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Grosse Pläne mit kleinem Plus
Von Mathias Born. Aktualisiert am 20.07.2011 5 Kommentare
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«Wünsche uns viel Glück. Wir werden es gebrauchen können.» Dies schrieb Vic Gundotra in der ersten Mitteilung auf Google+. Kurz zuvor hatten er und sein Entwicklerteam das neue soziale Netzwerk aufgeschaltet, mit dem der Internetgigant Google (GOOG 666 -0.15%) der populären Plattform Facebook (FB 18.04 3.09%) Konkurrenz machen will.
Im Blogeintrag zur Lancierung von Google+ konnte sich Vic Gundotra einen Seitenhieb gegen den grossen Konkurrenten nicht verkneifen: «Das Problem ist, dass heute im Web jeder den Stempel ‹Freund› aufgedrückt bekommt», schrieb er. Das sei im wirklichen Leben anders: Man stehe in vielen unterschiedlichen Beziehungen. «Wir teilen das eine mit Freunden, andere Dinge mit den Eltern und fast nichts mit dem Chef.» Oder anders gesagt: Es gebe einen Unterschied zwischen dem Freundes-, Kollegen- und Bekanntenkreis. Und genau dies sei der Kern von Google+.
Derzeit nur mit Einladung
Google+ befindet sich in der Testphase. Mitmachen können bloss Leute, die eine Einladung erhalten haben. In den ersten Tagen wurden diese aber erstaunlich weit gestreut, wie nach dem ersten Einloggen augenfällig wird: Viele Kollegen haben sich bereits eingeschrieben. Das erleichtert den Aufbau des eigenen Beziehungsnetzes: Die Profile der Kollegen werden kurzerhand markiert und auf den mit «Bekannte» angeschriebenen Kreis gezogen.
In den Freundeskreis hingegen schaffen es bloss Einzelne. Und der «Familienkreis» bleibt leer, bis die Geschwister und Eltern aufgetaucht sind. Bei Bedarf können neue Kreise erstellt werden: etwa einer für die Arbeitskollegen oder einer für die Mitsänger des Chors. Selbstverständlich kann eine Person auch mehreren Kreisen zugeordnet werden.
Facebook wirkt umständlicher
Dank den Kreisen kann man genau festlegen, welche Informationen wem zugänglich gemacht werden. Bei Facebook ist dies mit den Listen zwar auch möglich, allerdings umständlicher als beim neuen Angebot von Google.
Obwohl Google+ noch in der Testphase steckt, macht die Plattform bereits einen ausgereiften Eindruck. Ob Statusmeldungen schreiben oder Fotoalben verwalten: Die Benutzeroberfläche kommt aufgeräumt daher und ist intuitiv zu bedienen. Sehr spannend ist der Dienst «Huddle», auf Deutsch «Haufen»: Damit können Chats mit grossen Gruppen geführt werden – etwa mit dem Kreis der Arbeitskollegen, um eine Absprache zu treffen, oder den Chorsängern, um sich auf die Lieder für den anstehenden Auftritt zu einigen.
Die Software erkennt, wer spricht
Mit «Hangouts» geht Google noch einen Schritt weiter. Dieser Dienst erlaubt Videotelefonate mit bis zu zehn Freunden. Die Software erkennt, wer spricht – und blendet das Bild des Wortführers gross ein. Ergreift ein anderer Teilnehmer das Wort, schaltet sie automatisch um.
Selbstverständlich kann auch von Smartphones aus auf Google+ zugegriffen werden. Eine entsprechende App für Geräte mit Googles Betriebssystem Android ist verfügbar; Besitzer anderer Smartphones müssen sich noch mit einer langsameren und einfacheren Web-App begnügen.
Mit der zweckmässigen Android-App lassen sich unter anderem Statusmeldungen absetzen sowie jene der verbunden Personen lesen. Zudem synchronisiert die App auf Wunsch automatisch alle Fotos mit dem Onlinealbum. Um ein Bild für andere Nutzer freizugeben, muss bloss noch ein Gutzeichen gesetzt werden.
Google ist in Zugzwang
Der erste Test zeigt: Google hat sehr gute Arbeit geleistet. Das ist aber auch dringend nötig: Der Internetkonzern dominiert zwar das Suchgeschäft, spielt bei den sozialen Netzwerken aber keine wichtige Rolle. Frühere Anläufe sind weitgehend gescheitert: Der Facebook-Konkurrent Orkut hat nie über Brasiliens Grenze heraus Zuspruch gefunden. Der Dienst «Wave» überforderte die Nutzer mit den vielen neuartigen Möglichkeiten. Und mit «Buzz» handelte sich Google Probleme mit Datenschützern ein.
Derweil wuchs Facebook rasant weiter. Heute zählt dieses Netzwerk rund 700 Millionen Mitglieder. Viele jüngere Leute nutzen es anstelle der Suchmaschine als Ausgangspunkt für ihre Surftouren. Das kostet Google Zugriffe. Zudem besetzt Facebook einen immer grösseren Platz auf dem Werbemarkt, wo Google einen grossen Teil der Einnahmen erwirtschaftet.
Ein Befreiungsschlag?
Spätestens als der Konkurrent Microsoft (MSFT 35 1.74%) in den Kooperationsverhandlungen mit Facebook das Rennen machte, musste Google in die Offensive gehen. Mit Google+ versucht der Internetkonzern nun also den Befreiungsschlag. Kein Wunder, bittet Vic Gundotra in seiner ersten Statusmeldung auf der neuen Plattform um viel Glück. (Berner Zeitung)
Erstellt: 05.07.2011, 15:16 Uhr
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5 Kommentare
Ich war anfangs auch von der Idee begeistert aber diese unsägliche "Einladungs-Geschichte" ist einfach nur nervig. Es gibt verschiedene Portale wo man leute bitten kann jemand einzuladen aber das funktioniert nur manchmal. Ich verstehe einfach nicht weshalb google so ein riesen TamTam macht. Testen könnten sie es gut Inhouse aber nein, die Leute müssen zuerst alle verärgert werden.. Antworten
@Pat
Absolute Zustimmung, mein Interesse war gross, aber dieses "TamTam" um die Einladungen hat mein Interesse an Google+ absolut abgelöscht, sowas nenn ich wahrlich eine miese Marketingstrategie.X Unzählige Einladungen bekommen von Blogs etc. keines funktionierte.Entweder das Portal für alle freischalten und im Testmodus nur für einige wenige belassen.Total daneben diese Strategie
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