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«Videospiele haben mir das Leben gerettet»
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In einem heissen, vollgestopften Raum in der somalischen Hauptstadt Mogadiscio sitzen zehn Kinder auf Holztischen, wie sie auch in Schulen zu finden sind. Die Kinder sind aber nicht zum Lernen hier, sie starren auf einen kleinen Fernsehbildschirm und halten Controller fest in der Hand. Videospiele sind jetzt der Hit bei den Kindern in Mogadiscio, wo in grossen Teilen der Stadt während der Herrschaft militanter Islamisten jahrelang jede westliche Unterhaltung verboten war.
Die islamistische Al-Shabab-Miliz wurde im vergangenen Jahr von Truppen der Afrikanischen Union und somalischen Einheiten aus der Stadt vertrieben. Seitdem hat sich viel verändert. Es gibt wieder neue Restaurants, an den Strand ist das Leben zurückgekehrt, das Theater hat wieder geöffnet, es gibt Videospielläden.
Dass es jetzt wieder solche elektronischen Unterhaltungssysteme gibt, hat positive und negative Aspekte. Einige Eltern sind froh, dass ihre Kinder «von der Strasse» sind. Das verringert die Gefahr, dass sie von Islamisten rekrutiert werden. Anderseits schwänzen aber einige Kinder auch die Schule, um sich vor ein Videospiel zu setzen. «Ich verbringe den halben Tag hier. Die Spiele sind faszinierend», sagt der 16-jährige Abdirizak Muse, der seit Anfang vergangenen Jahres nicht mehr in der Schule war - die Islamisten hatten dort Schützengräben ausgehoben.
Mittel gegen Gewalt
Mohamed Deq Abdullahi, Vater von zwei Kindern, sah seinen Söhnen kürzlich zu, wie sie an einem sonnigen Tag ein Fussball-Videospiel spielte. Er sieht das neue Hobby als gute Entwicklung. «Da haben sie den ganzen Tag was zu tun. Ich will nicht, dass sie sich langweilen und in den Krieg gehen», sagt Abdullahi. «Je mehr sie sich damit beschäftigen, desto müder werden sie und desto mehr ignorieren sie die Gewalt.»
Besonders beliebt sind zwar die Videospiel-Läden, in denen die Kinder gegen Geld spielen können, einige wenige Eltern haben aber auch ein Spielsystem für zuhause gekauft. Muse Haji, ein Vater von sechs Kindern, hat eines angeschafft. «Für uns war es eine Entscheidung zwischen einem kleineren und einem grösseren Übel», sagt Haji. «Es ist besser, dass meine Kinder zuhause bleiben und spielen statt radikalisiert und als lebende Bomben missbraucht zu werden. Wir haben vor allem nicht gewalttätige Spiele, Rennspiele, Fussball und einige Lernspiele.»
Spiele als Lebensretter
Wie alle Kinder dieser Generation seinen auch seine von Technik fasziniert, sagt Haji. Das sei eine positive Veränderung im Vergleich zur Vergangenheit, als sich Kinder mehr für Waffen und den Krieg interessierten.
Der 15-jährige Ali Abdi erklärt, er sei von der Al-Shabab ausgebildet worden, um zu kämpfen. Nach einem Besuch bei seiner Mutter habe diese ihn nicht mehr weggelassen. Sein Bruder eröffnete einen Spieleladen und dort verbringt Abdi jetzt seine Zeit. Er will auch wieder zur Schule gehen, wenn die Islamisten nicht länger an den Schulen versuchen, ihre Kämpfer zu rekrutieren. «Viele meiner Freunde sind unglücklich», sagt Abdi. «Sie haben an Gewalt teilgenommen. Einige sind gestorben. Andere tragen Waffen. In gewisser Weise haben Videospiele mir das Leben gerettet.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.05.2012, 11:02 Uhr
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