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«Wir sind nur ein Lieferservice für Piraten»

Aktualisiert am 23.01.2012 14 Kommentare

Der in Neuseeland inhaftierte Gründer des inzwischen geschlossenen Online-Speicherdienstes Megaupload, Kim Schmitz, hat die Vorwürfe der Internetpiraterie zurückgewiesen.

1/11 Die US-Behörden haben die Website des Internetdienstes Megaupload geschlossen, die Verantwortlichen wurden verhaftet: Bram van der Kolk, Finn Batato, Mathias Ortmann und Kim Schmitz (von links).
Bild: Keystone

   

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Der in Neuseeland verhaftete und wegen Internet-Piraterie und Geldwäsche angeklagte Gründer der Internet- Tauschbörse Megaupload, Kim Schmitz, hat sich vor einem Gericht für unschuldig erklärt. Er beantragte am Montag in Auckland deshalb eine Freilassung auf Kaution.

«In diesem Fall wird es keinerlei Entgegenkommen von Mr Dotcom geben», sagte sein Anwalt und benutzte dabei einen Spitznamen des 37-jährigen Deutschen. Staatsanwältin Anne Toohey warnte dagegen, es bestehe eine sehr hohe Fluchtgefahr, da Schmitz Zugang zu viel Geld, Transportmöglichkeiten sowie mehreren Identitäten habe und ausserdem schon mehrfach vor der Justiz geflohen sei.

Bizarre Karriere

Sein Verteidiger dagegen argumentierte, dass sein Reisepass beschlagnahmt und seine Finanzen eingefroren seien und Schmitz dauerhaft in Neuseeland bleiben wolle. Megaupload war eine der weltgrössten Umschlagplätze für Raubkopien, der Film- und Musikstudios um eine halbe Milliarde Dollar Einnahmen gebracht haben soll.

Schmitz hat eine der bizarrsten Karrieren der New Economy hingelegt und wurde zusammen mit drei weiteren Managern von Megaupload am Freitag in Auckland verhaftet. Die Behörde wirft ihnen unter anderem Verstösse gegen Gesetze zum Schutz von Urheberrechten, Geldwäsche und organisiertes Verbrechen vor.

Ausschweifender Lebensstsil

Die Strafen darauf sind hart: Allein auf letzteres stehen 20 Jahre Haft. Die Polizei in Neuseeland beschlagnahmte Gegenstände im Wert von mehreren Millionen Dollar, Luxus-Autos wie etwa einen Rolls- Royce sowie umgerechnet acht Millionen Dollar von den Beschuldigten.

Laut Anklageschrift soll Megaupload mit dem Weiterverteilen von geschützten Filmen, Musiktiteln und Softwareangeboten über 175 Millionen Dollar eingenommen haben. Der gebürtige Deutsche Schmitz mischte seit Mitte der neunziger Jahre in der deutschen Internetszene mit und ist für seinen ausschweifenden Lebensstil bekannt.

Ein Promi-Anwalt für Schmitz

In den USA wird Schmitz vor Gericht von einem der prominentesten Anwälte der USA verteidigt. Robert Bennett teilte mit, dass er das wegen Urheberrechtsverletzungen angeklagte Unternehmen vertrete. Er versprach eine engagierte Verteidigung, lehnte es aber ab, auf Einzelheiten des Falles einzugehen.

Bennett wurde nicht zuletzt durch seine Verteidigung des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton bekannt. Diesem war von einer Frau sexuelle Belästigung vorgeworfen worden. Bennett war auch Verteidiger des US-Energiekonzerns Enron, der nach massiven Bilanzfälschungen 2001 Insolvenz anmelden musste.

Zwei Verteidigungsstrategien?

Bennett dürfte sich nach Einschätzung der New Yorker Anwaltskanzlei White and Case zwei Verteidigungsstrategien zurecht gelegt haben. Wenn es ihm gelänge zu zeigen, dass die Betreiber nichts von illegalem Material auf ihren Servern wussten, könnte er Megaupload gemäss dem US-Urheberrecht als sogenannten «sicheren Hafen» darstellen, sagte Partner Stefan Mentzer.

Eine zweite Möglichkeit sei, prozessrechtlich gegen ein Verfahren im US-Staat Virginia vorzugehen, sollte die Staatsanwaltschaft nicht in der Lage sein, kriminelle Aktivitäten des in Hongkong registrierten Unternehmens im zuständigen Gerichtsbezirk nachzuweisen.

Mentzers Einschätzung nach hat die Anklage jedoch einiges in der Hand. «Das Justizministerium reicht nicht unbekümmert Klage ein», sagte der auf Urheberrecht spezialisierte Anwalt. In der Anklageschrift wird ein Chat zwischen zwei mutmasslichen Komplizen zitiert, in der sie über das Geschäftsmodell von Megaupload sprechen. «Wir sind in einem lustigen Geschäft - moderne Piraten», schrieb einer. «Wir sind keine Piraten, antwortete ein anderer. «Wir sind nur ein Lieferservice für Piraten.»

(rek/sda/afp/dapd)

Erstellt: 23.01.2012, 08:39 Uhr

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14 Kommentare

Ramon Paxus

23.01.2012, 10:11 Uhr
Melden 17 Empfehlung

Ich frage mich, ob DHL oder Fed-Ex ebenfalls verklagt würden, wenn ich schwarzgebrannte CDs verschicke. Antworten


Roland Peter

23.01.2012, 09:57 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Was mich am meisten stört ist das Wort Piraten. Ein Wort, erfunden von der Musik-Mafia, die mit Hilfe der Politik sich auch noch zu Plünderer machen. Antworten



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