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Die Gamer als Industriezweig

Von Kristina Läsker. Aktualisiert am 28.04.2012 5 Kommentare

Hamburg ist zur Hochburg der Entwickler von Onlinespielen geworden. Das ist kein Zufall: Die Stadt investiert jedes Jahr 100'000 Euro in die Branche.

150 Firmen entwickeln in Hamburg Online-Spiele: Gamer an einer Messe.

150 Firmen entwickeln in Hamburg Online-Spiele: Gamer an einer Messe.
Bild: Reuters

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Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz ist nicht der Typ, der sich langweilige Sitzungen mit einem Spiel vertreibt. Aber Scholz hat keine Wahl. Manchmal muss er während seiner Arbeitszeit spielen, ob er will oder nicht. Neulich wieder. Da war der Bürgermeister beim Spiele-Entwickler Bigpoint zu Gast und musste Famerama spielen, den Erfolgshit der Firma. Auf einem virtuellen Bauernhof pflanzte er Rüebli, düngte Felder, fütterte Schweine oder machte sich sonst wie nützlich. Manches ist umsonst, für anderes zahlt er Centbeträge. In der Summe rechnen sich die Einnahmen.

«Es funktioniert», lobte Scholz freundlich, als er der vielversprechendsten Branche der Stadt seine Aufwartung macht. Die Onlinespiele-Entwickler haben in der Hansestadt eine Blitzkarriere hingelegt. Nirgendwo sonst in Deutschland drängeln sich die Anbieter so dicht wie in Hamburg. Knapp 150 Firmen entwickeln Spiele, die sich im Internet spielen lassen – auf Computern, Tablets oder Smartphones. Bigpoint gehört mit Innogames und Gamigo zu den Grossen der Branche, daneben gibt es haufenweise Start-ups mit weniger als zehn Mitarbeitern. Seit 2005 hat sich die Zahl der Stellen mehr als vervierfacht, von 800 auf 3500 Festangestellte. Dazu kommen mehr als 500 Freiberufler.

Am Anfang war ein Messestand

Der Aufstieg hat Strategie: «Hamburg war das erste Bundesland, das die Spieleentwickler gefördert hat – und bis heute kümmert sich niemand so intensiv um sie wie die Hansestadt», sagt Stefan Klein vom staatlich finanzierten Förderprojekt Gamecity. Und die Firmen pflichten ihm bei «Die Stadt Hamburg hat viel für Gaming-Unternehmen getan», sagt Bigpoint-Gründer Heiko Hubertz. Und Christian Lohr vom Handy-Spiele-Entwickler Fishlabs sagt, die Rückendeckung durch die Politik helfe, Wagniskapitalgeber zu gewinnen.

Begonnen hat alles mit einem Messestand. Ein paar Gründer brauchten Hilfe: Sie wollten auf der Leipziger Games Convention ausstellen – damals die wichtigste Messe für interaktive Unterhaltung – und konnten sich keinen Auftritt leisten. Gamecity organisierte einen gemeinsamen Stand und machte damit viele Jungunternehmer glücklicher als mit Geld. Das ist bis heute so geblieben. Insgesamt steckt die Stadt jedes Jahr etwa 100'000 Euro in die Branche. Das meiste Geld fliesst in Messestände und in lokale Branchentreffs. «Gute Kontakte sind oft wichtiger als finanzielle Zuschüsse», sagt Organisator Klein.Bestes Beispiel dafür ist Michael Schade. Der Jungunternehmer besass eine kleine Firma, die 3-D-Simulationen für Architekten programmierte. Bei einer Gamecity-Stehparty lernte er vor einigen Jahren den Chef von Exit Games kennen, einem Hersteller von Handyspielen. Resultat: ein erstes 3-D-Spiel für Mobiltelefone. Das kam so gut an, dass er wenige Monate später gemeinsam mit Christian Lohn Fishlabs gründete.

Dichtes Geflecht

Heute beschäftigt die Firma mehr als 50 Mitarbeiter.Die Industrie ist so erfolgreich, dass die Suche nach Personal langsam zum Problem wird. Es scheitert schon an der Ausbildung, passende Studiengänge sind rar. Talentierte Programmierer sind begehrt, auch weil sie in der klassischen Industrie meist mehr verdienen. Auch bei Bigpoint gebe es etliche offene Stellen, sagt Firmenchef Hubertz: «Wir wollen in diesem Jahr mehr als 200 Mitarbeiter einstellen.» Ausserdem gilt Hamburg als traditionell und weniger flippig als Berlin. Viele junge Kreative ziehen lieber in die Hauptstadt. Auch weil es da günstige Wohnungen, billige Büros und Gleichgesinnte gibt.

Wer sich allerdings in Hamburg niedergelassen hat, will nicht mehr weg. Für Bigpoint-Gründer Hubertz kommt ein Umzug nicht infrage. Zu dicht sei hier das Geflecht der Online-Spiele-Entwickler. «Berlin wird vielleicht das Herz der Internet-Industrie, doch die Gaming-Branche bleibt in Hamburg.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.04.2012, 12:46 Uhr

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5 Kommentare

Kurt Weber

28.04.2012, 15:03 Uhr
Melden 8 Empfehlung 0

Auch Schweizer Spitzenleute arbeiten in Hamburg, der Freizügigkeit sei Dank ! Antworten


Simon Harder

28.04.2012, 13:28 Uhr
Melden 5 Empfehlung 0

"Hamburg ist zur Hochburg der Entwickler von Onlinespielen geworden." Das trifft wohl auf eine innerdeutsche Betrachtung zu, aber sicherhlich nicht internationl. Global gesehen sind die IT- und Gamen-Hochburgen in Kalifornien und Asien. Und für Europa ist die Hochburg in Paris, allenfalls Kopenhagen. Antworten



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