Die vier grossen Ärgernisse des iPhone
Von Reto Knobel. Aktualisiert am 20.07.2010 78 Kommentare
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In China angekommen
Wenige Tage nach dem internationalen Verkaufsstart in Deutschland und vier weiteren Ländern ist das neue iPhone auch auf dem grauen Markt in China im Angebot. Die privat importierten Handys des US-Computerbauers Apple sind in Elektronikläden und Luxushotels für 17'000 Yuan (2025 Euro) zu haben, wie die Zeitung «China Daily» am Dienstag berichtete.
Offiziell wird das iPhone 4 in China voraussichtlich frühestens in einem halben Jahr zu haben sein. Der graue Markt für Apple-Produkte ist in der Volksrepublik allerdings stark entwickelt, da viele Geräte dort erst sehr spät offiziell verkauft werden. Der Exklusivpartner von Apple in China, der Mobilfunker China Unicom, etwa bot erstmals im Oktober 2009 das iPhone an - mehr als zwei Jahre nach dem Start des ersten Modells in den USA.
Derzeit ist China Unicom aber nach eigenen Angaben in Verhandlungen mit Apple über den Vertrieb des iPhone 4 und des ebenfalls mit Furore gestarteten Tablet-PCs iPad. (AFP)
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Egal, was Apple (AAPL 562.29 -0.54%) auf den Markt wirft – es findet reissenden Absatz. Das erste iPhone, 2007 erschienen, wurde in 75 Tagen eine Million mal verkauft – damals ein völlig unerwarteter Durchbruch, hatte der Computerhersteller bis dahin doch keine Erfahrung in der Telecombranche.
Im Vergleich zu den Verkaufszahlen des neuen Smartphones ist das iPhone 2G indes fast ein Misserfolg. Apple verkaufte in nur drei Tagen 1,7 Millionen iPhone-4-Modelle. Das iPhone 4 sei damit «das erfolgreichste Produkt in der Geschichte des Unternehmens», erklärte Apple-Chef Steve Jobs. Gleichzeitig entschuldigte er sich bei all den Kunden, die auf ein iPhone warten müssen.
Doch auch beim gemessen am Börsenwert wertvollsten IT-Unternehmen der Welt ist nicht alles Gold, was glänzt. In Blogs, Testberichten, Behördenmitteilungen und Lesermails an Redaktionen lassen Nutzer, Politiker und Datenschützer derzeit gehörig Dampf ab. Welches sind die Probleme?
Vorwurf Nummer 1: Apple wandelt sich zur Datenkrake
Am Wochenende geschah bislang fast Unvorstellbares: Die Politik fährt dem einstigen IT-Vorzeigeunternehmen an den Karren. Die deutsche Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger forderte Apple auf «unverzüglich offenzulegen», welche Daten das Unternehmen erfasst, wie lange sie gespeichert und wofür sie verwendet werden – Worte, die eindeutig belegen, in welches Fahrwasser Cupertino geraten ist, seit Apple mit dem Erscheinen der neuen Betriebssystemversion iOS 4 die Datenschutzbestimmungen für das iPhone geändert hat (DerBund.ch/Newsnet berichtete). Bisher konzentrierte sich alle Kritik fast ausschliesslich auf Google.
Der Konzern entgegnet zwar, dass er die Daten anonymisiert. Doch im Gespräch mit DerBund.ch/Newsnet weist ein ungenannt sein wollender Schweizer Datenschützer darauf hin, dass dies nicht mehr als eine Absichtserklärung darstellt und auch aus solchen Informationen Profile entstehen, mit denen das Unternehmen leicht einzelne Nutzer identifizieren kann.
Der deutsche Konsumentenpolitiker Erik Schweickert droht denn auch bereits, Unternehmen wie Apple müssten einen «verbraucher- und datenschutzrechtlichen Ehrenkodex» unterschreiben. Ansonsten führe kein Weg an einer gesetzlichen Regelung vorbei.
