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Die Finger gehören auf die Fotos
Von Roger Zedi. Aktualisiert am 19.03.2012
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Eine oft unterschätzte «Waffe» im Kampf der Argumente, ob man sich für einen Windows-PC oder einen Mac entscheidet, sind die iLife-Programme, die Apple (AAPL 440.58 0.21%) kostenlos jedem Computer beilegt. Damit lassen sich Fotos bearbeiten, Videos schneiden oder Songs komponieren und aufnehmen. Während die Konkurrenz nichts oder Minimal-Software mitliefert, investiert Cupertino jährlich Millionen in die Pflege von iLife. Da holt man auch mal das London Symphony Orchestra oder engagiert Hollywood-Komponist Hans Zimmer für Musikvorlagen, mit denen anschliessend jeder seine Ferienfilmchen unterlegen kann.
Seit vergangener Woche liegen nun iMovie, Garageband und iPhoto allesamt auch für iPad und iPhone vor. Hier sind die Programme zwar nicht gratis (sie kosten je 5 Franken im App Store), sie erfüllen aber dieselbe Funktion: Sie demonstrieren unentschlossenen Käufern, was man mit den Geräten alles anstellen kann. Dies nicht zuletzt in den eigenen Läden.
Besser als auf dem Mac
Lange auf sich warten lassen hat iPhoto, eigentlich unverständlich, denn viel mehr Leute fotografieren, als dass sie Videos bearbeiten oder Songs komponieren. Zwischenzeitlich gibt es bereits gute Bildbearbeitungssoftware für die iOS-Plattform, etwa Photoshop Express von Adobe oder das einfache, aber brauchbare Pixlr-o-matic von Autodesk. Apples späte App stellt diese jedoch alle in den Schatten. Nicht nur das. Sie übertrifft in manchem sogar iPhoto für Mac.
Das liegt daran, dass iPhoto für iOS nicht einfach ein Abbild der Mac-Software ist, sondern eine eigenständige, radikal auf den Touchscreen zugeschnittene Version. Bilder mit dem Finger zu bearbeiten, ist direkter, intuitiver und fühlt sich «natürlicher» an als mit der Maus. Die Zeiten, als man Fotos möglichst nicht mit den Fingern «aatäple» durfte, sind endgültig vorbei, heute gehören die Finger auf die Fotos.Allerdings, auch das muss gesagt sein, arbeiten die Finger nicht immer gleich präzise wie die Hand an der Maus. Und selbst Apple hat es nicht geschafft, alle Funktionen wirklich einfach zugänglich zu machen, einige sind leider gut versteckt und in Untermenüs verschachtelt. Immerhin gibt es aber eine äusserst ausführliche und ansprechende Hilfe-Funktion im Post-it-Look, die jedes Detail erklärt.
Importieren und ordnen
Primär ist die App für jene Bilder gedacht, die man direkt mit dem iPhone oder iPad schiesst. Als praktisch erweist sich der kostenlose iCloud-Dienst Photostream, der dafür sorgt, dass alle Fotos auf alle eigenen Geräte gelangen. Weitere Bilder kann man mit dem USB-Zusatzstecker direkt ab jeder gängigen Kamera importieren.
Für anspruchsvolle Knipser, die gerne mit Spiegelreflexkamera und im RAW-Format arbeiten, ist die iOS-App allerdings eine schlechte Wahl. RAW-Fotos lassen sich zwar importieren (bis zu 19 MB gross darf jedes sein), doch die Bearbeitung passiert zwingend im JPEG-Format, ist also mit Qualitätseinbussen verbunden. Aperture oder Lightroom am Mac werden doch noch nicht überflüssig.
Als Fotoalbum übertrifft iPhoto dafür selbst die mit der Sonnenblume versehene Standard-Foto-App. Man kann sich beispielsweise für jedes Bild anzeigen lassen, wann, wo und mit welcher Kamera es gemacht wurde. Oft hat man von einem Sujet mehrere Bilder geschossen und muss anschliessend das beste darunter auswählen. In iPhoto reicht ein Doppeltipp auf ein Bild, und die App findet selbstständig alle ähnlichen Fotos, was erstaunlich gut funktioniert. Mit wenigen vertikalen Fingerstrichen hat man die suboptimalen bald ausgeschlossen. Das geht am Desktop nicht so flink.
Aufpeppen per Fingerstrich
Die Bearbeitungs-Funktionen umfassen alles, was man im Alltag braucht. Ob automatische Optimierung oder manuelle Änderungen, alles ist möglich. Wer hingegen gerne mit numerischen Werten hantiert, muss dies weiterhin mit einer Desktop-App tun. Dafür lassen sich auch auf dem iPad und iPhone mehrere Bearbeitungsschritte gesamthaft von einem Bild auf weitere anwenden. Und man kann stets zum Originalbild zurückkehren. Die Beschneidungs-Funktion erkennt (meistens, leider nicht immer), ob man die Kamera gerade gehalten hat. Sie bietet an, den Horizont automatisch waagrecht zu machen. Es gibt eine ganze Palette von «Pinseln», mit denen man punktuelle Veränderungen vornehmen kann. Auch «künstlerische» Filter inklusive solcher, die Fotos alt aussehen lassen, sind vorhanden.
Der Fingereinsatz eignet sich besonders gut für Korrekturen von Farbsättigung und Helligkeit. Man tippt und hält einfach an einer Stelle im Bild, die man ändern möchte, und die App bietet einem vier Pfeile an. Mit vertikalen oder horizontalen Bewegungen verändert man anschliessend das ganze Bild oder nur einen Bereich. Die App merkt auch, was man antippt: Hautton im Gesicht, das Blau des Himmels oder das Grün einer Wiese, und manipuliert anschliessend nur jene Bildbereiche. So etwas bietet die Mac-Version von iPhoto nicht.
Der Welt seine Fotos zeigen
Was nützten Fotos, wenn keiner sie anschaut? Damit das nicht passiert, lassen sich Bilder direkt aus iPhoto per Mail versenden, twittern, auf Facebook oder Flickr stellen und, das ist neu, direkt von einem iPhone zum andern «beamen», falls dieses auch iPhoto installiert hat. Die schönste Variante sind jedoch die neuen «Journale», auf deren Raster Fotos frei angeordnet werden, vollautomatisch oder manuell. Ergänzen kann man sie mit dem Datum, dem Wetter oder Karten vom Aufnahmeort, die Infos darüber entnimmt die App den Metadaten der Fotos. Journale lassen sich ebenfalls mit der Welt teilen via iCloud (sie ersetzten iWeb-Fotoalben, die im Sommer abgeschaltet werden).
Zurück auf den Mac gelangen bearbeitete Fotos unter anderem, indem man sie dem Fotostream hinzufügt, der Rest passiert automatisch. Die iPhoto-App kommt auf dem Tablet (ab iPad 2) am besten zur Geltung, doch auch die iPhone-Version ist grundsätzlich brauchbar.
iPhoto für iOS kostet 5 Franken, ab iPhone 4 und iPad 2 (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.03.2012, 09:53 Uhr
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