Zuckerberg, der Hacker
Von Barbara Ortutay, DAPD. Aktualisiert am 07.02.2012 4 Kommentare
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Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist Milliardär, nennt sich selbst aber Hacker. Die meisten Menschen assoziieren mit dem Wort nur zwielichtige Kriminelle, die fremde Telefongespräche abhören, in E-Mail-Konten eindringen oder Websites angreifen.
Für Facebook ( 31.91 -3.39%) aber bedeutet das Wort Hacker etwas anderes. Es steht für ein Ideal, das die Unternehmenskultur durchzieht. Dabei geht es darum, neue Ideen voranzutreiben, auch wenn sie scheitern, und neue Produkte herauszubringen, auch wenn sie noch nicht perfekt sind.
Shareholder, der ungeliebte Begriff
Hacker glauben daran, «dass etwas immer noch besser sein kann und dass nichts je vollständig ist», erklärt Zuckerberg. «Sie müssen es nur oft vor den Augen derjenigen korrigieren, die sagen, dass es unmöglich ist, oder die mit dem Status quo zufrieden sind.» Diese Sätze sind Teil eines 479 Wörter langen Essays mit dem Titel «The Hacker Way» (Nach Hacker-Art), das mit zu den Unterlagen gehörte, die die Firma für ihren Börsengang einreichte.
Der 27-jährige Zuckerberg, der einen Anteil von 28,4 Milliarden Dollar beim Börsengang hält, benutzt das Wort Hacker zwölfmal in dem Essay, «Shareholder» (Anteilseigner) kommt nur einmal vor. Hätte Zuckerberg diese Bezüge aus seinem IPO-Manifest besser herauslassen sollen, weil es ja potenzielle Investoren abschrecken könnte? Ja, meint Robert D'Ovidio, Dozent für Strafrecht an der Universität Drexel in Philadelphia, der sich mit Computerverbrechen beschäftigt. «Ich glaube, es zeigt vielleicht eine gewisse Unreife auf seiner Seite. Er sollte es besser wissen.»
Böse und gute Hacker
Indem Zuckerberg das Wort Hacker benutzt, versucht er auch, es wieder zurückzugewinnen. Für ihn waren Steve Jobs und die Gründer vieler der grössten Technikunternehmen der Welt Hacker. Das Wort Hacker habe eine unfaire negative Nebenbedeutung bekommen, weil sie in den Medien immer als Leute beschrieben würden, die in andere Computer eindringen, schreibt Zuckerberg. In Wirklichkeit bedeute hacken, schnell etwas aufbauen oder die Grenzen des Möglichen zu testen.
Tatsächlich ist die Bedeutung des Wortes Hacker recht komplex, da es sowohl böse Hacker mit schlechten Absichten als auch gute gibt. Die brechen manchmal auch in Computer ein, aber nur um Schwachstellen aufzuzeigen. Sie machen es im Namen des Fortschritts und nennen sich selbst «White Hats», um sich von den kriminellen «Black Hats» abzugrenzen. Einer der bekanntesten, der die Seiten wechselte, ist Kevin Mitnick, der in den 90er-Jahren wegen Hackerangriffen verurteilt wurde. Jetzt ist er Sicherheitsberater. «Ich breche in Computer ein, um Lücken zu finden, bevor die bösen Jungs es machen», erklärt Mitnick.
Bedeutungswandel in den 80er- und 90er-Jahren
Der Begriff «Hacken» reicht wohl rund ein halbes Jahrhundert zurück und entstand am Massachusetts Institute of Technology (MIT), wo Technikfreaks mit Telefonsystemen und Computern experimentierten. «Das MIT war das Mesopotamien des Hackens. Hier begann die Hackerkultur», sagt Steven Levy, Autor des Magazins «Wired», der 1984 das Buch «Hackers: Heroes of the Computer Revolution» schrieb.
Die kleine Gruppe der Hacker in den 50er- und 60er-Jahren beurteilte einander nach den kreativen und technischen Fähigkeiten, habe den Begriff als Auszeichnung betrachtet, sagt Levy, so wie Zuckerberg das heute auch mache. «Das waren diejenigen, die das mit dem Computer gemacht haben, was man nicht tun sollte», erläutert Levy.
Es dauerte bis zu den 80er- und 90er-Jahren, als sich die Bedeutung des Begriffs Hacker zu verändern begann. Einige machen dafür Robert Morris verantwortlich, einen Studenten der Computerwissenschaft, der 1988 den ersten Computerwurm auf das Internet losliess. Er war auch der Erste, der in den USA nach dem erst zwei Jahre zuvor verabschiedeten Gesetz gegen Computerbetrug verurteilt wurde.
Erfolg durch ständigen Wandel
Zuckerberg will das Wort Hacker in seiner ursprünglichen Bedeutung verwendet sehen. Für ihn gilt immer noch der Ansatz, dass es wichtig ist, etwas anzupacken. Zuckerberg verbringt auch heute noch Stunden damit, selbst Programmcode zu schreiben, obwohl er inzwischen selbst Hunderte Programmierer eingestellt hat. Aber diese Arbeitshaltung hat Facebook zu dem gemacht, was es heute ist.
Als das einst mächtige Netzwerk Myspace aufhörte, sich weiterzuentwickeln, wandten sich die Nutzer dem saubereren, moderneren und sich ständig verändernden Facebook zu. Inzwischen ist die Zahl der Nutzer bis auf 845 Millionen gestiegen, obwohl sich die Seite immer weiter verändert und damit viele Nutzer und die Datenschützer verärgert. Aber auch das werden Zuckerberg und die anderen Hacker wohl in den Griff bekommen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.02.2012, 08:34 Uhr
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4 Kommentare
Für mich ist Zuckerberg ein äusserst schlauer Geschäftsmensch, vielleicht noch schlauer als Bill Gates. Zuckerberg hat schon manchen Gimpel erfolgreich aufs Kreuz gelegt. That's it. Ein Hacker im guten Sinne ist für mich Steven Woznia, ein Linus Thorvalds oder ein Richard Stallman. Antworten
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