Vorwurf Nummer 2: Neues Betriebssystem untauglich für ältere Modelle
Viele Nutzer – auch auf der DerBund.ch/Newsnet-Redaktion – haben mit dem vielgepriesenen iOS 4 ihre liebe Mühe. Wer auf der Version 3G das Update durchführt, riskiert Apps und (viel schlimmer) Fotos auf dem iPhone zu verlieren und an Geschwindigkeit einzubüssen – wenn das Update überhaupt funktioniert: Berichte über Systemabbrüche nach stundenlanger Synchronisation und Backup häufen sich.
Offiziell schweigt das Unternehmen, Hilfe kommt nur von der Apple-Basis: Die Hotline rät, bei iOS 4 vor der Aktualisierung alle Fotos auf den Computer zu übertragen und die Bilder danach auf dem Smartphone zu löschen, alle Sicherheitsprogramme auf dem Rechner temporär zu deaktivieren (!) und erst danach das Update durchzuführen. Leider kann auch diese Anleitung nicht verhindern, dass das iOS-4-getunte Gerät mit Verzögerung auf Befehle reagiert und einige Apps träge funktionieren.
Natürlich braucht dies Neukunden nicht zu kümmern. Auf dem iPhone 4 ist iOS 4 vorinstalliert. Aber wer ein iPhone-Pionier ist und das Gerät der allerersten Generation besitzt, kann mit dem neuen Apple-Betriebssystem iOS 4 nichts anfangen (immerhin hat das Apple schon im Vorfeld angekündigt). Es macht wirklich den Anschein, als ob dies auch für das iPhone 3G gilt.
Vorwurf Nummer 3: Zu teuer
In der Schweiz ist das iPhone 4 noch nicht erhältlich. Wie sieht es im Nachbarland Deutschland aus? Im billigsten Telecom-Tarif (Complete XS) kostet das Gerät mit 16 Gigabyte Speicher umgerechnet 400 Franken. Rechnet man die Kosten für einen Zweijahresvertrag hinzu, ist man schon bei 1200 Franken. Realistischer für regelmässige Internetsurfer ist jedoch der Tarif Complete L mit einem monatlichen Datenvolumen von einem Gigabyte. Wer diesen Tarif nutzt und ein neues Gerät für 130 Franken kauft, ist nach zwei Jahren bei mehr als 2000 Franken. Dies alles für ein Gerät, mit welchem die Nutzer offenkundig nicht richtig telefonieren können.
Vorwurf Nummer 4: Apple nimmt die Nutzer nicht für voll
Wie reagiert Apple auf die Probleme? Der für seine extrem zurückhaltende Kommunikation bekannte Konzern zeigt sich für einmal geradezu auskunftsfreudig – und macht damit alles noch schlimmer. Gegenüber der Nachrichtenagentur dapd wies Apple-Sprecherin Natalie Kerris darauf hin, dass es auch bei anderen Geräten solche Empfangsprobleme gebe (Steve Jobs betonte zuerst, es gebe «kein Empfangsproblem»).
Kerris empfiehlt, das iPhone so zu halten, dass die schwarzen Linien nicht abgedeckt werden. Oder man solle eine Schutzhülle benutzen, wie sie Apple für 29 Dollar anbiete. Mit anderen Worten: Die Kunden sollen das Problem gefälligst selbst beheben und dafür aufkommen.
In einem Mail an einen verärgerten Nutzer soll Steve Jobs geantwortet haben: «Vermeiden Sie einfach, es so zu halten.» Also wieder: Eigentlich gibt es für Apple kein Problem. Was nun?
Auch in der Datenschutzfrage gibt Jobs eine schlechte Figur ab. Es ist erst wenige Woche her, seit der Unternehmenschef sich mit den Worten «Lass die Nutzer genau wissen, was Du mit ihren Daten tun wirst» von der Konkurrenz abheben wollte. In Tat und Wahrheit ist Apple drauf und dran, Googles Negativimage als Datenkrake den Rang abzulaufen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.06.2010, 11:51 Uhr
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