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Begräbt Google unsere Privatsphäre?

Von Roger Zedi. Aktualisiert am 06.02.2009 8 Kommentare

Der neue Ortungsdienst Google Latitude lässt Nutzer Freunde orten. Er spaltet die Gemüter.

Nur einen Tag nachdem Google die Welt mit der neusten Version von Google Earth in Entzücken versetzt hat, zieht der Suchmaschinenbetreiber bereits wieder den Groll der Datenschützer auf sich.

Stein des Anstosses ist der neue Ortungsdienst Google Latitude (dt. Breitengrad): eine Software auf dem Handy, die laufend meldet, wo man sich gerade befindet. Andere Nutzer können auf einer Karte am PC oder auf ihrem Handy verfolgen, wo man ist - vorausgesetzt, der oder die «Verfolgte» hat sie dazu eingeladen.

Für Freunde und Hunde

Ähnliche Dienste gibt es in Südkorea, Japan oder auch den USA bereits. Die Anwendungen reichen dort von «Welche meiner Freunde sind gerade in der Nähe?» übers Aufspüren entlaufener Hunde bis hin zum Suchdienst für Eltern, die wissen wollen, wo ihre Kinder gerade stecken.

Kritiker sehen die Anbieter von Diensten wie Latitude als Totengräber der Privatsphäre und malen bunte Schreckensszenarien von Ehemännern, die ihre ahnungslosen Frauen überwachen, von Chefs, die kontrollieren, wo ihre Angestellten gerade sind, und von Geheimdiensten, die sowieso nichts lieber tun, als unschuldige Bürger zu bespitzeln.

Bisher wenig Interesse

Auch in der Schweiz gab es bereits vor Jahren Versuche, entsprechende Dienste etwa aus Japan zu importieren - nichts ist bisher auf breiten Anklang gestossen. Vielleicht hat Google dank seiner hohen Bekanntheit etwas mehr Glück - und jedenfalls sehr viel mehr Beachtung. Doch gerade weil Google bereits so viel über uns weiss, ist Latitude besonders brisant: Die Suchmaschinenbetreiber wissen nicht nur, wonach wir im Netz suchen, sie können zudem unsere E-Mails lesen, kennen unsere Termine, unser Adressbuch und vieles mehr - je nach dem, wie fleissig wir ihre diversen Dienste nutzen.

Doch die Zeit für Latitude könnte reif sein: Einerseits verfügen immer mehr Leute über Handys mit GPS oder anderen Ortungsmöglichkeiten. Andererseits steigt die Bereitschaft der Leute, vor allem der jüngeren Generation, Privates öffentlich oder zumindest halb öffentlich zu machen. Eindrückliches Beispiel dafür ist der momentane Facebook-Boom, wo immerhin schon jeder siebte Schweizer mitmacht.

Man kann den Dienst ausschalten

Deshalb gut zu wissen: Latitude kann - sofern man es überhaupt nutzen möchte - jederzeit ausgeschaltet werden. Man kann also, wann immer man möchte, vom Radar seiner Freunde und Bekannten verschwinden. Das dürfte Spannern und Stalkern den Spass verderben - und unsere Privatsphäre bekommt noch einmal eine Gnadenfrist. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.02.2009, 12:31 Uhr

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8 Kommentare

Jack Welti

06.02.2009, 09:37 Uhr
Melden

Wer sich diesen Dienst freiwillig aufschaltet ist a) selber schuld und b) tut mir leid. Big brother is watchin you. Wehret den Anfängen! Antworten


Emil Studer

06.02.2009, 09:57 Uhr
Melden

Schade, dass nur Mann den Dienst ausschalten kann. Frau würde sich das bestimmt auch wünschen. Antworten



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