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Vor dem Job kommt die Frage nach dem Facebook-Passwort

Aktualisiert am 27.03.2012 7 Kommentare

«Das ist so, als ob sie jemanden nach dem Hausschlüssel fragen»: Unternehmen und Behörden in den USA fordern von Bewerbern die Zugangsdaten zu sozialen Netzwerken.

1/6 Laut Recherchen der Nachrichtenagentur AP fragen viele US-Firmen und Firmen und vor allem auch Behörden bei Bewerbungen nach Facebook-Benutzernamen und dem Passwort.
Bild: AFP

   

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Als Justin Bassett beim Bewerbungsgespräch war, wartete er auf die üblichen Fragen nach seiner Erfahrungen oder nach Referenzen. Völlig überrascht war er, als er plötzlich nach etwas ganz anderem gefragt wurde: nach seinem Facebook-Benutzernamen und dem Passwort dazu. Bassett weigerte sich und verzichtete auf die Bewerbung. Für ein Unternehmen, das so private Informationen haben will, wolle er nicht arbeiten, erklärte Bassett.

Bassett ist kein Einzelfall. Nach Recherchen der Nachrichtenagentur AP fragen einige Firmen und vor allem auch Behörden in den USA Bewerber nach solch persönlichen Dingen. Ihnen reicht es offenbar nicht, die sozialen Netzwerke nach Informationen über den Bewerber zu durchsuchen. «Das ist so, als ob sie jemanden nach dem Hausschlüssel fragen», sagt der frühere Staatsanwalt und Jurist Orin Kerr von der George Washington Universität. Für ihn sind solche Fragen eine «ungeheuerliche Verletzung der Privatsphäre».

Senatoren fordern klare gesetzliche Regelung

In den USA schlägt die Sache inzwischen Wellen bis nach Washington. Die demokratischen Senatoren Chuck Schumer und Richard Blumenthal wandten sich an Justizminister Eric Holder, der aufgefordert wurde zu prüfen, ob solche Fragen gegen Bundesgesetze der USA verstossen. Gleichzeitig kündigten sie Gesetzesinitiativen an, um mögliche Lücken in der Gesetzgebung zu schliessen.

Auch Facebook (FB 24.1999 -3.43%) warnte Unternehmen davor, Bewerber nach ihrem Passwort zu fragen. Facebook drohte gar mit rechtlichen Schritten gegen solche Aufforderungen, da sie gegen die Nutzungsbestimmungen von Facebook verstossen, nach denen die Weitergabe eines Passworts verboten ist.

Ein Facebook-Sprecher riet Unternehmen auch im eigenen Interesse davon ab, nach Passwörtern zu fragen. Denn wenn der Arbeitgeber im Facebook-Profil Informationen finde, aufgrund derer er den Bewerber ablehne, müsse er eine Diskriminierungsklage fürchten und könnte zur Einstellungen desjenigen verpflichtet werden. Auch in den USA sind Fragen nach persönlichen Informationen wie Geschlecht, Rasse, Religionszugehörigkeit oder Alter bei Bewerbungsgesprächen in der Regel nicht erlaubt.

Auf der Suche nach Verbindungen zu Banden

Fragen nach Passwörtern zu sozialen Netzwerken kommen in den USA offenbar häufiger bei Behörden vor, die Positionen bei den Sicherheitskräften zu besetzen haben. So war das auch 2010 bei Robert Collins, der sich im Staat Maryland um eine Wiedereinstellung bei der Gefängnisbehörde nach einer Pause wegen des Tods seiner Mutter bewarb. Begründet wurde die Frage damit, dass mögliche Verbindungen zu Banden überprüft werden müssten.

Collins war zwar perplex, kam der Aufforderung aber nach. «Ich brauchte den Job, um meine Familie zu ernähren», erinnert er sich. Nachdem die Bürgerrechtsunion gegen diese Praxis protestiert hatte, änderte die Behörde ihr Vorgehen so, dass Bewerber sich während des Vorstellungsgesprächs selbst in ihr Konto in einem sozialen Netzwerk einloggen sollen, damit der Interviewer Einblick erhält.

Das ist auch schon seit 2006 so im Bezirk McLean in Illinois, wenn man einen Job bei der Polizei möchte. In der Stadt Bozeman im US-Staat Montana ist es üblich, dass Bewerber Passwörter für ihre E-Mail-Adressen, sozialen Netzwerke und sonstigen Online-Konten nennen müssen.

Spezielle Programme durchsuchen Nutzerkonnten

Seit dem Aufstieg der sozialen Netzwerke ist es üblich geworden, dass Firmen bei Bewerbungen diese Netze nach Informationen über mögliche Bewerber durchsuchen. Dabei werden auch spezielle Programme eingesetzt, die das Profil eines Nutzers mit dessen Erlaubnis scannen können. Eine Sprecherin der Sears Holdings, Kim Freely, begründete dies damit, dass das Unternehmen auch sehen wolle, ob der Bewerber vielleicht für andere Jobs, an die er noch gar nicht gedacht habe, infrage komme.

Die Karriereberaterin und Buchautorin E. Chandlee Bryan rät Bewerbern, immer darauf zu achten, was auf den Seiten ihrer sozialen Netzwerke stehe. Man müsse immer damit rechnen, dass andere sich das ansehen wollten. Direkte Fragen nach Passwörtern sieht sie kritisch, etwas anderes sei es, wenn der Arbeitgeber über eine Freundschaftsanfrage Einblick in das Profil eines Bewerbers bekomme. (rek/dapd)

Erstellt: 27.03.2012, 10:44 Uhr

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7 Kommentare

Jeremy Niffenegger

27.03.2012, 12:37 Uhr
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Jetzt sind die Amis komplett durchgedreht. Aber leider machen wir hier ja alles über kurz oder lang nach. Da kann man ja nur noch gute Nacht wünschen. Antworten


Ronnie König

27.03.2012, 12:13 Uhr
Melden 25 Empfehlung 0

Die USA drehen langsam durch! Wer so einen Kandidaten durchleuchten will, der ist kriminell. Wenn keine Menschlichkeit und Vertrauen mehr herrscht, so ist eine Gesellschaft faul im Kern und das bedeutet nichts gutes. Es endet in einer modernen form von Sklaverei. Das gilt es zu verhindern. Darum gehört dieses Denken und der Neoliberalismus überwunden. Es dient nur ganz wenigen und schadet vielen. Antworten



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