Die Liste der Problem-Apps

Von Anatol Heib. Aktualisiert am 11.01.2010

Zwei Websites führen inzwischen Buch darüber, welche iPhone-Programme aus welchen Gründen Probleme bekommen haben.

1/19 Kein Spass mit Obama
Die App, mit der man US-Präsident Barack Obama auf einem Trampolin bewegt, fanden Apples Zensoren im Februar 2009 gar nicht witzig. Die Türen blieben für die Satire-App geschlossen.

   

Apple (AAPL 562.29 -0.54%) prüft eingereichte Mini-Programme fürs iPhone auf die Technik, vor allem aber auch auf den Inhalt. Bis heute sorgen die Zulassungsentscheide der Kontrolleure für Verwunderung. Inzwischen listen Websites wie Apprejections.com oder Borzedo.org, was Entwickler dabei so alles erleben.

Trotz mehrerer Erklärungsversuche über die Arbeitsweise der so genannten «Reviewer» bei Apple gilt das Verfahren bis heute nicht als transparent – das Unternehmen veröffentlicht die genauen Richtlinien nicht. Kritiker sprechen gar von Zensur.

So schafften es beispielsweise trotz offenbar rigoroser Kontrollen in der Vergangenheit Anwendungen wie das geschmacklose «Baby Shaker» oder das E-Book «Mein Kampf» vorübergehend in den Shop. Erst auf öffentlichen Druck verschwanden sie wieder aus dem Store. Andere Fälle zeigen, dass Entwickler bereits scheitern, weil den Zensoren das Logo nicht passt oder Sprechblasen zu sehr jener der iPhone-SMS gleichen. Jüngst traf es Microsofts Suchmaschinen-App Bing, weil man mit dieser pornografische Inhalte finden konnte. Andererseits findet man im App Store unzählige Inhalte mit leicht bekleideten Damen. Gar politisch wirkt der Entscheid der Dalai-Lama-Anwendungen, die im Januar aus dem China-Store verschwanden.

Beispiele wie jener der Politiker-App Bobble Rep oder des Ebook-Readers Eucalyptus zeigen, dass Entwickler auch einen gewissen Druck ausüben können. Nachdem sie ihre Fälle in Blogs publik machten, wurde der Ablehungsentscheid von Apple auf wundersame Weise korrigiert.

Fotos in «Bild»-App entschärft

In Deutschland sorgte zuletzt die News-App von «Bild» für Gesprächsstoff. Abonnenten können mit ihr ab 22 Uhr die Ausgabe des folgenden Tages im PDF-Format aufs iPhone laden. Der Vergleich mit der gedruckten Ausgabe zeigt jedoch laut Heise.de, dass Nacktofots und Sex-Anzeigen mit Überblendungen entschärft wurden. Wegen der fehlenden Transparenz ist es für Nutzer schwierig zu erkennen, ob Apple nur Schmuddelbilder aus dem Verkehr ziehen will oder vermeintlich anstössige Inhalte, wie immer wieder kritisiert wird.

Redaktion entscheidet

Generell dürften sich die Kontrolleure in der Zentrale in Cupertino an den Massstäben orientieren, die in den USA gelten. Das Entschärfen gehört zum normalen Produktionsprozess, um einer Sperre zu entgehen. Im Falle der «Bild»-App entscheidet aber die Redaktionsleitung, welche Bilder im Zweifel geblitzt werden müssen. «Die Regeln richten sich zum einen nach den Vorgaben von Apple, zum anderen nach dem gesunden Menschenverstand und der Einschätzung, welche Nacktdarstellungen in anderen Ländern und Kulturkreisen eventuell anstössig sein könnten», sagt der stellvertretende Chefredakteur Michael Paustian gegenüber Heise.de.

Michael Konken, Vorsitzender des deutschen Journalisten-Verbandes, findet die Prüfung der «Bild»-App heikel: «Da wird in die Berichterstattung eingegriffen, das darf nicht sein. Das kann man sogar als Zensur bezeichnen», zitiert ihn Heise.de. «Der Provider ist nur der Lkw, der die Ladung transportiert, er darf nicht die Fracht bestimmen.»

Der Berliner Medienwissenschaftler Norbert Bolz hat Verständnis für den Apple Konzern. Es sei mehrfach vorgekommen, dass Provider in kritischen Fällen für Darstellungen auf ihrer Plattform zur Verantwortung gezogen wurden. Es handle sich daher handelt eine Vorsichtsmassnahme aus juristischen Gründen. Allerdings sieht er auch die Gefahr, dass Journalisten bei iPhone-Inhalten eine Schere im Kopf verinnerlichen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.01.2010, 12:07 Uhr

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