«3-D wird das Sahnehäubchen des TV»
Von Roger Zedi. Aktualisiert am 19.04.2010
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Herr Gasteiner, wer ist eigentlich die treibende Kraft hinter 3-D-Fernsehen? Die Kunden ja wohl kaum.
Es war eigentlich nie so, dass Innovationen von der Nachfrage getrieben waren, nicht bei der CD, etwas eher bei der DVD. Bei -3D insofern schon, als dass die Leute die 3-D-Kinos stürmen. Es ist ein alter Menschheitstraum, schon Leonardo da Vinci hat versucht, die Zweidimensionalität der Leinwand zu überwinden. Im 19. Jahrhundert hat dies die Stereofotografie geschafft, später kam der Stereofilm. In der Vergangenheit sind jedoch alle Anläufe an technischen Unzulänglichkeiten gescheitert.
Und was hat sich denn gerade jetzt beim Fernsehen geändert?
So ziemlich alles. Erst jetzt haben die Ingenieure es geschafft, auf einer Blu-Ray- Disc zwei Filme unterzubringen, die parallel ablaufen können. Einen für das linke Auge, einen für das rechte – und beide in High Definition. Und erst jetzt gibt es Bildschirme, die diese zwei Filme zugleich wiedergeben können. Somit ist 3-D nicht einfach eine Qualitätssteigerung, wie es HDTV war, sondern eine Erweiterung, etwas wirklich Neues.
Aber die Leute sind ja noch nicht einmal auf HDTV umgestiegen, schon kommt wieder etwas Neues.
Ja, manche werden skeptisch sein und warten. Andere werden sich gierig drauf stürzen. Das ist nichts Ungewöhnliches bei solchen Neuerungen.
Was bräuchte ich denn konkret, wenn ich zu den Gierigen zählte?
Einen 3-D-tauglichen Fernseher mit den passenden Brillen und einen 3-D-tauglichen Blu-Ray-Player.
Und was müsste ich ausgeben?
Nicht einmal so schrecklich viel. Der Aufpreis gegenüber einem vergleichbaren 2-D-Fernseher dürfte etwa 20 Prozent betragen, inklusive der ziemlich kostbaren Aktivbrillen. Aber Preise ändern sich ja laufend, und mit wachsenden Stückzahlen sinken sie bald einmal.
Welche Standards muss man beachten?
Auf dem Player steht «Blu-Ray 3-D» und auf dem Fernseher «3-D Full-HD». Das Erfreuliche ist: Es gibt erstmals keinen lähmenden Formatstreit, es braucht Sie also nicht zu kümmern.
Welche Filme gibt es denn schon?
Im Laden noch gar keine. Die kommen erst peu à peu, das ist unschön. Den ersten 3-D-Blu-Ray-Playern werden jedoch sicher Filme beigelegt.
Kann man diese neuen Blu-Rays auch in bisherigen Playern abspielen?
Ja. Die Blu-Ray 3-D sind auch in herkömmlichen Blu-Ray-Playern abspielbar, einfach in 2-D.
Wie sieht es denn mit 3-D-Fernsehprogrammen aus? In Europa gibt es keine, in den USA sind sie für 2011 angekündigt worden.
Im deutschen Sprachraum haben Sky, Anixe, Servus-TV und die Cablecom schon 3-D-Programme gezeigt. All diese Aktivitäten haben aber nur Versuchscharakter, denn die gesamte Übertragungskette vom Studio über den Sender bis hin zum Empfänger ist nur für ein Programm ausgelegt. Wenn man auf diesem Weg nun plötzlich zwei Bilder zugleich übertragen will, muss man Tricks anwenden und Kompromisse eingehen.
Welche wären das?
Es stehen verschiedene Methoden zur Wahl, die alle in ihrer Bildqualität der Blu-Ray-Disc unterlegen sind und auf herkömmlichen 2-D-Fernsehgeräten unbrauchbare Bilder liefern. Aus diesem Grund sendet man 3-D-Programme vorerst nur in speziell dafür eingerichteten Spartenkanälen.
Man verliert also die halbe Auflösung gegenüber der Blu-Ray 3-D?
Genau. Wobei man davon erstaunlich wenig merkt, da auch die halbe Full-HD-Auflösung immer noch gut ist.
Wird diese Qualitätseinbusse dereinst entfallen?
Bestimmt. Es gibt Bestrebungen in der European Broadcasting Union, einen neuen Fernsehstandard zu etablieren, der dieselbe Bildqualität in 3-D wie jene der Blu-Ray erlaubt und rückwärtskompatibel sein wird – wie ein Farbbild, dass auf einem Schwarzweiss-TV problemlos angezeigt wird, einfach ohne Farbe. Wie lange das dauert, kann man aber nicht seriös voraussagen, doch dass es kommt, ist sicher.
Doch der Druck auf die Fernsehanstalten, bald 3-D anzubieten, ist jedenfalls kleiner als bei HDTV.
Sicherlich. 3-D ist ja nicht etwas, das man jeden Tag und für alle Sendungen unbedingt haben muss. Es ist vielmehr das Sahnehäubchen, das man sich für bestimmte Filme oder Sportveranstaltungen gönnt.
Oft läuft der Fernseher ja im Hintergrund, dafür braucht es kein 3-D, dafür will man keine Brille tragen.
Nein, da drängt es sich nicht auf. 3-D ist vergleichbar mit Surround-Sound, den brauchen Sie auch nicht immer. Aber für ein tolles Konzert lohnt es sich, und für spannende Filme und Sportereignisse lohnt sich zusätzlich 3-D.
Im Kino hat 3-D einigen Leuten Kopfweh bereitet. Wird das am TV besser sein?
3-D ist faszinierender, intensiver und somit vorerst anstrengender. Vor allem, wenn die Zuschauer mit zu viel Effekthascherei überfahren werden. Immerhin lernen die Regisseure langsam, wie man 3-D ästhetisch richtig dosiert. «Avatar» hat das schon recht gut gemacht. Und ausserdem: Für Kopfweh braucht es kein 3-D. Es gibt es massenhaft Filme, von denen mir schlecht wird – ganz ohne 3-D.
Mit Albrecht Gasteiner sprach Roger Zedi
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Erstellt: 18.04.2010, 23:42 Uhr





















