Geld aus dem sozialen Netz
Von Roger Zedi. Aktualisiert am 09.05.2011 2 Kommentare
Mehr als 13'000 Leute spendeten fast eine Million Dollar für die Lunatik. (Bild: PD)
Die magnetischen Blumentöpfe Uribo erhielten vorab über 60'000 Dollar. (Bild: PD)
Links
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Was haben ein Garten, den man mit Magneten an die Wand hängen kann, ein multifunktionaler Fotostativ-Aufsatz fürs iPhone und ein Armband, mit dem der iPod touch zur Armbanduhr wird, gemeinsam? Alle drei haben den Sprung von der (Schnaps-)Idee zum realen Produkt geschafft. Und alle drei wurden via Crowdfunding finanziert.
Dahinter steckt ein noch junges Konzept zur Anschubfinanzierung von Projekten, für die keine Bank und wohl auch kein Risikokapitalist Geld geben würde. An ihre Stelle tritt die Crowd, also die Menschenmenge, sprich: Internetnutzer. Via Internet unterstützt eine Vielzahl von Leuten mit kleinen Beiträgen jene Projekte, die sie gerne realisiert sähen. Entsprechende Plattformen sind vor allem in den USA populär, beispielsweise Kickstarter.com, Rockethub.com oder Quirky.com. Dort kann jeder seine Idee präsentieren und um Geld bitten. Die Spannweite reicht von technischen Gadgets über Modelabels, Möbeldesign und Kunsthappenings bis hin zu Comics, Musicals und Dokumentarfilmen.Zu den prominentesten Beispielen, die dank Crowdfunding gestartet sind, zählt auch die offene, dezentrale Facebook-Alternative Diaspora. Die Macher baten die Massen um 10'000 Dollar – und erhielten schliesslich über 200'000 Dollar von über 6000 Spendern. Wer 10 Dollar gespendet hat, bekommt als Dank eine CD mit der fertigen Software, wer mehr Geld gegeben hat, Aufkleber, T-Shirts, Gratis-Telefonsupport für bis zu einem Jahr oder – ab einem Betrag von 2000 Dollar – einen neuen PC mit vorinstalliertem Diaspora.
Investieren statt spenden
In den USA nicht erlaubt ist der Verkauf von Firmenanteilen via Internet, deshalb entspricht die Unterstützung dieser Projekte eher einer Spende als einer Investition. Man kann sich auf diesem Weg nicht an Firmen beteiligen, also Aktionär werden.
In Europa fasst die Idee des Crowdfunding erst langsam Fuss. Es gibt noch eine gewisse Hemmschwelle, über das Internet in junge Unternehmen zu investieren. Dass sich das in absehbarer Zeit ändert, darauf setzt nun eine neue Plattform aus Zürich: C-Crowd. Denn die Schweiz bietet attraktive Rahmenbedingungen, hier erlaubt es das regulatorische Umfeld, dass man Ideen, an die man glaubt, nicht nur mit Spenden unterstützt, sondern via Internet in die betreffenden Unternehmen investiert und im Gegenzug Aktionär wird. «Wir sind wahrscheinlich die weltweit einzige Plattform, über die man sowohl Spenden als auch Direktinvestitionen tätigen kann», sagt Philipp Steinberger, Finanzberater und Mitbegründer von C-Crowd.Steinberger berät schon länger junge Firmen, hilft bei Businessplänen und macht sie fit für die Kapitalsuche. «Die eigentliche Investorensuche ist der aufwendige Teil dabei», sagt er, «und teils ineffizient.» Auf der Suche nach Möglichkeiten, diesen Prozess effizienter zu gestalten, lag es nahe, auf das Internet zu setzen, und so stiess Steinberger rasch einmal auf das Thema Crowdfunding. Vor einem Jahr entschloss er sich dann gemeinsam mit zwei Geschäftspartnern, eine eigene Plattform aufzubauen. Mit eigenem Kapital gründeten sie Ende 2010 die C-Crowd AG, im Frühjahr kam ein Investor als weiterer Partner hinzu.
