Web-Piraten vor Gericht
Aktualisiert am 15.02.2009 2 Kommentare
Auf Kollisionskurs: The Pirate Bay.
Am 16. Februar kämpfen die Betreiber der Website piratebay.org vor Gericht gegen Hollywood, Musikkonzerne und Staatsbehörden. Den vier Verantwortlichen von Pirate Bay wirft die Anklage Verletzung des Urheberrechts vor.
Kein Material auf eigenen Servern
Die Website ist seit der Lancierung vor vier Jahren längst zu einem riesigen Vermittlungsplatz geworden: Nutzer aus aller Welt laden kostenlos die neusten Hollywood-Filme, TV-Serien oder Songs herunter. Juristisch dürfte der Prozess kompliziert werden. Denn Pirate Bay lagert auf eigenen Servern keinen einzigen Film oder Song. Die Betreiber bieten mittels so genannter Bit-Torrent-Technik nur die Möglichkeit, das Gesuchte irgendwo auf der Welt auf anderen Rechnern zu finden und herunterzuladen. Im Web tummeln sich inzwischen unzählige andere Bit-Torrent-Anbieter. In mehreren Ländern sind die Internetseiten des schwedischen Unternehmens gesperrt. Schweizer können sie problemlos abrufen.
«Grösster Vermittler von Kultur»
Für die Web-Piraten, aber auch für die Film- und Musikindustrie gilt der Prozess als wegweisend beim globalen Streit um das gebührenfreie Herunterladen von Musik, Filmen, Hörbüchern, Computersoftware und anderen digitalen Produkten. «Wir sind die grössten Vermittler von Kultur und Medien aus aller Welt», sagt der Pirate-Bay-Verantwortliche Fredrik Neij. Monique Wadsted, Anwältin der Gegenseite, sieht das freilich anders: «Die verdienen als Nassauer Geld mit Leistungen anderer. Das ist kriminell und wird mit Haft bestraft.» Bisher trotzten die Web-Piraten den Klagedrohungen von Konzernen. Der 24-jährige Mitgründer Gottfrid Svartholm antwortete darauf schon mal schriftlich: «Schickt mehr Klagedrohungen, bei uns ist das Lokuspapier knapp.» Die Betreiber wollen mit Pirate Bay nach eigenen Angaben persönlich kein Geld verdienen.
Das Interesse am bis März dauernden Prozess ist riesig. Erstmals in der schwedischen Geschichte wird ein Gerichtsverfahren live und ungekürzt übertragen. Bei der Ausstrahlung im Web wird aber lediglich der Ton übermittelt, Bildmaterial ist keines zu sehen. (ah)
Erstellt: 15.02.2009, 21:12 Uhr
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2 Kommentare
Hollywood & Co könnte sich unter Umständen damit höchstens eine weitere Blamage einstreichen, ändern wird das ganze im Endeffekt auch herzlich wenig - egal was passiert. Die Betreiber zur Rechenschaft ziehen ist etwas übertrieben, sie machen auf tatsachenebene nichts verwerfliches. Antworten
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Florian Müller
Ich finde auch, dass das völlig unnötig ist. Denn die wahren Copyright-Verletzer sind nie die Anbieter, sondern die Privatpersonen. Und The Pirate Bay stellt nur eine Plattform dar, auf der sich diese Privatpersonen treffen können. Natürlich "offiziell nicht in dieser Absicht". Und an dem Ganzen ist ^so ziemlich nichts illegales. Antworten