogen zu sein?
Die Schweiz ist ein fantastisches Land. Ich bin in New York aufgewachsen, einer Weltstadt. Aber alles, was ich dort suche, finde ich auch in Zürich.
Das ist nicht Ihr Ernst.
Doch. In Sachen Öffentlicher Verkehr ist Zürich sogar unübertroffen. Ich wohne in Meilen und fahre oft mit der S-Bahn ins Geschäft in der Zürcher Innenstadt. Mein 17-jähriger Sohn, der in Connecticut zur Schule geht, kommt aus dem Staunen nicht heraus, wenn er mich besucht und hier Bahn fährt.
Dann würden Sie in der Schweiz nichts ändern, wenn Sie könnten?
(Überlegt lange) Ich bin ein Gast in der Schweiz, und als solcher steht es mir eigentlich nicht zu, irgendwelche Forderungen zu stellen.
Wir bitten Sie darum.
Die Weltwirtschaft befindet sich in einer gefährlichen Situation, vielleicht könnte die Schweiz ihr Finanzplatzwissen besser in die Weltpolitik einbringen? Aber wahrscheinlich läuft da im Hintergrund schon sehr viel. (Überlegt weiter) Ich fahre gerne Ski, das ist im Moment schwierig. Aber die Politik für den Schneemangel tadeln?
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.12.2011, 10:21 Uhr
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