Warum das Internet ungebremst wächst
Von Roger Zedi. Aktualisiert am 15.11.2010 2 Kommentare
Akamai Technologies
Lotsen für ein Viertel des globalen Datenverkehrs
Die in Cambridge (MA), USA, ansässige Firma Akamai entstand vor 12 Jahren als Spin-off des Massachusetts Institute of Technology. Akamai sorgt dafür, dass die Websites und Businessapplikationen ihrer Kunden zuverlässig, sicher und schnell aufgerufen werden können. Zu diesem Zweck betreibt die Firma mehr als 70'000 spezielle Server, die bei diversen ISPs (Internet Service Provider) auf der ganzen Welt stehen. Die dabei angewandten Methoden zur Bestimmung des «kürzesten Weges» durch das Internet sind mathematisch hochkomplex. Ruft man eine Website im Browser auf, dann wird die Anfrage nicht direkt an den betreffenden Server gesandt, sondern muss sich einen Weg durch die weltweit rund 10'000 ISPs bahnen – und die standardmässig zugeteilte Route ist eben nicht immer optimal. Rund 25 Prozent des globalen Internetdatenverkehrs werden von Akamai durch das Internet gelotst. Zum Kundenkreis zählen Apple, Adobe, BMW, eBay, ESA, Microsoft, Siemens, Yahoo und aus der Schweiz unter anderen Nestlé, BASF,UBS oder das Web-TV Wilmaa. Wer den Webtraffic beobachten möchte: Die iPhone-App von Akamai, «Net Usage», zeigt einen groben Überblick.(rcz)
Herr Sagan, Sie eröffnen in Zürich gerade das erste Hauptquartier Ihrer Firma ausserhalb der USA. Was passiert hier?
Wir betreiben auf der ganzen Welt Verkaufsbüros, doch in Zürich wollen wir das Geschäft für unsere Kunden ausserhalb der USA weiterentwickeln. Derzeit arbeiten hier knapp 20 Leute, doch es werden bald mehr sein.
Warum fiel die Wahl auf Zürich?
Die zentrale Lage in Europa war uns wichtig, unsere Kunden können am selben Tag an- und wieder abreisen. Oder in dieser schönen Stadt übernachten. Ausserdem sind die lokalen Behörden sehr kooperativ.
Spielt es für Sie eine Rolle, dass Unternehmen wie Google oder Microsoft hier stark präsent sind?
Weniger die konkreten Firmen, als dass es in Zürich einen renommierten Technologiesektor gibt.
Der weltweite Datenverkehr wächst jährlich weiter. Wo wächst er derzeit am stärksten?
Ausserhalb der USA, in Asien und in Europa.
Wie schnell wachsen die mobilen Zugriffe auf das Internet?
Ebenfalls schnell. Wir gehen davon aus, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre mehr als die Hälfte aller Zugriffe von mobilen Geräten aus kommen wird.
Vor kurzem wurde in den USA gewählt, in der Wahlnacht wurde ein neuer Weltrekord im Datenverkehr erwartet. Ist der eingetreten?
Nein. Das liegt wohl daran, dass die Wahlresultate nicht alle auf einen Schlag bekannt wurden. Obamas Inauguration war der grössere Event. Und den Weltrekord hält weiterhin die Fussball-WM.
Was war für Sie bisher die überraschendste Spitze im Datenverkehr?
Ich staune immer wieder, wie gross das Interesse an Prominenten ist. Michael Jacksons Beerdigung ist immer noch eines der fünf grössten Internetevents.
Fernsehen via Netz trägt offenbar viel zum globalen Datenverkehr bei. Wie sieht da der Trend aus?
Obwohl diese Events viel Datenverkehr auslösen, erfolgt nach wie vor erst rund 1 Prozent des TV-Konsums via Internet. Und es hat 15 Jahre gedauert, bis wir bei diesem einen Prozent angekommen sind. Doch das wird sich nun wahrscheinlich jährlich verdoppeln. Die Restriktionen dabei sind weniger die Technologie als die Haltung derjenigen, die die Inhalte produzieren.
Wurde das Wachstum des Datenverkehrs in den letzten zwei Jahren, in denen es der Weltwirtschaft nicht so gut ging, gebremst?
Nein. Die Internetnutzung wächst, selbst wenn die Weltwirtschaft darbt.
Gibt es also keine Korrelation?
Sehen Sie, in guten Zeiten wächst das Netz mit. Und in schlechten Zeiten wächst es, weil der Druck auf die Unternehmen, ihre Prozesse zu optimieren, zunimmt. Dabei setzen sie ebenfalls auf das Internet. Das grösste Wachstum überhaupt passiert in diesem Bereich.
Wo lauern die grössten Hindernisse?
Unsere grösste Herausforderung ist es, genügend gute Leute zu finden, die alles am Laufen halten.
Nicht im Ausbau der Infrastruktur?
Nein. Es mag sein, dass derzeit etwas zurückhaltender investiert wird, aber kein Internetprovider der Welt kann es sich leisten, dies zu vernachlässigen.
Wie stehen Sie zur sogenannten Netzneutralität, die gewährleistet, dass alle Daten unterwegs gleich behandelt werden?
Das Internet ist ein riesiger Erfolg, weil es so offen für alle ist. Wir denken, dass muss so bleiben. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 14.11.2010, 23:27 Uhr
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2 Kommentare
"Die zentrale Lage in Europa war uns wichtig, unsere Kunden können am selben Tag an- und wieder abreisen." - ein kleiner Wink an die Flughafen-Beerdiger. Wer sich verkehrstechnisch ins Offside schiesst, tut dies auch wirtschaftlich. Ein Flughafen, der dank Umsteigepassagieren auch genügend direkte Interkontinentalflüge anbieten kann, bringt viel mehr als ein gutgemeintes Legislaturziel "eZurich". Antworten
@Marc Bourgeois: Wie recht Sie haben. Aber wie wollen Sie einem faktenresistenten Linksideologen klar machen, dass er an dem Ast sägt auf dem er sitzt? Den verblendeten Rechthabern ist es egal wenn es uns allen schlechter geht, Hauptsache es geht allen gleich schlecht und sie selbst übernehmen die Führung um dann noch etwas gleicher zu sein als die normalen "Gleichen". Antworten
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