iPhone 3G S: Der grosse Test
Von Roger Zedi. Aktualisiert am 18.06.2009 31 Kommentare
Das Erste, was man am neuen Mobiltelefon von Apple bemerkt, ist, dass man gar nichts bemerkt: Es sieht exakt wie sein knapp einjähriger Vorgänger aus. Selbst das dem Namen angefügte «S» sucht man vergeblich auf dem Gerät, die Aufschrift auf der Rückseite heisst weiterhin schlicht «iPhone». Apple mag damit eine wahrscheinlich nicht unwesentliche Kundengruppe vergraulen: Jene, die grossen Wert darauf legen, dass jeder mitbekommt, dass sie das Allerneuste haben. Alle anderen freuen sich aber darüber, dass eine ganze Reihe von bestehenden Hüllen und anderem Zubehör aktuell bleibt.
Neue Beschichtung
Äusserlich neu ist einzig die Beschichtung des Touchscreens, die tatsächlich etwas stärker fettabweisend ist als die bisherige sowie ein leicht verbesserter Stumm-Schalter, der sich in der Hosentasche weniger «von selbst» auf stumm schaltet.
Im Inneren des Geräts hat sich mehr getan. Wichtigste Neuerung ist ein leistungsfähigerer Chip, der den alltäglichen Umgang mit dem Gerät noch flinker, noch flüssiger macht und darüber hinaus ein paar neue Software-Tricks ermöglicht, von denen unter anderem die verbesserte Kamera profitiert. Das erwähnte «S» im Namen steht berechtigterweise für mehr «Speed».
Der gefühlte Tempogewinn lässt sich schwer beschreiben, er muss vielmehr eigenhändig erfahren werden. Schon nach zwei Tagen hat man sich derart daran gewöhnt, dass das bisherige iPhone 3G plötzlich träge wirkt. Nicht schneller, sondern zum Glück etwas langsamer entlädt sich übrigens die Batterie.
Kompasstrick vereinfacht Orientierung
Eine andere Neuheit, die man erst schätzt, wenn man sie in Aktion erlebt hat, ist der integrierte Kompass. Wer hat den je auf seinem Handy vermisst? Wozu in aller Welt könnte man den je brauchen? Die Antwort findet jeder rasch, der sich mit dem iPhone durch eine fremde Gegend lotst. Das iPhone 3G S zeigt einem nicht nur, wo man ist, sondern es dreht die aktuelle Google-Map auf Wunsch so, dass oben auf der Karte nicht einfach Norden ist, sondern jener Richtung entspricht, in die man blickt, respektive das Gerät zeigt (siehe Video). Dieser unscheinbare Trick vereinfacht die Orientierung enorm.
Als neuer Name wäre auch «iPhone Video» denkbar gewesen, denn unter den weiteren Neuerungen sticht die Kamera heraus. Mit 3 Megapixeln zählt sie zwar bloss zum Mittelfeld unter den Handykameras, doch die Software holt genug aus den Bilddaten heraus, dass gute Handyfotos entstehen, die den Vergleich mit der Konkurrenz weniger zu scheuen brauchen. Positiv fallen Makromodus (bis 10 cm) und Autofokus auf, per Fingertipp auf den Bildschirm legt man fest, wo genau das Foto scharf sein soll.
Das neue iPhone nimmt zudem ordentliche Videos auf (in VGA-Auflösung mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde). Diese lassen sich direkt auf dem Gerät trimmen; dabei wählt man kinderleicht jenen Ausschnitt, den man behalten möchte (der Rest wird gelöscht). Das ist praktisch, wenn man das Video versenden möchte (per E-Mail oder MMS) oder es direkt auf Youtube hochlädt.
Nicht ins, sondern mit dem Gerät sprechen
Zum Zug kommen auch jene, die schon immer gerne nicht nur ins, sondern mit dem Telefon sprechen wollten. Elegant an Apples Lösung ist, dass man das Gerät nicht zu trainieren braucht, es erkennt von selbst Namen, die in den Kontakten gespeichert sind. «Ruf Peter Muster» spricht man etwa ins Telefon, nachdem man die Voice-Funktion aktiviert hat (lange auf die Haupttaste drücken). Eine Stimme fragt: «Mobil oder Büro?», man spricht die gewünschte Option hinein, und die passende Nummer wird gewählt. Diese Voice-Steuerung gibt es auch für den iPod-Teil des Geräts. Sie funktioniert in ruhiger Umgebung passabel, schon bei leisen Hintergrundgeräuschen ist manuell wählen aber einiges zielsicherer. Und das ist auch besser so - nicht auszudenken, wenn plötzlich alle im Tram oder Zug derart auf ihre Handys einreden würden.
Etwas für Früh- und Späteinsteiger
Unter dem Strich bietet das neue iPhone 3G S eine Reihe von kleinen Neuerungen, die zusammen genommen eine grosse Wirkung erzielen. Attraktiv ist es dennoch primär für Früh- sowie für Späteinsteiger. Erstere sind jene, die noch die zwei Jahre alte Version des iPhones haben (rund 40'000 Leute in der Schweiz). Letztere sind jene, die bisher zugewartet haben. Wer hingegen vor einem Jahr zugeschlagen hat (geschätzt über 300'000 Kunden), ist höchstwahrscheinlich noch für ein weiteres Jahr an sein aktuelles Abo gebunden, ein neues Gerät wäre also kostspielig. Kleiner Trost: Es gibt bestimmt auch 2010 wieder ein paar neue Tricks aus dem Hause Apple. Und immerhin müssen wir in der «alten Welt» nicht mehr ein Jahr und mehr auf Neuheiten warten, wie noch beim ersten iPhone - das neue iPhone 3G S startet am Freitag weltweit.
iPhone 3GS, in Schwarz und Weiss, mit 16 oder 32 GB Speicher, ab Freitag bei Swisscom (16 GB mit Abo ab 99 Franken) und Orange (16 GB mit Abo ab 29 Franken) erhältlich. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.06.2009, 12:52 Uhr
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31 Kommentare
Eine einzige zentrale Frage, ohne die es kein neues iPhone gibt: Haben sie die Autokorrektur bei der Tastatursoftware endlich verbessert? (Nicht: "Kann man die Autokorrektur abschalten?", liebe Macfanboys, sondern "Wurde sie verbessert?"). D.h. lernt sie nun endlich die Wörter, die ich für richtig halte und schlägt mir nicht nach 100 Mal fürs gleiche Wort immer noch die falsche Korrektur vor? Antworten
@Markus Stefan Knittel Aha, 50'000 zusätzliche Programme!? Sind da nicht ein paar unütze Dinge darunter? Habe auch nicht gewusst das der Speicher vom iPhone soooo GROSS ist ;-) Nimmt man die Dinge welche man wirklich oft benötigt, kann das iPhoe nicht mehr als jedes ander xyPhone. Antworten
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