Das Anti-iPad
Von Roger Zedi. Aktualisiert am 21.03.2011 12 Kommentare
Infobox
Das Motorola Xoom mit 32 GB Speicher und WLAN und 3 G (Swisscom, Orange) ist ab ca. Mitte April für 999 Franken bei Digitec.ch erhältlich.
Artikel zum Thema
- Der iPad-Wahnsinn geht weiter
- Neues iPad, alter Preis
- Die vielleicht beste iPad-Alternative
- iPad und Co.: Das müssen Sie wissen
SwissquoteExklusiver Trading-Partner
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Zuallererst fällt auf, dass es ins Gewicht fällt. Das Xoom, Motorolas Tablet-Computer mit Googles Betriebssystem Android, bringt 740 Gramm auf die Waage und liegt schwer in der Hand. Etwas schwerer als das iPad, 40 Gramm, um genau zu sein, das bald erhältliche iPad 2 überwiegt es sogar um deutlich spürbare 140 Gramm.
Ausgereift und rund
Dem Vergleich mit Apples Tablet muss sich das Xoom unausweichlich stellen. Das vor Jahresfrist erschienene iPad hat den Standard in einer neuen Gerätekategorie festgelegt, an dem sich sämtliche Nachfolger messen müssen. Gleichzeitig profitieren diese von Apples Vorarbeit. Denn 2011 fragt niemand mehr: «Wozu bitte braucht man denn überhaupt so ein Ding?» – Das iPad hat diese Frage 15 Millionen Mal vom Tisch gefegt. Nun fragen alle, die einen mit dem Xoom in den Händen erblicken: «Und, ist es besser als das iPad?»
Das Xoom ist das erste Tablet, auf dem die von Google für diese Gerätekategorie optimierte Version 3.0 «Honeycomb» von Android läuft. Motorola ist diesbezüglich von Google wiederholt bevorzugt behandelt worden. Andere Hersteller, die ebenfalls auf Android setzen, müssen dies zähneknirschend hinnehmen. Denn Honeycomb macht das Xoom zum ersten seiner Art, das rundum als Tablet gelten darf. Alles Bisherige aus dem Android-Lager, etwa das Samsung Galaxy, waren eigentlich aufgeblasene Smartphones. Wer sich geduldet hat, darf sich freuen: Android 3.0 wirkt ausgereift und rund.
Besserer Bildschirm
Was nebst dem Gewicht ebenfalls ins Auge fällt, ist der etwas grössere Bildschirm des Xoom (10,1 Zoll, iPad: 9,7 Zoll), der auch eine höhere Auflösung als jener des iPads aufweist. Das zahlt sich vor allem beim Lesen von Text aus, trotzdem ist das Xoom als E-Book-Reader suboptimal, weil schwer. Der Screen hat ausserdem ein Seitenverhältnis von 16:9 (iPad: 3:4), davon profitieren primär Filme. Wie beim iPad spiegelt auch der Bildschirm des Xoom recht stark, subjektiv gesehen sogar noch etwas mehr, was die meiste Zeit nicht stört, aber wenn, dann umso mehr.
Einen physischen Home-Button gibt es am Xoom nicht, dafür unten links auf dem Bildschirm drei Software-Buttons für die Funktionen «Retour», «Home» sowie «Tasks» zum Umschalten zwischen laufenden Apps, die hier als Miniatur-Screens angezeigt werden – ein Vorteil gegenüber dem iPad. Daran gewöhnt man sich sehr rasch, ebenso an den auf der Rückseite des Gerätes angebrachten Knopf, um es aus dem Schlafmodus aufzuwecken. Sehr viel besser als bei iOS gelöst sind zudem die Systembenachrichtigungen. Eingehende Mails etwa werden durch ein kleines Popup unten rechts angezeigt. Via die Leiste lässt sich auch die Musik steuern oder das WLAN flink ein- und ausschalten.
Enttäuschendes Surfen
Das Xoom verfügt über zwei (Video-) Kameras, je eine auf der Vorder- und der Rückseite, sowie einen LED-Blitz. Als eigentliche Kamera ist es allerdings zu sperrig, ausserdem sind die Kameras moderner Smartphones besser. Eine der häufigsten Anwendungen dürfte Video-Chat sein (beispielsweise mit Google Talk oder künftigen Versionen von Skype), und dafür reicht die Qualität allemal. Nur das iPad 2 kann da mithalten, es wird ebenfalls über zwei Kameras verfügen (die qualitativ ähnlich schwach sein sollen), aber keinen Blitz. Klar die Nase vorn hat das iPad hingegen bei der Film-Software. iMovie (Fr. 5.50) ist viel intuitiver und durchdachter als das sperrige Movie Studio auf Android (gratis).
