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Reto Knobel
Ressortleiter Digital


Wie Google Schweizer Daten gesammelt hat

Aktualisiert am 19.05.2010 13 Kommentare

Google hat Daten aus privaten offenen WLAN-Netzen gescannt und gespeichert. In Deutschland läuft deswegen ein Ermittlungsverfahren. Jetzt äussert sich Google in einem Interview.

«Willkommen bei Google»: Die Bildschirmbotschaft in einem Google-Büro wirkt angesichts der jüngsten Vorfälle fast schon zynisch.

«Willkommen bei Google»: Die Bildschirmbotschaft in einem Google-Büro wirkt angesichts der jüngsten Vorfälle fast schon zynisch.
Bild: Reuters

Umfrage

Google hat für den Kartendienst Street View in über 30 Ländern den Datenverkehr von ungesicherten WLAN-Netzen aufgezeichnet und gespeichert. Muss Street View nun verboten werden?

Ja

 
46.3%

Nein

 
53.7%

962 Stimmen


Kay Oberbeck ist Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Google in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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Anlässlich der Aufnahmen für den Kartendienst Street View sammelte und speicherte Google (GOOG 703 0.44%) auch Inhalte von WLAN-Netzen (DerBund.ch/Newsnet berichtete). Laut einem Bericht des Fernsehsender NDR hat die Staatsanwaltschaft Hamburg jetzt ein Ermittlungsverfahren gegen den Internetkonzern eingeleitet. DerBund.ch/Newsnet hat sich mit einem Google-Vertreter über die jüngsten Vorfälle unterhalten.

Kay Oberbeck, der österreichische Autor Gerald Reischl wirft Google vor, WLAN-Netzwerke absichtlich abgehört zu haben.
Es handelt sich um einen Fehler, den wir sehr bedauern und für den wir uns entschuldigen. Ursache war die unbeabsichtigte Verwendung von Programmierzeilen aus einem früheren experimentellen Projekt bei der WLAN-Datenerhebung für standortbezogene Dienste.

Einige Kritiker befürchten, dass Google die Daten jetzt weiterverwendet.
Diese Daten sind nie in Google-Produkte eingegangen. Insgesamt gehen wir in 30 Ländern von etwa 600 Gigabyte aus, was dem Inhalt eines handelsüblichen Laptops entspricht.

Wurden auch Nutzdaten gesicherter WLANs aufgezeichnet?
Nein. Es wurden nur Nutzerdaten solcher WLAN-Netzwerke erfasst, deren Funkverbindung ungesichert und somit ohne Passwortschutz ausgestattet waren. Auch hätte das Netzwerk zum Zeitpunkt der Durchfahrten angeschaltet sein müssen, und man hätte surfen müssen. Verschlüsselte Sites (https) wie etwa Online-Banking-Adressen wurden nicht erfasst. Zudem wechselt der Empfangskanal 5 Mal pro Sekunde.

Ihr Unternehmen sagt, man habe bereits mit der Löschung der problematischen Dateien begonnen. Auch in der Schweiz?
Darüber sind wir mit dem Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten im Gespräch. Die Daten aus Irland, Österreich und Dänemark wurden unter Aufsicht eines externernen Prüfers bereits gelöscht. Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich auch in der Schweiz mit der Löschung zu beginnen.

Werden diejenigen Nutzer informiert, deren Daten aufgezeichnet wurden?
Höchste Priorität hat jetzt die Löschung der Daten. Wie gesagt: Wir wollten diese Daten nie erfassen und können versichern, dass sie ebensowenig jemals für Google-Produkte eingesetzt wurden.

Street View steht schon seit Längerem im Fokus der Kritik. Haben Sie keine Angst, dass das ganze Projekt jetzt gestoppt respektive verboten wird?
Street View ist rechtmässig. Die Erfassung von WLAN-Daten für standortbezogene Dienste, in deren Rahmen die unbeabsichtigten Fragmente von Nutzdaten erfolgte, hat mit dem Produkt Street View nichts zu tun. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.05.2010, 10:47 Uhr

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13 Kommentare

Theophil Amgarten

19.05.2010, 12:33 Uhr
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Diese globalen Konzerne haben unendliche Macht. Seien es Finanzen, Rohstoffe, oder eben Daten. Google muss zerschlagen werden, ebenso wie Banken zerschlagen werden müssen. Als Bürger ist man existentiell durch solche gierigen, skrupellosen Banden bedroht. Wechseln Sie jetzt zu anderen Suchmaschinen! Antworten


Ralf Marer

19.05.2010, 12:36 Uhr
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Unbeabsichtigt war das nicht. Codezeilen gehen nicht einfach vergessen - schon gar nicht wenn es sich um ein experimentelles Projekt handelt. Oder kommen bei Google experimentelle Projekte zum flächendeckenden Einsatz? Und selbst wenn das so gewesen wäre, was ich stark bezweifle - da bei Google keine Rookies arbeiten - dann hätte man spätestens bei der Analyse der Daten den Fehler merken müssen. Antworten



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