Digital

Das grosse Geld im Wohnzimmer

Von Angela Barandun. Aktualisiert am 26.04.2012 34 Kommentare

Die Verbreitung von digitalem TV wächst in der Schweiz rasant. Über zwei Millionen Haushalte haben schon gewechselt. Der Kampf um den Rest ist angelaufen. Es geht um Hunderte von Millionen.

Im Fokus der Telecomfirmen: Haushalte ohne digitales Fernsehen. (Archivbild)

Im Fokus der Telecomfirmen: Haushalte ohne digitales Fernsehen. (Archivbild)
Bild: Keystone

Art der TV-Anschlüsse, in Tausend (Bild: TA-Grafik str / Quelle: Unternehmen/TA)

Art der Digital-TV-Anschlüsse, in Tausend (Bild: TA-Grafik str / Quelle: Unternehmen/TA)

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Nur Tage bevor UPC Cablecom die Verbesserung bekannt geben wollte, stahl ihr die Swisscom (SCMN 430.6 -0.85%) die Show. Sie kündigte bereits vor einer Woche an, dass ihre Fernsehkunden ab Mai deutlich mehr Sender in der besseren HD-Qualität anschauen können.

Sofort zog die Cablecom nach und enthüllte zumindest einen Teil ihrer eigenen Neuigkeiten: Ab Juni gibt es im digitalen Angebot die deutschen Sender Prosieben, Sat 1 und Kabel eins in höherer Auflösung – vorerst «exklusiv», wie die Kabelnetzanbieterin sagt. Gestern lieferte sie den Rest nach: Dutzende neuer Sender im digitalen Angebot, ein Teil davon in HD.

HD-Sender sorgen für Boom

Es ist schon das zweite Mal dieses Jahr, dass sich die TV-Anbieter gegenseitig mit Ankündigungen übertrumpfen wollen und um die Aufmerksamkeit der Kunden buhlen. Das letzte Mal war Ende Januar: Nur Tage bevor Sunrise das erste Fernsehangebot mit eingebauter Zeitmaschine vorstellte, kündigte die Swisscom an, selbst einen derartigen Dienst anzubieten, bei dem man sich den Film vom Vorabend ansehen kann, selbst wenn man ihn nicht aufgenommen hat.

Beide Vorfälle zeigen deutlich, was sich derzeit in diesem Markt abspielt: «Die Zahl der Kunden ohne digitales Fernsehen nimmt rasant ab – umso härter wird der Kampf um die verbleibenden analogen Nutzer», sagt Cablecom-Sprecher Andreas Werz. Ende 2011 schauten bereits über zwei Millionen Haushalte digital fern – ein Viertel mehr als vor einem Jahr. Nicht einmal in jedem dritten Wohnzimmer ist das TV-Signal noch analog. Und gemäss der Cablecom hat sich das Tempo, mit dem die Kunden auf digitale Dienste umsteigen, in den letzten zwei Monaten noch verschärft: «Seit das Schweizer Fernsehen seit Ende Februar in HD-Qualität sendet, ist das Interesse der Kunden stark gestiegen», sagt Matthias Krieb, der für die Produktentwicklung zuständig ist. Sein Chef, Eric Tveter, prophezeite im März gar einen Boom, den man in den Kundenzahlen sehen werde. Noch sind diese allerdings nicht bekannt.

Cablecom baut Terrain aus

Im Kampf gegen die Swisscom, die die Cablecom im digitalen TV überholt hat, versuchen die Kabelnetzanbieter jetzt auch, ihr Terrain zu vergrössern. Die Cablecom hat seit Anfang Jahr drei Kabelnetze von Gemeinden übernommen – in Meyrin GE, Gais AR und Kreuzlingen TG. Damit steigt die Zahl der Kunden auf einen Schlag um über 10'000. In Riehen BS buhlt sie um ein weiteres Kabelnetz mit 10'000 Anschlüssen. Dort entscheidet im Mai das Volk über den Verkauf. Die Cablecom bestätigt die Strategie: «Wir wollen weiter wachsen. Deshalb haben wir in den letzten Monaten unsere Bemühungen verstärkt, Kabelnetze aufzukaufen», so Sprecher Werz.

Auch Quickline, mit 300'000 Kunden bislang schwergewichtig in Bern und Solothurn tätig, ist auf dem Vormarsch. Neu schliesst sich der Kabelnetzanbieter Antesa aus Spreitenbach AG dem Bieler Kabelnetzverbund an, der neben der Gemeinde selbst auch einige Stadtzürcher Genossenschaften mit TV und Internet beliefert.

Es geht um Hunderte Millionen

Der Grund für das Gerangel ist klar: «Die Schweizer Kunden sind treu. Die wechseln den Anbieter nicht so schnell, wenn sie sich mal entschieden haben», sagt der Cablecom-Produktechef Krieb. Das macht es umso wichtiger, die verbleibenden Analog-Kunden zu gewinnen. Zumal nicht nur die Umsätze aus dem TV-Geschäft auf dem Spiel stehen. An jedem Anschluss hängen potenzielle Einnahmen von Hunderten von Franken pro Jahr – obwohl der TV-Dienst selbst meist relativ günstig ist. Allerdings verkauft kein Anbieter das Fernsehangebot allein. TV gibt es immer nur im Bündel – mindestens eine Gebühr für den Anschluss (Cablecom) oder eine Internetverbindung (Swisscom, Sunrise) muss der Kunde zusätzlich bezahlen. Beliebt sind auch Pakete mit TV, Internet und Telefon. Kostenpunkt: um die 130 Franken pro Monat. Insgesamt geht es um ein Marktpotenzial von 500 Millionen bis 1 Milliarde Franken pro Jahr.

Für die Telecomanbieter ist TV Mittel zum Zweck, wie Swisscom-Chef Carsten Schloter jüngst bestätigte. Es diene eher der Kundenbindung und sei nicht besonders profitabel. Den Gewinn mache man mit dem Internetanschluss. Sunrise nimmt sogar eine tiefere Marge beim Internetanschluss in Kauf, um einem Kunden zusätzlich TV bieten zu können. Denn ihr eigenes Netz ist für die Fernsehsignale nicht schnell genug. Will ein Kunde TV, muss Sunrise zurück aufs teurere Swisscom-Netz wechseln. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.04.2012, 08:09 Uhr

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34 Kommentare

Oliver Meier

26.04.2012, 09:22 Uhr
Melden 76 Empfehlung 0

HD nützt auch nichts, wenn das Programm Schrott ist. Antworten


Steven Rüdisühli

26.04.2012, 09:01 Uhr
Melden 39 Empfehlung 0

Und wenn dann die letzten Analog-Kunden auch ein HD-Abo haben, der Markt also gesättigt und die fette Kohle gemacht ist, dürften automatisch im Anschluss danach die Umsätze wieder rückläufig werden, womit uns wieder miese Nachrichten und Gejammere beschert werden!
UND: ob SD oder HD, spielt keine Rolle, der Inhalt ist das was zählt und der ist mehr denn je komplett mies, reine Zeitverschwendung!!
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