Google liefert den hauseigenen Browser Chrome mit. Das ist eine gute Sache, denn er verfügt über Tabs und synchronisiert automatisch die Lesezeichen mit Chrome auf dem PC. Allerdings – und das ist eine der grössten Überraschungen unseres Tests – wirkt das Surfen auf dem Xoom seltsam steif, der Touchscreen reagiert hierbei schlechter als sonst, das Zoomen per Doppelklick innerhalb von Websites ist ungenau und langsam. Ausserdem gibt es (wie beim iPad) keine Flash-Unterstützung, diese soll aber für Android demnächst folgen. Im direkten Vergleich laufen auf dem iPad trotzdem mehr Web-Videos, etwa die auf «Spiegel online» oder CNN, auf dem Xoom passiert hier enttäuschenderweise gar nichts.
Brauchbarer iTunes-Ersatz
E-Mail läuft hingegen reibungslos, vor allem, wenn man Googles G-Mail nutzt. Andere Konti lassen sich ebenfalls einrichten, allerdings ist der Aufwand dabei etwas grösser.
Was Musik und Filme angeht, so kann in Sachen Eleganz und Einfachheit niemand Apples iTunes das Wasser reichen. Als brauchbarer iTunes-Ersatz auf dem Xoom hat sich dennoch die App Doubletwist erwiesen. Damit lassen sich Musik, Podcasts, Filme und Fotos vom PC via USB auf das Xoom laden (mit der kostenpflichtigen Pro-Version sogar per WLAN). Als Musik-Shop ist Amazons MP3-Shop integriert. Neuere iTunes-Käufe ohne DRM laufen reibungslos auf dem Xoom, ältere hingegen (sowie iTunes-Videos) verweigern ihren Dienst.
Note «genügend» für die Apps
Was des iPads App Store ist, nennt sich auf dem Xoom Android Market. Hierbei hat Apple dank dem früheren Start einen deutlichen Vorsprung. Der Android Market bietet zahlreiche Apps, darunter allerdings auch viel Schrott – und Malware, wie Google erst kürzlich eingestand, mit der Konsequenz, dass Apps nachträglich aus dem Shop und von den Endgeräten der Kunden entfernt werden mussten.
Erfreulich ist, dass die meisten der vom Autor täglich genutzten iPad-Apps auch für Android zu haben sind: SBB, ZVV, Facebook, Skype, Twitter, Evernote oder Amazons E-Book-App Kindle; auch vom «Tages-Anzeiger» gibt es eine Android-App. Verzichten muss man auf Dinge wie Flipboard oder The Daily, dafür gibt es eine kostenlose Navigations-App. Doch die Android-Apps sind selten für Tablets optimiert, wirken leider oft lieblos und können in Sachen «Eye-Candy» nicht mit ihren iOS-Gegenübern mithalten. Insgesamt ist das bisherige App-Angebot genügend, mehr nicht.
Bei den Hardware-Anschlüssen hat das Xoom mehr zu bieten: USB und HDMI sind ohne Zubehör vorhanden, einen SD-Karten-Steckplatz hat es ebenso wenig wie das iPad. Doch diese Dinge dürften für die wenigsten Kunden ausschlaggebend sein.
Grösste Hürde ist der Preis
Eher ins Gewicht fallen dürfte der Preis, der bei uns voraussichtlich 999 Franken betragen wird. Ein vergleichbares iPad 2 (mit 3 G und 32 GB Speicher) gibt es demnächst schon für 719 Franken. Apple kann dank dem grösseren Produktionsvolumen elektronische Bauteile günstiger einkaufen und so die Konkurrenz preislich unterbieten.
Unter dem Strich ist das Motorola Xoom eine valable Alternative für all jene, die sich der Apple-Welt partout verweigern. Es ist das Pepsi unter den Tablets, quasi das Anti-iPad schlechthin. Im Gesamterlebnis – Design, Bedienung plus App-Qualität – bleibt das iPad 2 aber unerreicht. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.03.2011, 19:51 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
12 Kommentare
Wer von iPad-Apps und "brauchbarem iTunes-Ersatz" spricht, zeigt leider dass er/sie nicht verstanden hat, worum es geht. Ein Android-Pad oder Phone wird ganz anders genutzt, und zwar so wie man es gewohnt ist, und nicht so wie Apple es vorschreibt. Ein fairer Test würde an den Test herangehen ohne Ersatz zu suchen, sondern indem man die Nutzungsart neu entdeckt. Antworten
Digital
- 06:19Alle iPhone-Gerüchte in einem Video
- 25.05.2012Tim Cook will keine Dividende
- 25.05.2012Google löscht Millionen Einträge
- 25.05.2012Die «Sabotage»-Kinder
- 25.05.2012Facebook überrascht mit eigener Kamera-App
- 24.05.2012Mehr Handys als Zahnbürsten im Umlauf
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.


Bitte warten


