Digital

Reto Knobel
Ressortleiter Digital


Der Apple-Trick

Aktualisiert am 23.09.2010 16 Kommentare

Produkte, die später als angekündigt erscheinen, können paradoxerweise die Verkaufszahlen steigern. Doch funktioniert, was Apple zelebriert, auch bei Nokia und Sony Ericsson?

1/7 Nokia N8
Es soll ein Befreiungsschlag werden: Nokia lanciert einen iPhone-Konkurrenten mit 12-Megapixel-Kamera inklusive HD-Videofunktion. Das finnische Multimedia-Handy wurde bereits im April vorgestellt, versprochen war ein Starttermin im Juni und dann im September. Auch dieser kann nicht eingehalten werden. Das Unternehmen hat offiziell bestätigt, dass das N8 erst ab Oktober erhältlich sein wird.
Bild: Reuters

   

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Die fünf Hauptprobleme des finnischen Handyherstellers.

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Nokias (NOK 2.75 -0.90%) neues Multimedia-Handy wurde vor fünf Monaten gezeigt, im September hätte es erhältlich sein sollen. Dieser Tage musste der finnische Konzern allerdings zurückkrebsen. Das erste Handy mit Nokias neuem Betriebssystem Symbian 3 kommt gemäss offiziellen Angaben erst nächsten Monat in den Verkauf. Andere Quellen sprechen sogar von einer noch späteren Lancierung im November. Die Verwirrung ist komplett.

Wie künstliche Verknappung funktioniert

Der skandinavische Handykonzern gerät damit in Verdacht, eine Marketingstrategie von Apple (AAPL 343.005 0.64%) zu kopieren (was dieses Unternehmen nie bestätigen würde): Man kündigt ein «revolutionäres Produkt» an, lässt die Medien ein paar Tage oder Wochen über Details und Funktionen spekulieren und schiebt, wenn der Hype abklingt, mit einer weiteren Mitteilung ein Bricket nach: In den Mitteilungen im entsprechenden Firmenblog oder Communiqué ist dann etwa von Lieferengpässen aufgrund grosser Nachfrage (Apple) oder spät vorgenommener Verbesserungen (Nokia) die Rede.

Die Folgen sind in beiden Fällen dieselben: Die Kundinnen und Kunden bekommen die entsprechenden Geräte später als angekündigt. Zwar ist nicht auszuschliessen, dass die von den Unternehmen vorgeschobenen Begründungen zutreffen, doch vor allem beim Beispiel Apple sind Marketingexperten überzeugt, dass hier ein alter Verkaufstrick angewendet wird: Um mehr Menschen zum Kauf zu bewegen wird eine Knappheit vorgegaukelt um potenziellen Kunden zum schnellen Kauf zu zwingen. Das nennt sich «Prinzip der künstlichen Verknappung/Verzögerung» und funktioniert beim iPhone- und iPad-Produzenten bislang sehr gut.

Wenn der Schuss nach hinten losgeht

Tut es dies auch bei der Konkurrenz? Experten sind skeptisch. Für die Analysten der FIM Bank etwa ist Nokias Verzögerung sehr problematisch. Ein einzelnes Gerät habe im Normalfall keine extremen Auswirkungen auf den Geschäftsgang eines Unternehmens, das N8 habe für Nokia aber grosse Bedeutung, heisst es in einem Bericht der Agentur Reuters. Sie beurteilen die aktuellen Probleme als weiteren Schlag für Nokias angekratztes Image.

Vom «Verdacht der künstlichen Verzögerung» sind zwei Gadgets aus Europa ausgenommen, deren Einführung ebenfalls mehrfach verschoben wurde: Das Wetab des Unternehmens Neofonie und Sony Ericssons Smartphone Xperia X2 (siehe auch Bildstrecke oben). Das Chaos rund um den deutschen iPad-Konkurrenten Wetab – darin sind sich Marktbeobachter einig – ist schlichtweg auf Managementfehler zurückzuführen. Und dass Sony Ericsson ernsthaft an einen Erfolg eines Handy mit einem dem Untergang geweihten Betriebssystem (Windows Mobil 6.5) glaubt – eine solche Fehleinschätzung trauen dem japanisch-schwedischen Jointventure nicht mal die schärfsten Kritiker zu. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.09.2010, 14:21 Uhr

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16 Kommentare

Peter Meier

23.09.2010, 19:46 Uhr
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Der Schuss kann ganz schnell nach Hinten losgehen. Viele Produkte sind sich sehr ähnlich - und dann kauft man halt dasjenige, welches im Laden steht und Lieferbar ist, statt sich Woche für Woche vertrösten zu lassen. Dabei entdeckt man vielleicht noch eine neue Marke und bleibt dann der treu. Antworten


Paul Dettling

23.09.2010, 16:52 Uhr
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Bei allen Vorbehalten zu Apple, aber an künstliche Verknappung glaube ich hier nicht. Das iPad ist mittlerweile ab Lager lieferbar, nachdem Apple seit Juli 2 Mio pro Monat (!!) produziert. Und vom iPhone werden sogar 3 Mio pro Monat, also 10'000 jeden Tag produziert. Wenn das künstliche Verknappung sein soll, bei der erstarkenden Konkurrenz macht das erst recht keinen Sinn. Antworten



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