Hacker entert im grossen Stil private Facebook-Konten
Von Reto Knobel. Aktualisiert am 26.04.2010
«Auf gesetzlicher Ebene besteht Verbesserungsbedarf», kritisiert der oberste Schweizer Datenschützer Hanspeter Thür. (Bild: Reuters )
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Laut einem Bericht des Sicherheitsportals Idefense Labs bietet derzeit ein russischer Hacker 1,5 Millionen Zugangsdaten zum weltweit grössten sozialen Netzwerk zum Verkauf an. Wie genau der Hacker an die Zugangsdaten der Facebook-Mitglieder gelangt ist, ist noch unklar. Es kann auch nicht ganz ausgeschlossen werden, dass die Facebook-Konten künstlich angelegt wurden.
Der Hacker namens Kirllos verlangt für ein Paket mit 1000 Passwörtern umgerechnet zwischen 27 bis 48 Franken, je nach Umfang der jeweiligen Freundesliste. Das Geschäft rentiert offenbar: Wie das Online-Magazin Gulli.de berichtet, hat der Hacker bereits 700'000 Kontendaten verkauft.
Naive Facebook-Gemeinde
Das Kirllos-Angebot ist für Cyberkriminelle verlockend, für Spammer und Phisher gibt es nichts Verlockenderes als Facebook-Accounts, mit denen man zu vielen zusätzlichen Daten kommt und ganze Gruppen zuspammen kann. So hat erst kürzlich eine Studie der IT-Securityfirma Bitdefender bewiesen, dass über soziale Online-Netzwerke versandte Junkmails viel erfolgversprechender sind als per Mail verschickter Spam, der oft gleich wieder gelöscht werde. Facebook-Mitglieder, so das Ergebnis der Analyse, würden oft ohne auch nur eine Sekunde zuzuwarten, Freundesanfragen von wildfremden Netzwerk-Mitgliedern annehmen und Links anklicken, die von diesen «Freunden» empfohlen werden.
Doch es kommt noch schlimmer: Der Forscher Nitesh Dhanjani warnt, ein Fehler in Facebook ( 31.91 -3.39%) erlaube es Anwendungen von Drittanbietern, auch ohne ausdrückliche Genehmigung auf Daten aus einem Nutzerprofil zuzugreifen.
Die Warnung des Konsumentenschutzes...
Es sind indes nicht nur fremde Aktivitäten, die dieser Tage bei Facebook-Nutzern für Unmut sorgen. Unter anderem wurde das Social Network von der Stiftung Warentest massiv kritisiert. Wer seine persönlichen Daten schützen wolle, so der Vorwurf der deutschen Konsumentenschützer, müsse mühsam Einstellungen suchen und ändern. Facebook habe in den letzten Monaten so viele Einstellungen geändert, dass viele Profildaten wie Name und Nutzerfoto in Gruppen für jeden Nutzer einsehbar seien.
...und der Frust des Datenschützers
In Deutschland ist der Unmut inzwischen so weit fortgeschritten, dass die Verbraucherzentrale Bundesverband abrät, Facebook zu nutzen. Eine solche Empfehlung geht für den eidgenössischen Datenschützer Hanspeter Thür zu weit, er sagt aber: «Auf gesetzlicher Ebene besteht Verbesserungsbedarf.» Es müsse zwingend vorgeschrieben werden, dass bei solchen Produkten und Dienstleistungen die Grundeinstellungen den grösstmöglichen Schutz gewährleisten sollten. «Wer diesen Schutz nicht in Anspruch nehmen will, soll aktiv werden müssen und die Datenfreigabe anordnen.» Heute sei es leider umgekehrt: Wer mehr Schutz wolle, müsse sich mühsam durch die Software hindurchklicken und die entsprechenden Einstellungen suchen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.04.2010, 11:33 Uhr
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