Auf die Schweiz fokussiert
Auf ihrer vor wenigen Wochen gestarteten Crowdfunding-Website findet man derzeit drei junge Firmen, die auf Kapitalsuche sind: Quitt.ch, eine Vermittlung für legale Haushaltshilfen, Doggykitchen, einen Hersteller von «natürlichem und gesundem Hundefutter», sowie die Macher des geolokalisierten iPhone-Games «Gbanga», das wir vor einer Woche hier vorgestellt haben. Vorerst können nur Aktiengesellschaften mit Sitz in der Schweiz via C-Crowd Kapital suchen, nebst Start-ups steht die Plattform auch bestehenden Firmen offen. Mindestens 50'000 Franken muss der Kapitalbedarf betragen.
Auch gemeinnützige Projekte können unter dem Stichwort «Charity» Unterstützung seitens der Crowd suchen, vorausgesetzt, sie haben ihren Sitz in der Schweiz oder setzen ihre Projekte hier um. Für Künstler und wohltätige Zwecke gibt es keine Mindestlimite beim Kapitalbedarf. Wer möchte, kann sich derzeit an der Renovation des Kinderheims Titlisblick in Luzern beteiligen, das Soforthilfe-Projekt für Japan der Heilsarmee unterstützten, bei der Gründung einer «Bank mit Herz» mithelfen, der Stiftung Idrate spenden, die Trinkwasserprojekte «in benachteiligten Gegenden» realisiert, oder er kann über die Stiftung «Zugang für alle» die Ausbildung von Menschen mit Behinderung zum Webmaster fördern. «Mittelfristig wollen wir über die Schweiz hinaus wachsen», sagt Steinberger. C-Crowd verrechnet jeweils eine Vermittlungsgebühr, das Geld fliesst jedoch immer direkt vom Investor an die Projekte.Ein weiterer Unterschied zu den amerikanischen Plattformen liegt darin, dass auf C-Crowd niemand sein Projekt einfach selber online stellen kann. Vielmehr muss man sich darum bewerben. «Mit unserem Fachwissen klären wir die wichtigsten Fragen ab, wir befragen die Unternehmer persönlich über ihre Projekte», sagt Steinberger. Er betont aber auch, dass C-Crowd keine tief greifende Unternehmensprüfung durchführt und selbst wenn ein Projekt online gestellt wird, dies nicht als Empfehlung für Investoren zu verstehen sei.Die Macher von C-Crowd möchten auch eine gewisse Demokratisierung des Investments ermöglichen. «Viele Projekte haben es schwer, von Banken oder Risikokapitalisten Geld zu bekommen», sagt Steinberger. Die meisten müssen also für Kapital auf die drei F – Family, Friends & Fools – zurück greifen, doch nicht jeder stammt aus einem finanzstarken Umfeld. C-Crowd versucht, das immer noch etwas elitäre Businessangel-Konzept etwas zu demokratisieren.
Festgelegter Mindestbetrag
Geld investieren (oder spenden) kann jeder, der an eines der Projekte besonders glaubt. Die Firmen legen jeweils fest, wie viel Geld sie insgesamt benötigen und was der Mindestbetrag für eine Beteiligung ist.
Viele kleine Investoren statt ein, zwei Grosse zu haben, kann durchaus ein Vorteil sein. «Jeder Investor ist vermutlich auch eine Kunde, der aktiv in seinem Bekanntenkreis Marketing betreiben wird», sagt Steinberger. Erst wenn genügend Investoren beisammen sind und das Finanzierungsziel erreicht wird, findet die Transaktion auch statt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.05.2011, 21:02 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
2 Kommentare
Ich habe einfach die Erfahrung gemacht, dass schweizer Geldgeber Fakten sehen wollen. In den USA ist es üblich, dass ein 2er Team per Video-Clip Skizzen zeigt, aber keine Lösung zum anfassen in der Schublade bereit hält. In der Schweiz würde man so nur ein müdes Lächeln gewinnen. Die Plattform ist sicher gut, ich denke Sie wird aber nur erfolgreich sein, wenn Jungunternehmer Fakten präsentieren. Antworten
Digital
- 06:19Alle iPhone-Gerüchte in einem Video
- 25.05.2012Tim Cook will keine Dividende
- 25.05.2012Google löscht Millionen Einträge
- 25.05.2012Die «Sabotage»-Kinder
- 25.05.2012Facebook überrascht mit eigener Kamera-App
- 24.05.2012Mehr Handys als Zahnbürsten im Umlauf
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Bitte warten

