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Reto Knobel
Ressortleiter Digital


Warnungen vor einer neuen Dotcom-Blase

Aktualisiert am 28.12.2010

US-Experten warnen: Firmen, die nur wenige Jahre alt sind, würden massiv überbewertet. Starblogger Fred Wilson schreibt: «Das endet nie nett.»

Teures Imperium: Der Unternehmenswert von Facebook hat innerhalb weniger Monate um 50 Prozent zugenommen. Das Bild zeigt eine bildliche Umsetzung der Vernetzung der 500 Millionen Mitglieder des weltgrössten Internetnetzwerks.

Teures Imperium: Der Unternehmenswert von Facebook hat innerhalb weniger Monate um 50 Prozent zugenommen. Das Bild zeigt eine bildliche Umsetzung der Vernetzung der 500 Millionen Mitglieder des weltgrössten Internetnetzwerks.
Bild: AFP

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Facebook (FB 26.25 0.46%) wurde erst vor sechs Jahren entwickelt, öffentlich ist es seit Ende 2006. Noch jünger ist Twitter, der Kurznachrichtendienst wurde 2006 ins Leben gerufen. Facebook und Twitter sind nur zwei von unzähligen New-Economy-Unternehmen, die in den letzten Jahren einen Boom erlebt haben und – eine weitere Gemeinsamkeit – heute Milliarden wert sind.

Wie schwer genau Facebook und Co. sind, hat das Unternehmen Nyppex nun errechnet. Laut diesem Marktforschungsunternehmen ist der Wert der elf grössten Online-Netzwerke im letzten halben Jahr um 54 Prozent angestiegen. Facebook ist laut der Studie heute sage und schreibe 41,2 Milliarden Dollar wert, Twitter 3,7 Milliarden Dollar.

Das nicht börsenkotierte Facebook hat somit etablierte Internetkonzerne wie Ebay (EBAY 56.71 1.63%) und Yahoo überholt. Selbst vergleichsweise «kleine» IT-Unternehmen wie Zynga (Games) und Groupon (Online-Coupon-Verkäufer) kommen auf 5 respektive 4,8 Milliarden Dollar.

Bewertungen, die keinen Sinn machen

Branchenbeobachter vergleichen diese Entwicklung mit dem Aufstieg der New Economy Ende der 90er-Jahre – und den bekannten Folgen zu Beginn der Nullerjahre. Venture-Kapitalgeber Alan Patricof etwa wird in der Zeitung «Economist» zitiert mit den Worten: «Es gibt wohl eine Blase bei den Start-ups».

Warnende Worte kommen auch von Starblogger Fred Wilson: «Ich sehe viele unechte Handlungen von Investoren. Phasen wie diese enden nie nett.» Die «New York Times» rät Investoren von einem Engagement bei Dotcom-Firmen ab. «Etliche Bewertungen machen einfach keinen Sinn», heisst es dort. Eine Kritik, die wohl auch auf Sharepost zutrifft. Laut diesem Marktplatz für nicht börsenkotierte IT-Firmen ist das Zuckerberg-Imperium derzeit sogar 56 Milliarden Dollar wert.

Ist es demnach nur eine Frage der Zeit, bis zehn Jahre nach dem ersten New-Economy-Crash der nächste Totalabsturz folgt? Durchaus möglich, schreibt der Business-Blog von «Meedia»: «Die wildesten Kursexzesse seit der Millenniumshausse vor elf Jahren spielen sich in diesen Tagen an Sekundärmärkten wie Sharepost ab, wo Investoren Anteile von Internet-Unternehmen in privater Hand erwerben können.»

«Facebook wird noch gaaaaaaaaanz gross»

«Facebook wechselt jetzt für ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 200 bis 400 den Besitzer», rechnet Henry Blodget von Businessinsider.com vor. Gehe man von einem diesjährigen Erlös von zwei Milliarden Dollar aus, entspreche die Bewertung fast dem 30-fachen des Umsatzes. Der Gewinn aber dürfte höchstens 20 Prozent des Umsatzes ausmachen. «Käufer auf diesem Niveau», folgert Blodget, «müssen offenbar glauben, Facebook wird noch gaaaaaaaaanz gross» («Facebook is gonna be huuuuuuuge»). (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.12.2010, 10:40 Uhr

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